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Um Trost und erlösende Mitarbeit zu bringen – die Serviten in Pesthidegkút

Um Trost und erlösende Mitarbeit zu bringen – die Serviten in Pesthidegkút
Servitenhaus und Wallfahrtskirche Maria-Einsiedeln (Mária Remete) in Pesthidegkút – historische Postkarte
Emmerich Kretz
Religiöse Orden sind Gemeinschaften von Männern oder Frauen, die sich mit Gelübde bestimmten Regeln unterworfen haben und nach christlicher Vollkommenheit streben. Die ersten Mönche lebten in christlicher Zeit als Einsiedler in der ägyptischen Wüste und in Syrien. Im Orient regelten die Bestimmungen des Kirchenlehrers Basilius, genannt der »Vaters der morgenländischen Mönche«, das Ordensleben. Im Westen gab Benedikt von Nursia, dessen Orden hier mehrere Jahrhunderte allein bestand, dem westlich-abendländischen Mönchstum um 529 eine feste Form. Die Benediktinerregeln verlangten von den Ordensleuten ein maßvolles Leben, Gehorsam gegenüber dem Abt, Gebet, Meditation und Arbeit. Erst im hohen Mittelalter, Klöster waren nun neben Burgen Zentren kulturellen Lebens, erfolgten die Gründungen der Cluniazenser, Zisterzienser und noch anderer Gemeinschaften, Diese widmeten sich hauptsächlich dem Gottesdienst und Betrachtungen, aber auch der Seelsorge. Daneben bildeten sich die auf Besitz und Wohlstand weitgehend verzichteten Bettelorden der Franziskaner, Dominikaner oder die nach augustinischen Regeln lebende Serviten-Gemeinschaft. Die Gründung dieser aus einer landesweiten Armutsbewegung hervorgegangenen Genossenschaft in der Toskana, geht auf das Jahr 1233 zurück.

Zu Zeiten der Kreuzzüge im frühen 13. Jahrhundert war in weiten Teilen Italiens, auch in der Toskana, die landsässige Bevölkerung verarmt. Ihr standen eine selbstbewusste städtische Einwohnerschaft, Händler, Handwerker und vor allem reiche Kaufleute gegenüber. Unter dem Einfluss der Predigten Franz von Assisis, der den Weg der Armut und reiner Christusnachfolge gewählt hatte gründeten im toskanischen Florenz angesehene Kaufleute, die »sieben heiligen Väter«, den Ordo Servorum Mariae (Serviten OSM). Die Väter gelobten Verzicht auf jeglichen Besitz und mithilfe der Gottesmutter Maria ein Leben in völliger Armut. Weiter hieß es in einem Traktat, Hab, Gut und Vermögen des neuen Ordens stünden ausnahmslos Bettlern und Armen zu. Am Dreikönigstag des auf die Ordensgründung folgenden Jahres erhielten zwei der Kaufleute den Auftrag, auf den Straßen der angesehenen Handelsstadt zu sammeln und zu betteln. Die verängstigte in Endzeiterwartungen lebende Einwohnerschaft Florenz´ spendete großzügig, den der weitbekannte Geschichtsphilosoph und Abt Joachim von Fiore hatte neben Verfolgungen der Kirche auch das Erscheinen des Antichristen und den Weltuntergang exakt für das Jahr 1260 berechnet. Sogar der vom Papst gebannte Stauferkaiser Friedrich II. wollte »ein baldiges Ende der Zeiten« nicht ausschließen. Offensichtlich auch wegen der nur von wenigen Zeitgenossen angezweifelten Prophezeiungen des Abtes errichteten die »sieben heiligen Väter« zusammen mit vertrauten Helfern schon 1241 das erste Kloster.

Beeindruckt von ihrem Aufbauwerk bestätigte der päpstliche Legat für die Toskana die Priesterbruderschaft der Serviten-Väter und es kam 1249 zu einer Anerkennung durch die Kirche. Die geweissagte Apokalypse, die Vision vom letzten Kampf des Gottesreiches, blieb freilich aus. Der später heiliggesprochene Philipp Benizi gilt als zweiter Gründer der Gemeinschaft. Er befürwortete mit Blick auf die Zukunft einen weiblichen Zweig und schrieb die Satzungen neu. Darin wurde der Lebensstand der Männer und jetzt auch der Frauen, die nach den Ordensregeln lebten und sich mit einem Gelübde banden, nochmals bestätigt. Die erste deutsche Ordensprovinz bestand bereits im fünften Jahr, als Papst Benedikt XI. dem Ordo Servorum Mariae im Jahr 1304 mit der Bulle Dum levamus sein Plazet erteilte. Im 16. Jahrhundert nach Beginn der Reformation, die zur Gründung der getrennten evangelischen Konfessionen führte, kam es zur Auflösung aller bis dahin bestehenden 17 deutschen Klöster. Gleichzeitig blühte jedoch das Ordensleben der Serviten in Italien. Der bekannteste Ordensmann jener Zeit war Paolo Sarpi. Im folgenden Jahrhundert gründeten sich von Rom aus Klöster in Frankreich und Spanien.

Mit dem Bau in Innsbruck 1613, der heutige Servitenkirche, wurde im deutschsprachigen Raum wieder ein Kloster nahe dem Gotteshaus heimisch. Wenige Jahre später, die Serviten hatte das Klosters Kreuzberg bei Bonn übernommen, erfolgte dort die Neugründung des Ordens in deutschen Ländern. Dies war ein Anlass, sich auch in Wien einzurichten, wo man ebenso präsent sein wollte. Am Anfang bestand in der Kaiserstadt allerdings nur eine bescheidene Holzkapelle. Den Grundstein zu ihrem Gotteshaus in Wien legten die Serviten im Jahr 1651. Den größten Teil des heute noch vorhandenen Klosters erstellte man erst nach der Türkenbelagerung 1683.

Von Innsbruck ausgehend gründeten sich nun zahlreiche Ordenskolonien im Südosten der Donaumonarchie, vor allem in Ungarn. Dort hatte sich der Ordo Servorum Mariae im Jahr 1689 niedergelassen und in der Zentralstadt Pesth (später Budapest) ein Kloster errichtet. Die Bauten des Serviten-Bettelorden waren einfach und zweckmäßig. Die Erbauer verzichteten bei Kirchen auf Türme zugunsten von schlichten Dachreitern. Auch das Querhaus strahlte nur Nüchternheit aus. Allein auf die Predigt ausgerichtete erschien das Kirchenschiff vielen Besuchern als zu schmucklos.
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