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Personalien

Andreas Ormos 90

Der Chronist Kaltensteins (Levél)
Andreas Ormos
Foto: faz
Andreas Ormos geb. am 17. September 1927 in Kaltenstein (Levél) wächst mit sechs Geschwistern auf dem Bauernhof der Eltern Josef Ormos und Eva geb. Hofbauer auf. Ohne vorherigen Kindergartenbesuch wird er Schüler der katholischen Grundschule und von seinem Lehrer Erdös aufgrund seiner Begabung nach der 6. Klasse – nach anfänglicher Weigerung – am Piaristengymnasium in Ungarisch Altenburg (Magyaróvár) angemeldet. In dieser Zeit wurde an der kath. Grundschule nach dem sog. »B-Zug« unterrichtet, d. h. anfänglich deutsch und ab der 2. Klasse zunehmend ungarisch. Auf dem Gymnasium erhielt er bereits nach den ersten Monaten Schulgeldbefreiung bis zum Ende seiner Schulzeit.

Sozusagen von der Schulbank weg wurde er, wie tausende seiner Landsleute aufgrund des Abkommens vom 14. April 1944 zwischen dem Deutschen Reich und der ungarischen Regierung als ungarischer Staatsbürger zur »Deutschen Wehrmacht – Waffen SS« zusammen mit seinem Vater und seinen zwei älteren Brüdern eingezogen. Nach Wehrausbildung und Einsatz in der Slowakei und Österreich erlebte er das Kriegsende im »Waldviertel«, bei den Amerikanern, die ihn und seine Kameraden den Russen überstellten. Seine Kriegsgefangenschaft liest sich wie eine Odyssee quer durch Europa und verschiedene Sowjetrepubliken. Eine »Reise« von Österreich, durch Ungarn und Rumänien bis Constanza am Schwarzen Meer und von dort per Schiff nach Odessa, weiter nach Sewastopol, Novosibirsk und schließlich bis Suchumi in Abchasien. Anfangs Arbeiten an verschiedenen Orten zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus im Wald, am Bau, am Straßenbau und bis Nov. 1948 im Kohlebergwerk auf der Südseite des Elbrus-Gebirges. Weihnachten 1948 landete er nach einer Reise über Tiflis, durch Tschetschenien und entlang dem Kaspischen Meer schließlich in Stalingrad/Wolgograd, wo es galt die Kriegsreste zu beseitigen und an Neubauten zu arbeiten. Im Juni 1949 wurde er nach Woronesch am Don verlegt, wo er die Chance erhielt sich nebenbei in Russisch weiterzubilden, sodass er letztlich zum Lohnbuchhalter ernannt wurde. In diesem Lager traf er auch auf seinen Bruder Josef, der in Budapest in Gefangenschaft geraten war und über Leningrad/St. Petersburg hier landete. Im November 1950 wurde Andreas Ormos zusammen mit über 1200 ungarndeutschen Kameraden nach Ungarn überstellt, wo sie von den ungarischen Behörden in den Lagern Kazinc-Barcika (Erstellung eines Chemiewerkes) und Tiszalök (Bau eines Wasserkraftwerkes) von 1950 bis Oktober1953 unter völkerrechtswidrigen Bedingungen in einem »Arbeits-Schweigelager« interniert wurden. Im November 1953 wurde er aufgrund intensiver Bemühungen deutscher Politiker und amerikanischer Militärbehörden und nicht zuletzt aufgrund des Telefonats des damaligen LDU-Gründers Dr. Ludwig Leber mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Imre Nagy, wie die meisten seiner gefangenen Kameraden, zu seinen bereits 1946 nach Deutschland vertriebenen Angehörigen entlassen.

Er hat am 17.11.1953 seine vertriebene Familie in Herrenberg-Gültstein wieder getroffen. Hier trat Ormos 1954 in den Polizeidienst von Baden-Württemberg ein, den er 1987 als Polizeihauptmeister beendete.

Andreas Ormos ist seit 17.11.1956 mit seiner Frau Maria (»Ria«) verheiratet; sie erfreuen sich ihrer vier Töchter, mittlerweile zehn Enkel und zwei Urenkelinnen. Sie wohnen nach wie vor in Hbg.-Gültstein im Eigenheim in der Karpatenstraße 21.

Sehr bald schaltete er sich auf Ersuchen von Dr. Leber in die landsmannschaftliche Arbeit im Landesvorstand der LDU ein; sein besonderes Engagement galt seinen Landsleuten im Kaltensteiner Heimatkomitee, an der Spitze mit dem 1987 verstorbenen Altrichter und stellvertretenden Vorsitzenden der LDU Baden-Württemberg, Johann Zimmermann. Mit ihm gab er 1966 eine Kaltensteiner Chronik heraus. Von 1960 bis 2004 organisierte Ormos alle zwei Jahre die Kaltensteiner Heimattreffen, zuerst in Laufen/N. und ab ca.1980 in Herrenberg-Affstätt.

Er war Mitbegründer und ist Vorstandsmitglied in der Vereinigung ungarndeutscher Kriegsgefangener, der »Kameradschaft des 4. Oktober« und Mitverfasser des Buches über ihre Gefangenschaft in Tiszalök: »Gefangen, Geschunden und Verschwiegen«.

Er gehörte auch zum Komitee, das in Frauenkirchen/Österreich, nahe der alten Heimat, das Heideboden-Gedenkkreuz errichtete und das 1984 in Anwesenheit zahlreicher Landsleute aus aller Welt und prominenter Politiker aus dem Burgenland eingeweiht wurde.

Ormos ist ein Förderer der ökumenischen Zusammenarbeit seiner katholischen und evangelischen Landsleute. Nicht zuletzt seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass – wie zuvor 1989 die evangelische Kirche – 1991 die Renovierung der katholischen Kirche mit finanziellem-, materiellem- und Arbeits-Einsatz aus Deutschland in Anwesenheit des Bischofs aus Raab feierlich begangen werden konnte, allerdings der Gottesdienst nur in Ungarisch und ohne ein Dankeschön des Bischofs!

Seit 1955 berichtet er in der Heimatzeitung »Unsere Post« über Geburts- und Todestage der Landsleute in der alten und neuen Heimat. Im Jahrbuch der Deutschen aus Ungarn »Unser Hauskalender« sind jährlich Berichte von Ormos über das Leben in der alten Heimat zu finden. [...]
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