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Ilma Rakusa
Aufgerissene Blicke
Berlin-Journal
Literaturverlag Droschl, Graz Wien
ISBN 978-3-85420-836-5
Bezug: Buchhandel
Preis: 16,– €
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»Es gibt Orte, die einen ansprechen, und andere. Berlin hat mich immer angesprochen. Es sprach zu mir, als es geteilt war, es hat nicht aufgehört, zu mir zu sprechen.«
Ilma Rakusa war ein knappes Jahr, von Oktober 2010 bis Juli 2011 einer der umsorgten Gäste des Wissenschaftskollegs (Wiko) in Berlin. Schon 10 Jahren zuvor hatte sie sich notiert: »Die Stadt ist im Umbruch, wie ich«. –Und heute: »Daran hat sich nichts geändert«.
Die Autorin nutzt diese Monate ausgiebig, um neben ihrer eigenen Arbeit im Wiko viele Plätze in Berlin wieder- oder neu zu entdecken. Sie nimmt sich Zeit, neugierig hinter Ecken und in Hinterhöfe zu schauen, das Leben auf sich zukommen zu lassen. Und so spielt auch manch schöner »Zufall« mit, um lange nicht gesehen Bekannte und Freunde unvermutet zu treffen. Dieses Berlin-Journal, wie es im Untertitel heißt, ist kein Reiseführer zu den interessantesten Orten Berlins – und soll es auch nicht sein – sondern Rakusas ganz persönliche Begegnung. »Berlin ist für mich ein Scharnier zwischen Ost und West geblieben, eine Stadt, die mir meine Herkunft aus dem Osten bewusst macht und gleichzeitig Zukunft bereithält, ist sie doch ständig im Umbruch, unterwegs zu sich selbst.«
Die privaten Spaziergänge trennt sie sorgfältig von ihrer Arbeit im Wiko. Nur zuhause, in ihrer kleinen Wohnung in Berlin-Mitte – und meist am Wochenende macht sie Eintragungen, lässt die Bilder der Woche Revue passieren, Eindrücke und Begegnungen nachwirken.
Ilma Rakusa ist geradezu begeistert von der Vitalität der Stadt, für das Nichtperfekte, das Zufällige, das nicht Fertige in Berlin, das ständig im Wandel Begriffene – und vermittelt dabei (ungewollt) doch den Eindruck, sie müsse die Stadt gegen Nörgler verteidigen. Berlin selbst scheint sie aufzufordern, sich auf die Stadt einzulassen. Was sie auch tut »schon seiner Großzügigkeit wegen«. Ganz anders hat die Rezensentin Berlin erlebt: ständig aus Papptellern futternde und Kaffee-to-gotrinkende Berliner (nicht Touristen). Junge Berliner, die sich im Gedränge hinter uns unterhielten: »Ich kann die Schwaben überhaupt nicht leiden – aber am meisten hasse ich die Bayern!« Da tut es gut und macht neugierig auf ein anderes Berlin, auf ein Berlin der Intellektuellen und Künstler: Begeistert ist die Autorin von Friederike Mayröcker, deren Bücher sie auch in Berlin liest – und die ihr geistiger Dialogpartner ist, wie sie in einem Interview auf der Leipziger Buchmesse bekennt. Häufig stellt sie Zitate der Dichterin in den Text. [...]
Gudrun Brzoska

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Ildikó Noémi Nagy
Oh Bumerang
Stories
Aus dem Ungarischen von György Buda.
Originaltitel:
Eggyétörve, 2010. Verlag Jung und
Jung, Salzburg und Wien, 2013.
ISBN:
978-3-99027-034-9;
128 Seiten, gebunden.
Bezug: Buchhandel
Preis: 17,90 €
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Ildikó Noémi Nagy legt in ihrem ersten Band Geschichten vor, in denen es sich um Befindlichkeiten dreht: Stimmungen und Alltagszustände einer jungen Frau, die sich an ihre Schulzeit, an ihre Teenagersehnsüchte und Teenagerängste in ihrem Amerika und Ungarn erinnert. Die Autorin wuchs zweisprachig auf, ihre Eltern emigrierten nach 1956 nach Kanada; – viel mehr erfährt man nicht über sie.
Sicher kann man diese autobiografisch erzählten Skizzen nicht eins zu eins umsetzen. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass hier schreibend verschiedene Identitäten ausprobiert werden.
Sicher kann man diese autobiografisch erzählten Skizzen nicht eins zu eins umsetzen. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass hier schreibend verschiedene Identitäten ausprobiert werden.
Sicher ist aber, dass Nagy ihre zwiespältigen Erfahrungen der Zugehörigkeit – nicht nur zu zwei Ländern, sondern sogar zu zwei Kontinenten hier mit einbringt. Auf der einen Seite das großzügige – für ungarische Verhältnisse – luxuriöse Leben in Amerika, mit Bungalow, Autos, Internatserziehung und einem Hund, der unbedingt dazugehören muss, eben dem »American Way of Life«; auf der anderen Seite die mehr als beengten Verhältnisse als Studentin in Budapest. Trotzdem, ihr Herz scheint am Leben in Ungarn zu hängen, das spürt man immer wieder.
Vieles äußert sich jedoch auf beiden Seiten des Atlantik im Leben der Jugendlichen sehr ähnlich: man langweilt sich, sitzt herum, redet irgendwas, trinkt, raucht. Wichtig sind Musikclips, wichtig, dass die Musik einer bestimmten Band das jeweilige Lebensgefühl unterstreicht. Hier wie da schläft man miteinander – nur so –es gehört dazu – man klaut eine Kleinigkeit, weil es Sport ist.
Die junge Generation erkennt sich wahrscheinlich wieder in den Geschichten; sie kennt die Probleme, sie kennt die Musik, die Bands. Die Älteren unter uns tun sich da wahrscheinlich schwerer: Die Lebenssituation ihrer Jugend sah ganz anders aus.
[...]
Gudrun Brzoska

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György Spiró
Der Verruf
Roman
Aus dem Ungarischen von Ernő Zeltner.
Nischen
Verlag, Wien & Budapest, 2012.
ISBN 978-3-9503345-1-7;
320 Seiten, gebunden.
Originaltitel Tavaszi tárlat, 2010.
Bezug: Buchhandel
Preis:
22,80 €
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Spiró, der großartige Erzähler greift mit seinem Roman noch einmal die ganze Tragödie, aber auch die Farce im Gefolge des ungarischen Volksaufstandes von 1956 auf. Es sind die ersten Wochen der Kádár-Regierung: Er zeigt, wie in einer Diktatur ein ganz und gar Unbeteiligter fertig gemacht wird, wie durch Terror die Masse in Furcht und Atem gehalten wird, und wie sich fast eine ganze Gesellschaft solidarisch gibt in ihrer Angst und wie sie gemeinsam Front macht gegen einen vom Regime willkürlich zum Täter ausgewählten Opfer. Er zeigt aber auch, wie das Opfer, wenn es noch einmal davon kommt, ganz schnell das ihm zugefügte Unrecht vergessen will, um in der Masse aufzugehen.
Gyula Fátray, »Unser Held«, wie ihn der Autor einführt, ist 46 Jahre alt, Maschinenbauingenieur und in der Planungsabteilung eines Betriebes beschäftigt.
Die Judenpogrome konnte er, versteckt mit seiner Frau, überleben. Nach dem Krieg hatten sie das Land nicht verlassen, sondern an einem klassenlosen Regime mitarbeiten wollen. Sie haben einen Sohn, den 11-jährigen Matyi, nicht besonders intelligent – doch auf ihm ruhen die bürgerlichen Hoffnungen der Eltern.
Nach dem Krieg ließ Unser Held seinen Nachnamen, Klein, magyarisieren – eigentlich sollte er Tátrai heißen, doch mehrere Fehler machten daraus »Fátray«, mit einem Y am Ende, was auf adelige Herkunft schließen lässt.
Kati, seine Frau, eine überzeugte Kommunistin und Kämpfernatur, will Partei und System gut finden, obwohl sie im Herzen eine Kleinbürgerin ist, gern in einer anständigen Wohnung mit schönen Möbeln und gutem Geschirr leben würde – und nicht in einer Einzimmerwohnung mit Diele. Sie hat eine Stelle als Protokollschreiberin bei den vier Jurys, welche Bilder für die große Frühjahrsausstellung 1957 heraussuchen, wirkliche Kenntnisse von Kunst hat sie nicht. Das Familienleben gestaltet sich nicht sehr harmonisch; jeder geht seinem Beruf nach, die Mutter hat ehrgeizige Pläne für den Sohn, der Vater kümmert sich kaum. Eine Durchschnittsfamilie eben, in einer Großstadt mit sehr beengtem Wohnraum. [...]
Gudrun Brzoska

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Alaine Polcz
Frau an der Front
Ein Bericht
Aus dem Ungarischen von Lacy Kornitzer.
Suhrkamp Verlag, 2012.
ISBN 978-3-518-42306-6;
231 Seiten, gebunden.
Originaltitel: Asszony a
fronton. Egy fejezet élemből, 1991 & 2005.
Bezug: Buchhandel
Preis:
22,95 €
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Von diesem Buch kommt man so schnell nicht wieder los: »Frau an der Front«, die Leiden einer jungen Frau, die 1944 auf der Flucht in die Frontlinie gerät. Die Autorin schreibt schnörkellos und ohne Pathos. Die schrecklichsten Dinge habe sie gar nicht aufgeschrieben, wie sie sagt. Fünfundvierzig Jahre später erzählt sie von diesen Monaten auf der Flucht. Vorher durfte in Ungarn nicht darüber gesprochen werden – unsagbar, dass das siegreiche Brudervolk, die Sowjets, sich so bestialisch benommen hätten: »In Ungarn löste das Buch 1991 bei seinem Erscheinen ungläubiges Entsetzen aus«, wie es in der Verlagsinformation heißt – »obwohl es doch bekannt war. […] Inzwischen ist das Buch in elf Sprachen übersetzt und zählt heute zu den bedeutendsten Lebenszeugnissen von Frauen aus den Jahren des Zweiten Weltkriegs in Mitteleuropa«.
Ende März 1944 heiratet Alaine Polcz in Klausenburg (Cluj, Kolozsvár) in Siebenbürgen den angehenden Dichter und Journalisten János. Sie ist sehr verliebt, spürt aber bald, dass er sie nicht liebt. Er spricht kaum mit ihr und beachtet sie nicht. Bis zum Ende ihrer Ehe weiß Alaine nicht, warum er sie eigentlich geheiratet hat. Schon auf der Hochzeitsreise betrügt János sie und steckt sie an mit Gonorrhö. Alaine fühlt sich sehr unsicher und allein, vertraut sich aus Scham aber niemandem an.
Einmal, 45 Jahre später, muss sie darüber reden – nach so vielen Jahren – obwohl sie inzwischen darüber steht – aber es beschäftigt sie; ihre unglückliche grausame Ehe und das brutale Leben zwischen den Fronten:
Schon bald nach ihrer Hochzeitsreise besetzen deutsche Soldaten Klausenburg. Alaine fängt an sich zu fürchten, als ihre Freunde den gelben Stern tragen müssen und verschleppt werden. Chaos bricht aus. Das Ehepaar versucht zu helfen und zu retten, doch viel können sie nicht tun. Währenddessen geht bei der »normalen« Bevölkerung das gesellschaftliche Leben weiter, Theater, Kino, Restaurantbesuche, Ausflüge – bis zum 23. August, als die rumänische Regierung den Pakt mit Hitler aufkündigt und sich mit den Sowjets verbündet. Die Ungarn im Land sind in Gefahr und die Familie entschließt sich zur Flucht nach Budapest. Dort kommen sie im September unter ständigen Fliegerangriffen an. »Erzähle ich zuviel von Luftangriffen? […] Die Vorstellung, dass die Atombombe aus großer Höhe abgeworfen wird und schön still herabsegelt, wirkt beruhigend auf mich […] keine Todesschreie … und wir würden einfach zu Asche. Kein Wort der Klage käme über meine Lippen.« […]
Gudrun Brzoska
www.ungarische-literatur.eu

Josef Schwing
Die deutschen
mundartlichen
Ortsnamen
Südtransdanubiens (Ungarn)
Universitätsverlag Debrecen (Debreceni Egyetemi Kiadó) 2011.
(A magyar néparchívum kiadványai; 22).
ISBN 978-963-318-129-4.
XXXVIII, 213 S., zahlr. Kt.
Bezug: ungarischer Buchhandel oder
Josef Schwing, Tel./Fax 06236/54488,
jschwing.de/kontakt.html
Ein Nachschlagewerk der mundartlichen Namensfassungen der Ortsnamen in Südtransdanubien hat der Mundartforscher Prof. Dr. Josef Schwing nun vorgelegt. Er hat damit sowohl einen wichtigen Beitrag zur Ortsnamensforschung wie zur deutschen Mundartforschung geleistet. Für die Namenssammlung konnte Schwing die Erfahrungen ausnutzen, die er bei der entsprechenden Ortsnamensforschung in der Pfalz für das pfälzische Wörterbuch gemacht hatte. Nun entstand in vieljähriger Kleinarbeit eine entsprechende Arbeit für Südtransdanubien.
Hintergrund der Arbeit ist das Phänomen, dass Ortsnamen in der Mundart nicht einheitlich sind. Die Ortnamen variieren stark in der engeren und weiteren Umgebung. Genau wie die deutsche Mundart in Südtransdanubien sogar auf engem Raum variiert, ist dies auch bei den Ortsnamen der Fall. Der nun vorliegende Band ist das Ergebnis der Auswertung von Tonbandaufnahmen in 220 Orten. Dafür hat Schwing sämtliche Ortsnamen der Region abgefragt und die Namen der großen Städte Ungarns. Insgesamt ergaben sich bei dieser gewaltigen Datensammlung 17000 mundartliche Ortsnamen.
Für die Arbeit war es höchste Zeit, denn die Zahl der Mundartsprecher geht zurück. Vor allem ist auch die Mundart einem Wandel unterworfen. Schwing konzentrierte sich deshalb auf ältere Mundartsprecher. Er machte die Erfahrung, dass weibliche Gewährsleute verlässlicher waren als männliche. Die Frauen bewahrten den heimischen Dialekt exakter. Bei den Männern kam es häufig zu Veränderungen des Dialekts durch den Militärdienst und die berufliche Ausbildung, die den Dialekt »modernisierten«.
Dem eigentlichen Lexikon stellt Schwing eine sprachkundliche Abhandlung über die Struktur der Ortsnamen in Südtransdanubien voran. Zur Übersicht sind auch drei Karten beigegeben, die über die Bevölkerungsstruktur und die deutschen Mundarten Südtransdanubiens informieren. [...]
Klaus J. Loderer

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François (Ferenc) Fejtő
Reise nach Gestern
Reisetagebuch
Aus dem Ungarischen übersetzt und herausgegeben
von Agnes Relle.
Verlag Matthes & Seitz, Berlin, 2012;
ISBN 978-3-88221-552-6;
350 Seiten, zahlr. Fotos.
Originaltitel: Érzelmes utazás, 1936.
Bezug: Buchhandel
Preis:
29,90 €
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Fejtő macht 1934 als 25-jähriger junger Mann eine Reise nach Kroatien, um seine Verwandten zu besuchen, zum ersten Mal wieder nach dem Krieg. Ungarn hat nach dem Vertrag von Trianon mit einem Schlag 2/3 seiner Bevölkerung verloren. Grenzen sind zu überwinden, die vorher nicht da waren.
Akribisch führt er Tagebuch: Jede Beobachtung wird ihm zur Geschichte, wie er später bemerkt. Diese Notizen gibt er unter dem Titel »Zagreber Tagebuch« in der wichtigen Literaturzeitschrift Nyugat (1936) heraus. László Dormándi verlegt das Reisetagebuch 1989 in Ungarn neu, diesmal mit dem Titel »Érzelmes utazás« (Sentimentale Reise). Fejtő steuert die Kommentare zu den Fotos bei, die später, in der Übersetzung von Agnes Relle auf Deutsch, weiter ergänzt werden.
Fejtő lockt den Leser mit leichtem Plauderton immer wieder in überraschende Situationen, die er als Miniaturerzählungen in seine Aufzeichnungen schiebt: Die kleinen Feuilletons wenden sich einmal Freunden und Verwandten zu, dann wieder abgelenkt vom Blick in die Landschaft. Gleich darauf stellt der Journalist politische und gesellschaftliche Zusammenhänge vor oder gestattet uns einen Blick in sein Innenleben. In diesen Streifzügen nach Zagreb und Dalmatien, bei denen er nach seinen mütterlichen und väterlichen Wurzeln sucht, reist er nicht nur ins Land seiner Kindheit und seiner Vorfahren, er macht auch eine Reise in sein Innerstes, klärt seine Gedanken, findet und benennt seinen Standpunkt.
Die Reise beginnt am 27. Juni 1934, und schon der Grenzübertritt ins nun fremde Land bereitet ihm – wie auch den Mitreisenden Sorge. Sie haben den Eindruck des Unrechtmäßigen, wenn sie als Ungarn über die Grenze nach Jugoslawien fahren. Dies Land ist ihm heute »fremd-vertraut«. Er erkennt vieles aus seiner Kindheit, aus den Ferien bei den Großeltern wieder – und doch ist es ein kühles Land für ihn geworden.
Er trifft die Familie seine Schwester wieder, Onkel und Tanten, Cousinen und Vettern tauchen auf; er macht Besuche und er wird eingeladen. Mit jeder Figur rollt er die weitschweifige, farbige Familiengeschichte weiter auf. Dazu gibt er zauberhafte Landschaftsbeschreibungen, sodass man als Leser richtig Lust bekommt, dieses Land zu besuchen – um es mit den Eindrücken des jungen Mannes damals zu vergleichen. Kroatisch spricht er nur sehr ungenügend. Ungarisch will man in Kroatien nur ungern sprechen – aber mit Deutsch kommt er – 1934 – fast überall weiter. Vor allem der gebildete Bürger spricht Deutsch. Zagreb ist für Fejtő die Heimatstadt – obwohl er dort nicht geboren ist. Schon als kleiner Junge verliert er seine Mutter und kommt zu den Verwandten nach Zagreb. Zagreb, eine liebenswürdige österreichische Stadt. Überlall noch k. u. k. – auch jetzt noch, nach Trianon! [...]
Gudrun Brzoska

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Marie-Kristin Hauke
Aufbruch von Ulm entlang der Donau
Ulm und die Auswanderung im 18. Jahrhundertoman
Mit einem Beitrag von Márta Fata.
Verlag Klemm & Oelschläger Ulm 2012;
(Kleine Reihe des Stadtarchivs Ulm; 10);
ISBN 978-3-86281-044-4;
128 Seiten, zahlr. Ill. und Karten.
Bezug: Buchhandel
Preis:
17,80 €
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Die donauschwäbische Forschung konzentriert sich üblicherweise beim Thema Auswanderung auf die Ankunft im Königreich Ungarn. Die Stadt Ulm hat das Jubiläum einer Auswanderungswelle auf die Güter des Grafen Károly im Sathmar-Gebiet zum Anlass genommen, sich einmal mit den Beziehungen zwischen der alten Reichsstadt und den Auswander- ern zu befassen. Marie-Kristin Hauke hat dazu eine Studie verfasst, die die Rolle der Stadt als Einschiffungsort tausender Emigranten untersucht. 1941 hatte Otto Wiegandt sich schon einmal mit dem Thema befasst und Daten gesammelt. Da wurde es endlich Zeit für eine neue Betrachtung.
1712 wanderte eine große Gruppe von Menschen in das Königreich Ungarn aus. Diese Auswanderung war letztlich nicht für alle Auswanderer erfolgreich. Eine nicht geringe Zahl machte sich schon bald wieder auf den Rückweg. Aus Angst vor der Einschleppung von Seuchen ließ die Reichsstadt Ulm schnell bei Leipheim ein Lazarett für ca. 300 Personen erstellen. Dies war nicht das einzige Problem, das die Reichsstadt mit den Migranten hatte. Schon im Vorfeld der Auswanderung stellten sich durch eine große Teuerung Versorgungsprobleme der sich in der Stadt aufhaltenden Auswanderern. Die städtische Obrigkeit geriet dadurch in einen Konflikt mit den Wirten.
Marie-Kristin Hauke untersucht nach einer Übersicht zur Auswanderung in das Königreich Ungarn im 18. Jahrhundert besonders die Verhältnisse in Ulm. Hier interessiert sie besonders die Versorgung der Auswanderer durch die Wirte und ihre Unterkunft. Waren die Auswanderer für Ulm eine interessante Geldquelle oder eine Belastung? Dieser Frage geht Hauke ebenso nach wie der Organisation der Auswanderung. Ein spannender Zwiespalt stellte sich durch die Konfessionen. War die Reichsstadt evan- gelisch geprägt, waren die meisten Auswanderer römisch-katholisch. [...]
Klaus J. Loderer

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Anita Villnow
Auf der Donau in eine neue Heimat
Selbstverlag AKdFF, Sindelfingen, 2012.
Bezug: AKdFF
e. V., Goldmühlestraße 30, 71065 Sindelfingen,
Tel. 07031/7937637, Email info@akdff.de
128
Seiten
Preis:
14,50 € (zzgl. Versand)
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Zum Ulmer Jubiläumsjahr »Aufbruch von Ulm entlang der Donau 1712– 2012« regte Christian Glass, der Leiter des Donauschwäbischen Zentral- museums Ulm, die Mitglieder des Arbeitskreises donauschwäbischer Familienforscher (AKdFF) dazu an, aus dem Fundus der zahlreichen Forschungsarbeiten einige herausragende Arbeiten zur Herkunftsfor- schung insbesondere der frühen Auswanderer von Deutschland nach Ungarn zusammenzustellen. Die entstandene Publikation enthält auf 128 Seiten wichtige Arbeiten aus der Feder der bereits verstorbenen Forscher Werner Hacker, Stefan Stader und Anton Krämer, die mit ihren Arbeiten die Grundlagen für viele weitere genealogische Forschungsarbeiten gelegt haben.
Das von Stader begonnene Sammelwerk donauschwäbischer Kolonisten ist die umfangreichste und noch nicht abge-schlossene Buchreihe zur Herkunftsforschung, in der erstmals versucht wird, sowohl Herkunft als auch Zielorte der Auswanderer zu ermitteln. An dieser Stelle stockt die Ahnenforschung der meisten, die ihre Vorfahren zusammenstellen wollen. Erst bei den seit 1770 in Wien regelmäßig registrierten Durch- wanderer gibt es oft vage Angaben zur Herkunft (»aus dem Reich«, »ex Germania« usw.) oder es werden verschriebene Herkunftsorte genannt. Meist sind auch nur die Zielgebiete wie Banat, Batschka oder Galizien genannt. Bei der Auswertung der Kirchenbücher im Herkunfts- und Ziel- gebiet konnten viele Forscher überraschend feststellen, dass nicht nur ein Zielort in Ungarn, sondern oft mehrere Durchwanderungs-Orte durch- sucht werden müssen. Auch haben die Kolonisten auf dem Weg entlang der Donau noch unterwegs geheiratet, weil die Verheirateten von den Wiener Behörden bevorzugt wurden. Gerade für die frühe Auswander- ungsperiode nach dem Abzug der Türken ist die Quellenlage sehr mager. So kann man froh sein, auf die wissenschaftliche Arbeit von Dr. Claus Heinrich Gattermann für die Baranya oder Einzelarbeiten und Zufalls- funde für die Periode ab 1711 zurückgreifen zurückgreifen zu können. Einzelne Beispiele für erfolgreiche genealogische Forschungsarbeiten wie die Familie Thalwieser (Pesthidegkút), Becker (Banat) und Brenner (Burgenland), und der Nobelpreis-trägerin Herta Müller sind sehr ver- schiedene Beispiele zur Arbeitsweise bei der Forschung und der Dar- stellung der Ergebnisse. Der AKdFF stellt sich mit seiner umfangreichen Vereinsbibliothek im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen vor. Hier steht allen Forschern eine umfangreiche Sammlung von Fachliteratur, Quellenwerken, Familienbüchern und -chroniken sowie Mikrofilmen und Kopien von Kirchenbüchern aus allen Gebieten in Ungarn, Rumänien und den Ländern im ehemaligen Jugoslawien zur Verfügung. Das Titelbild der Broschüre schuf Hans Kröninger. Die Broschüre ist eine gute Lektüre sowohl für Familienforscher als auch für Hostoriker. [...]
AKdFF

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Gábor Németh
Bist du Jude?
Roman
Aus dem Ungarischen von Terézia Mora.
Verlag edition atelier, Wien, 2011;
ISBN 978-3-902498-52-6;
Originaltitel: Zsidó vagy?, 2004.
Bezug: Buchhandel
Preis: Euro 18,90 Euro |
Schade, dass die großen Zeitungen in ihren Feuilletons dieses Buch nicht besprochen haben: Da schreibt einer mit viel Liebe und leisem Spott über Verletzungen, Missverständnisse seiner Kindheit und Jugend, über Sprachlosigkeit und Ausgeliefertsein an die Erwachsenen – und damit auch an den Machtapparat des kommunistischen Ungarn unter Kádár. Németh ruft nicht nur seine kindlichen Erinnerungen zurück, er kommentiert diese als Erwachsener, der seinen Reminiszenzen oft genug nicht traut. Dabei blitzt die Familiengeschichte immer wieder auf in der ungarischen Politik und Geschichte seit dem 2. Weltkrieg – für das Kind ist das die graue Vorzeit. Melancholisch-ironisch sinnt der Autor der Frage nach, wann »es« anfing, wann er »es« verloren hatte, oder als »es« noch in Ordnung war – nämlich, als er noch Vertrauen hatte, sich zugehörig fühlte, eingehüllt in Liebe und Fürsorge, und wieso er sich in seinem eigenen Land, Ungarn, schon als Kind fremd und als Außenseiter gefühlt hatte. Später wird er sich im Unterwegs zu Hause fühlen, sicher und glücklich in anderen Ländern.
»Ich war noch nicht einmal geboren, da wollte man mich schon zweimal umbringen« beginnt der Autor, der am 23. November 1956 geboren wurde, zu einer Zeit, als bereits viele Aufständische Ungarn den Rücken kehrten und in andere Länder flohen. In diese Zeit der Diktatur Kádars fallen Kindheit und Jugend des jungen Gábor. Eine Zeit, die geprägt ist von Mangel, von sehr beengten Wohnungsverhältnissen – das Kind musste die Woche über bei seinen Großeltern schlafen, da die Eltern nur in einer Ein-Zimmer-Wohnung lebten – und vor allem vom Verschweigen der vergangen Geschichte.
Gábor macht schon früh die Erfahrung, dass er in entscheidenden, für ihn auch sehr schmerzlichen Situationen allein gelassen wird: Als Kleinkind von einer Hornisse gestochen – und niemand ist zur Stelle, in der Schule würgt ihn ein Mitschüler derart, dass er ins Krankenhaus kommt und lange Zeit, nicht am Sportunterricht teilnehmen kann. Er bleibt im Klassenzimmer, grübelt und beobachtet. Als er wieder einmal mit seiner Mutter zum Arzt geht, operiert ihm dieser unvermutet die Mandeln heraus. Traumatische Erfahrungen für das Kind. Er fühlt sich hintergangen und nicht ernst genommen. [...]
Gudrun Brzoska

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Julius Bessermann
Greg und die
Traumfänger
Kinder- und Jugendroman
Aus dem Ungarischen von P. Dietlinde Draskóczy. Schenk Verlag, Passau, 2007;
ISBN: 978-3-939337-31-7;
Originaltitel: Gergő és az álomfogók, 2002;
Bezug: Buchhandel
Preis: Euro 16,95 |
Neugierig, gespannt und vergnügt kann sich nicht nur der jugendliche, sondern auch der erwachsene Leser auf diese märchenhaften Abenteuer ins Reich der Fantasie einlassen. Hier nehmen Träume ganz buchstäblich Gestalt an, werden zu Wesen aus einer anderen Welt, die uns etwas sagen – bzw. uns irgendwohin geleiten wollen. Obwohl viel passiert, geht es nicht so sehr um äußere Aktionen und Kämpfe, sondern um die Innenwelt, vor allem unseres Helden, des kleinen Greg:
Familie Blüm-Stolper ist keine gewöhnliche Familie. Sie lebt im tristen Mietshaus einer Großstadt, die Nachbarn sind, wie so oft, neugierig und zänkisch. Der Hausmeister freundlich, aber etwas seltsam.
Seit drei Monaten leben sie zusammen im gemeinsamen Haushalt: Die Mutter, Margarete Blüm, führt einen Kräuter- laden, spricht mit ihren Blumen und versteht sich auf allerlei Übersinnliches. Der Vater, Detlef Stolper, liebt seinen Beruf als Schuhputzer – er ist der ungekrönte König der Schuhputzer, seine Tochter Sophie, ein ruhiges, hellsichtiges Mädchen, liest gerne und liebt die Natur. Sie hat nichts übrig für die angesagten Trends ihrer Klassenkameradinnen. Doch sie fühlt sich unglücklich in der neuen Familie (ihre Mutter war wegen eines Haarnadelfabrikanten weggegangen); denn bisher hatte sie für ihren ungeschickten Vater den Haushalt geführt. Jetzt ist alles so unruhig geworden. Besonders ihr Stiefbruder lehnt sie ab und ärgert sie. Der zehnjährige Greg, Margaretes Sohn, möchte ein ganz normales Kind sein, nicht anders als seine Schulfreunde, die stundenlang am Computer spielen, durch die Stadt streunen und das aufregende Leben der Großstadt genießen. Aber er hat einen geheimen Kummer. Als er sechs war, starb sein Vater, und seither plagen ihn Albträume. Zur Familie gesellt sich noch die unvermeidlich beste Freundin Appollonia, eine echte Großstadtpflanze, der nichts wichtiger ist gutes Aussehen. Sie nervt die Familie mit ihrem Gequassel und Getue, doch die gutmütige Margarete duldet die Freundin. Zu Appollonia gehören ihr keifender Pekinese Zuckerpuppe und ihr geliebtes Auto Lippenrot. [...]
Gudrun Brzoska

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Akos Doma
Die allgemeine
Tauglichkeit
Roman
Verlag: Rotbuch, 2011, ISBN: 978–3-86789–124–0;
Bezug: Buchhandel
Euro 18,95 |
Am 1. März 2012 wurde dem Akos Doma der Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis verliehen. Aus der Begründung der Jury heißt es: Akos Doma gestaltete »eine moderne Gaunerkomödie auf sprachlich raffinierte und außerordentlich witzige Weise. Sie ist eine hintersinnige Parabel auf die vielfältigen Zumutungen unserer Gesellschaft. Ein ungewöhnlich unterhaltsames Leseabenteuer über vier Außenseiter, die auf der Suche nach einer neuen, lebenstauglichen Identität kaum einen Irrweg auslassen.«
Gleich vorneweg, diesem Urteil kann man sich voll und ganz anschließen. Mit Vergnügen und Empathie folgt der Leser den vier Freunden, wenn sie ihre mitunter krausen Philosophien ablassen und wenn sie versuchen, sich durchs Leben zu wursteln. Bis Albert auftaucht, der Tausendsassa, dem alles zu gelingen scheint.
Doch der Reihe nach: Da liegen die vier Loser auf der faulen Haut, leben von Hartz IV. Aber: »Wir sind keine Bettler, wenn schon, dann stehlen wir. Es geht uns gut, wir haben keine Angst vor der Zukunft, wir wissen, dass wir keine haben, nie eine hatten.«
Ferdinand, »Fern«, für seine Freunde, der Erzähler, Amir, der Illegale aus dem Iran, Igor aus Nowosibirsk, und Ludovik, der verhinderte Selbstmörder. Sie leben in einer Bruchbude am Bahndamm, weit außerhalb der Stadt, in einer Sackgasse, »am Hinterausgang der Welt«, wohin sich niemand verirrt, nicht einmal ein Sonnenstrahl.
Fern, »von Geburt an arbeitslos«, schwankt zwischen Selbstmitleid und Zynismus, behauptet, seine Frau habe ihn vor die Tür gesetzt, weil er sich zu keiner Arbeit aufraffen konnte. Nun würde ihm auch sein Töchterchen Anna vorenthalten. Amir malt Pflasterbilder in Fußgängerzonen, ständig auf der Hut erwischt und ausgewiesen zu werden. Ludovik, der Jüngste, hat im Erziehungsheim das Schlosserhandwerk gelernt. Sein Vater hatte sich gleich nach dessen Geburt davon gemacht, darum braucht er häufig Beweise von Liebe und Zuneigung und zieht deshalb immer wieder eine Suizid-Nummer ab. Igor, der notorische Säufer, sehnt sich nach seinem Sibirien. Er wird von Zeit zu Zeit eingesperrt, nicht ungern; denn im Knast ist es warm und er bekommt genug zu essen – und vor allem gibt es dort keinen Wodka, von dem er sich einfach nicht lösen kann. [...]
Gudrun Brzoska
www.ungarische-literatur.eu

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Imre Török
Das Buch Luzius
Märchen und andere Wahrheiten
Pop Verlag, 2012, ISBN: 978-3-86356-026-3;
Bezug: Buchhandel
Euro 14,00 |
Imre Török, Dichter, Märchenerzähler, Sprachspieler, so schwärmen viele, die seine Bücher gelesen, oder seine zauberhaften Lesungen erleben durften. Schon beim Lesen umschwirren mich Licht, Farben, Düfte. Die Lichtgestalt, der Führer in Leben und Unendlichkeit ist der »sagenumwobene, allerorten bekannte Leuchtkäfer Luzius aus Illuministan«. Dabei unterstützt, ermuntert und befreit ihn aus vielerlei Gefahren »die bezaubernde Marienkäferschönheit Coccinella«. Die Klassefrau, erfindungsreich in der Verwandlung, klug und hilfsbereit, behält immer einen spöttisch-klaren Kopf, wenn Luzius liebestaumelnd und verwirrt, den Boden unter den Füßen zu verlieren, oder sich in einem Abenteuer zu verheddern droht. Er, der unverbesserliche Optimist und Menschenfreund, rappelt sich jedoch immer wieder tapfer, auch nach den gefährlichsten, fast tödlichen Abenteuern hoch. Und wenn sein Leben nur noch an einem seidenen Faden hängt, dann greift Coccinilla rettend ein – oder sie weist ihn auf ganz bestimmte Wahrheiten hin. Beide wissen, dass auch die süßeste Umarmung nicht ewig dauern kann. Sie haben eine Aufgabe im Leben: Luzius ist ständig auf der Suche nach Licht, Erleuchtung und Weisheit, die er mit Hilfe seines Ghostwriters und Nomaden, Traminer, an die Menschheit weiter gibt, und Coccinella muss Sonnenschein in die Herzen zaubern mit ihren Märchen. Sie ist überzeugt, dass »wir den Geschmack wahren Glücks nur erfahren, indem wir andere glücklich machen«.
Parallel dazu geht die Geschichte des Liebespaares vom Nomaden aus Eulenland. Er hat für einen Traum, den Traum von der vollkommenen Frau, vom umfassenden Glück, alles, was ihm vorher lieb und teuer gewesen war, verlassen, um die Prinzessin aus dem seltsam duftenden Gewürzland zu treffen. Sie fühlen, dass sie füreinander bestimmt sind, doch im menschlichen Leben bleibt die Sehnsucht meist unerfüllt – zum Glück gehört Leiden – während Luzius und Coccinilla sich immer wieder liebend treffen dürfen.
Traminer, »der Sonnenreiter aus dem Abendland« folgt seiner Bestimmung und erlebt mit der Prinzessin Tage ungetrübten Glücks. Doch selbst eine Prinzessin im Märchenland hat Neider und ewig Unzufriedene. Sie verunglimpfen Eulenland als ein »Land verrückter Vordenker – dabei aber ein verfluchtes Reich von ewig-gestrigen Barbaren«. Der Prinzessin, die so neugierig ist auf das Fremde, Andere, Wunderbare, Nicht-Alltägliche, erzählt er nachts Geschichten wie in »1001 Nacht«. Er erzählt ihr vom »Später-Buch«, in dem bereits alle Schicksale eingeschrieben sind, auch das ihrige, er erzählt vom Leben in Eulenland und seiner Bekanntschaft mit dem Leuchtkäfer Luzius, dessen Ghostwriter er geworden ist. [...]
Gudrun Brzoska
www.ungarische-literatur.eu

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VIVIANE CHOCAS
Manchmal muss man
das Leben kosten
Roman
Aus dem Französischen von Michaela Messner.
Verlag Limes, 2009, ISBN: 978-3-3-8090-2554-2;
Blanvalet TB, 2011;
ISBN: 978-3-422-36828-0
Originaltitel: Bazar magyar,
2006.
Bezug: Buchhandel
Euro 7,99 für Taschenbuch |
Liebe geht durch den Magen, sagt man. Auch die Liebe zu einem Land, zu Abstammung und Herkunft. Klara, die Erzählerin, fühlt sich doppelt heimatlos, da sie ihre Vergangenheit nicht kennt; denn ihre Wurzeln wurden doppelt gekappt: Sie selbst ist in Frankreich geboren, ihre Eltern stammen aus Ungarn. Nach ihrer Flucht 1956, »töteten die Eltern als erstes ihre Sprache«, später, nach der Einbürgerung änderten sie auch ihren ungarischen Namen. Sie wollten ihr Kind unbeschwert als Französin aufwachsen lassen, sprachen nie ungarisch mit ihm. Die Vergangenheit war tabu. Doch: »auf dem Umweg über die Gerichte, die auf den Tisch kamen und die so knusprig oder so scharf waren, dass es einem das Wasser in den Mund trieb, betrat ich jenen verbotenen Kontinent, von dem meine beiden Erzeuger gekommen waren. […] Die Gerichte waren das einzige lebendige Gedächtnis, das mir gewährt, hinterlassen und überliefert wurde.« Doch nicht nur die ungarischen Gerichte sind es, die sich Klara einverleibt, nein auch die Sprache ist für sie sinnlich wahrnehmbar, sie bemächtigt sich ihrer, nimmt sie auf mit Haut und Haaren.
Ihre Begegnung mit Ungarn, mit ihrer großen Verwandtschaft, ereignet sich erst bei der Beerdigung ihrer Großmutter. Da war sie elf oder zwölf Jahre alt. Die Großmutter war dagegen gewesen, dass Vater Péter in den Westen ging – und Péter befreite sich mit dem Grenzübertritt, ließ sein ganzes bisheriges Leben hinter sich, schrieb nie mehr in die alte Heimat.
Klara stellt sich im Laufe der Jahre vor, wie die Menschen 1956 flohen, was sie durchgemacht hatten; doch ihr Vater äußert sich dann doch einmal dazu, es sei keine Massenpsychose gewesen, es hätte sich einfach ereignet. Nur ihre Mutter Zsuzsa bemerkt, dass sie damals mit nichts als einer Zahnbürste in den Westen gekommen sei. Nach dieser ersten Begegnung setzt Klara alles daran, Ungarisch zu
lernen. [...]
Gudrun Brzoska |
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STEFAN RAILE
Letzter Abschied
Roman
quartus-Verlag2011
ISBN: 978-3-936455-11-3
Bezug: Preis: 12,90 Euro |
Nach den Türkenkriegen Ende des 17. Jahrhunderts holte Kaiserin Maria-Theresia deutsche Siedler nach Südungarn, in die Gegend um Fünfkirchen (Pécs). 250 Jahre lang lebten sie mit Ungarn und anderen Volksgruppen gut zusammen, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Da wurden alle Ungarndeutschen kollektiv zu faschistischen Staatsfeinden erklärt, aus ihren Häusern vertrieben und »umgesiedelt«. 300.000 Ungarndeutsche mussten, in Güterwaggons gepfercht, in Richtung Deutschland fahren, mit nichts als einem Bündel in der Hand. Die Folgen dieser Vertreibung zeigen ihre Traumata bis heute.
Auch Stefan Raile drängt es immer wieder, über sein immerwährendes Trauma, die Abschiebung aus seinem Kindheitsparadies, aus dem Dorf Waschkut (ung. Vaskút), im Jahre 1947 zu schreiben. In seinen vorangegangenen Romanen, Dachträume, 1996, erinnert er, wie er nach dem Krieg »aus dem vertrauten Dorf am Rande der Puszta« vertrieben wurde und ein neues Leben in der »sächsischen Stadt am Fluss« (Görlitz), unter harten Bedingungen begann. Er sorgte sich bereits damals, dass die Erinnerung nachlassen, die heimische Mundart ihm abhanden kommen könnte, das Wissen um Sitten und Gebräuche der alten Heimat von einer neuen Kultur überlagert würde. Der zweite Roman, »Die gehenkten Puppen«, erschienen 2001, beschreibt die Vertreibung der Ungarndeutschen aus dem Blickwinkel des Kindes »Jani«. Da fällt es ihm bereits schwer, seine Briefe auf Ungarisch zu schreiben. »Während dieser Zeit hat sich bei mir viel verändert«.
Im dritten Roman, »Die Melone im Brunnen« 2004, greift Raile das Thema der Erinnerung wieder auf; denn nur sie ist ihm geblieben, mitsamt der unstillbaren Sehnsucht nach dem Leben im Dorf und seiner vertrauten Gesellschaft. 2005 folgt Im Staub der Jahre. Bereits hier setzt er den Dorfleuten, die durch Krieg und Vertreibung so schwer leiden mussten, ein Erinnerungsdenkmal, aber auch denen, die bleiben durften, allerdings unter erschwerten Bedingungen. Hier schon reflektiert er die politischen Hintergründe in Vergangenheit und Gegenwart. [...]
Gudrun Brzoska |
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JULIA SCHIFF
Reihertanz
Roman
Pop-Verlag Ludwigsburg, 2011
ISBN: 978-3-86356-014-0
Bezug: Buchhandel
Euro 15,80 |
In diesem Roman schlägt Julia Schiff ein weiteres Kapitel auf über die Vernichtungsstrategien der jungen rumänischen Diktatur und über die Leiden der Neinsager, über die Menschen, die zu »Volksfeinden« erklärt wurden, einfach um sich ihrer zu erledigen. Hier widmet sie sich hauptsächlich den Leiden der Häftlinge in den Zwangsarbeitslagern am Donau-Schwarzmeer-Kanal.
In »Steppensalz« schilderte sie bereits die Deportation in die Bărăgan-Steppe 1951, von der überdurchschnittlich viele Banater Schwaben betroffen waren. Sie selbst war als Elfjährige mit ihrer Familie dorthin verschleppt worden.
Erste Projekte zum Bau dieses Kanals, der letztendlich der Schifffahrt ungefähr 400 Kilometer von der Donau zum Schwarzen Meer einspart, sind seit 1837 bekannt. Doch erst 1927 fertigte ein rumänischer Ingenieur genauere Pläne für das Bauwerk, welches 1949 begonnen wurde. Mehrere zehntausend Häftlinge wurden im »rumänischen Archipel Gulag«, dem »vorprogrammierten Friedhof«, eingesetzt, darunter viele deutsch-stämmige. 1953, nach Stalins Tod, kam das Projekt allmählich zum Erliegen. Abgesehen von der schlechten Organisation, hatten der Diktator Gheorghiu-Dej und seine Außenministerin Ana Pauker diesen Kanal auf Empfehlung Stalins als Instrument der Vernichtung des Bürgertums eingesetzt und nicht als wirtschaftliche Investition. Er sollte das »Grab des rumänischen Bürgertums« sein. Der Kanal forderte mindestens 10 000 Tote als Folge von Repressalien, Folter, Hunger, Entkräftung und Mord. Dejs Nachfolger Ceauşescu nahm den Bau 20 Jahre später wieder auf, auch diesmal mit Soldaten, Studenten, Schülern, Arbeitern und Strafgefangenen. Wieder kamen zwei bis dreitausend Menschen um. [...]
Gudrun Brzoska |
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Einrichtungswerk des Königreichs Hungarn
(1688–1690)
Hg. v. János Kalmár und János J. Varga
Franz Steiner Verlag Stuttgart 2010
(Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa; Band 39)
ISBN 978–3-515–09778–9
514 Seiten
Bezug: Buchhandel |
Es gibt wenige so mythenlästige Bestandteile der an Mythen ansonsten bis heute durchaus nicht armen ungarischen Geschichte wie das Einrichtungswerk des Königreiches Hungarn des Bischofs und späteren Kardinals Leopold Graf Kollonich. Einerseits war das Gesamtwerk lange Zeit nicht bekannt bzw. von Historikern nicht berücksichtigt worden, andererseits aber konnte es genau deswegen zu einem willkommenen Gegenstand von Legenden und Zudichtungen werden. Wie wichtig allerdings diese umfangreiche Quelle ist, darauf verwies schon Gyula Szekfű, der im Band über das 18. Jahrhundert in der großen Synthese der »Ungarischen Geschichte« (Hóman Bálint – Szekfű Gyula: Magyar Történet. A 18. század) sich darauf berief, dass das Unternehmen Fontes unter der Leitung des Kultusministers Kuno Klebelsberg an der Herausgabe arbeitete und genau wegen der Unzugänglichkeit noch immer die Quelle von »allerlei Märchen« sei. Die auch Kaiser Leopold I. vorgelegte Zusammenfassung (Compendium) war zwar schon 1911 vom Wiener Theodor Mayer herausgegeben worden, doch dies vermochte die Ablehnung in Ungarn nicht zu überwinden. Szekfű billigte dem Wiener immerhin zu, »frei vom Ungarhass« gearbeitet zu haben, doch das Einrichtungswerk lediglich als Ergebnis einer »merkantilistischen und humanistischen Politik« zu bewerten, dazu war er auch nicht bereit.
Die vorliegende Quellenedition umfasst sämtliche Akten, die mit der Entstehung des Einrichtungswerks zusammenhingen und unterteilt sich in fünf größere Einheiten: Professor János J. Varga vom Historischen Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften kontex-tualisiert die Entstehungsgeschichte dieser Edition, die bereits 1922 begann, und verdeutlicht die Relevanz eines Einrichtungswerkes nach der Vertreibung der Osmanen aus Ungarn. Dabei rekapituliert er die ungarische Historiographie und macht Probleme der Interpretations-geschichte deutlich. Das Einrichtungswerk selbst, das ohne Anlagen 160 Seiten umfasst, beinhaltet die Reorganisationsvorschläge bezüglich des Justizwesens, der Kirche, der Verwaltung, des Militärs und der Wirtschaft. Die sog. Anlagen zum Korpus selbst wurden ergänzt mit bezüglich der Diskussion und der Durchführung entstandenen Akten. Schließlich behandelt Professor János Kalmár von der Eötvös Lóránt Universität Budapest die Einrichtung des Temeswarer Banates im 18. Jahrhundert.
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Norbert Spannenberger |
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Heinrich Oppermann
Einer Schönen
Gedichte
Hille Verlag Dresden
211 Seiten
ISBN 978–3-939025–24–5
8 Euro
Bezug: Buchhandel |
Der Autor Prof. Dr. Dr. Oppermann ist ein gebürtiger Donauschwabe und nach dem 2. Weltkrieg traf seine Familie ein schlimmes Schick-sal, denn sie wurde 1948 zur Ansiedlung in den Landkreis Bautzen vertrieben. Nach dem Studium war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Festkörperphysik und Werkstoffprüfung in Dresden und bis zum Jahre 2000 der Direktor. Er arbeitete auch am Kos-mosexperiment von Sigmund Jähn mit. Es ist eigentlich ungewöhnlich und auch höchst selten, dass sich ein Wissenschaftler in der Lyrik einen Gegenpol zu seiner Arbeit sucht, der Autor tat es als in 1975 die Muse küsste. Er hatte an mehreren Fachbüchern mitgeschrieben, verfasste über 300 Fachartikel und gab auch das Buch »Die Enkel der Donauschwa-ben« heraus. Auch im vorliegenden Gedichtsband, dem er seiner Frau Feodora widmete, geht er gekonnter lyrischen Stil auf seine Heimat und ihre Probleme ein. In den 119 teils auch in melancholischen Worten gehüllten Versen kann man praktisch seinen Lebensweg und die wichtigsten Stationen seines Forscherlebens und auch die seiner Privatsphäre verfolgen. So ranken seine eindrucksvollen Verse um den Bai-kalsee, Budapest Hanoi, Helsinki, Neusiedler See aber die um die heimatlichen Gefilde wie der Rennsteig, Oberhof, Hiddensee und die Dresdener Frauenkirche. Viel Einfühlungsvermögen liegt in den Versen zu den Jahreszeiten und zur Beschreibung der Erscheinungen in der Natur spüren. Er geizt auch nicht mit Lebenswahrheiten, so endet das Gedicht Erwartung mit den treffenden Worten:
Man wünscht dir, teils mit Bewertung,
den Sonntag und jegliche Tugend,
von der Schönheit bis hin zur Ranch.
Ich wünsche dir eine fröhliche Jugend.
Und, dass du wirst – ein Mensch.
Mit charmanten Worten umschreibt er schmeichelt die Schönheiten der Frauen. Der verständnisvolle Leser sollte sich besonders dieses Gedicht, dass dem schönen Geschlecht so eindrucksvoll gewidmet ist zu Gemüte ziehen. Es ist ein facettenreicher Gedichtsband der bei Kennern wohl fraglos in den Bücherschrank zu stehen sollte.
Heinz Noack |
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Archiv der Deutschen aus Ungarn
Jahrgang (37/38) 2009/10
Herausgegeben von der Suevia Pannonica
Vereinigung Ungarndeutscher Akademiker, Sitz Heidelberg und von der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, Sitz Stuttgart, Heidelberg
2011, 194 Seiten,
14 €
Bezug: Dr. Johann Till, Altvaterstr. 5, 86650 Wemding, E-Mail: A.u.J.Till@gmx.de |
Die Doppelausgabe 2009/10 des »Archivs der Deutschen aus Ungarn« ist in vier Einheiten eingeteilt. Der erste Teil beinhaltet wissenschaftliche Beiträge, die aus den Federn von Herbert W. Wurster, Harald Pöcher, Johannes Weissbarth, Gerda Weidlein, Franz Wesner, Franz Galambos-Göller, Franz Greszl und Klaus J. Loderer stammen. In dem Beitrag »Die Kirche von Passau in der Zeit der ungarischen Streifzüge« schildert Dr. Wurster den historischen Hintergrund und die konkrete Durchführung der Christianisierung der Ungarn, erläutert die Rolle der Kirche von Passau dabei und beschreibt die Rolle der seligen Gisela bei der Etablierung einer ungarischen Nationalkirche, die vom deutschen Reich unabhängig war.
Der interessante Artikel von Harald Pöcher mit der Überschrift »Die Rüstungswirtschaft Ungarns« beschäftigt sich mit der ungarischen Rüstungsproduktion von der Entstehung des ungarischen Staates bis 2003 und stellt fest, dass die ungarische Rüstungsproduktion seit der Auflösung des Warschauer Paktes auf folgende Gebiete spezialisierte: »auf Instandsetzung und Modernisierung von Flugzeugen und Kampffahrzeugen, elektrische Ausrüstung, Radar, Simulatoren, Telekommunikationsausrüstung sowie Munition, Handfeuerwaffen und Schutzausrüstung«. Der Verfasser beschreibt die Tätigkeit mehrerer Betriebe, wie Ungarische Flugzeugwerke oder Ungarische Lloyd Flugzeug- und Maschinenfabrik AG und schildert den Niedergang der ungarischen Rüstungsindustrie nach dem NATO-Beitritt Ungarns.
Mit geschichtlichen Themen befassen sich die Beiträge von Gerda Weidlein »Baden-Württemberg – neue Heimat für die vertriebenen Ungarndeutschen« und Franz Weser »Vertreibung der Ungarndeutschen«. Franz Galambos-Göller und Franz Gresz widmen sich kirchlichen Themen. Der erste Autor analysiert »Die Rolle und Stellenwert der Donauschwaben in der katholischen Kirche Ungarns bis 1948«. Galambos-Göller zitiert aus den Akten, die der Visitator im Namen des Bischofs Nesselrode 1834 anfertigte: »Die Schwaben haben ein blindes Vertrauen zu Gott und in die göttliche Vorsehung, darum ergeben sie sich in den Willen Gottes so im Leben wie im Sterben. Sie zeichnen sich durch Menschlichkeit, Höflichkeit, Ernst und Pünktlichkeit aus«. [...]
Katharina Eicher-Müller |
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Die Seele der Dinge
Autobiografie
Aus dem Ungarischen von Doris Fischer
Verlag Lukas, 2011
ISBN 978-3-86732-098-6
Originaltitel: Anima Rerum. A dolgok lelke, 2005
Bezug: Buchhandel
Preis: 16,90 Euro |
»Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung«. Unter diesem Motto luden der Bürgermeister und die Gemeinde Stadtallendorf (Hessen) im Jahr 1990 tausend ehemalige ungarische Zwangsarbeiterinnen ein. Sie hatten im Lager Münchmühle, das zum Konzentrationslager Buchenwald gehörte, in einer Munitionsfabrik Sklavenarbeit verrichten müssen. Damals hatte Éva Fahidi es noch nicht fertig gebracht, ihre Erinnerungen aufzuschreiben; sie waren noch zu »nah«. Auschwitz-Birkenau und Allendorf stecken ihr noch heute in den Knochen. Vergessen kann sie weder Vernichtungslager noch Zwangsarbeit.
Am 1. Juli 2003 reiste die damals 78jährige nach langem innerem Widerstreben, »freiwillig« nach Auschwitz-Birkenau. Doch ihre Angst, alles wieder durchleben zu müssen, war umsonst gewesen. Der Ort ist inzwischen Touristenattraktion, und Éva Fahidi fragt sich, wie man heutzutage einem Menschen das Unfassbare überhaupt begreiflich machen kann. Sie fragt sich, wieso bis heute keine ungarische Regierung es über sich bringen konnte, eine Gedenktafel anbringen zu lassen, für die 340 000 jüdischen Ungarinnen und Ungarn, die hier in nur acht Wochen verbrannt worden waren. Jahrzehntelang hatte sie versucht die Bilder vom Konzentrationslager zu verbannen, doch das war und ist unmöglich. Wenn auch ihre Generation, die über 70 bis 80jährigen tot sein werden, wer wird sich noch erinnern wie sie auf der Rampe standen, nach links oder rechts gewunken wurden, wie sie auf engstem Raum zusammengepfercht wurden; wer wird sich der Appelle erinnern, die sie zwangen, stundenlang mit empor gestreckten Armen auf den Knien auszuharren; wer wird sich erinnern an die Peitschenhiebe, den Hunger, den Durst, den Rauch, der Tag und Nacht aus den Krematorien stieg, wer an die Unsicherheit, wann man selbst dran sein würde? Wer wird sich erinnern an die Blockältesten, von deren Launen die Zwangsarbeiterinnen auf Gedeih und Verderb abhingen? [...]
Gudrun Brzoska |
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ANDRÁS FORGÓ
Kirchliche Einigungsversuche in Ungarn
Die Unionsverhandlungen Christophorus Rojas y Spinolas in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts
Veröffentlichungen des Instituts für europäische Geschichte Mainz. Abteilung für abendländische Religionsgeschichte
Verlag Philipp von Zabern
Mainz 2007
ISBN 978-3-8053-3776-2
36,95 Euro |
Die Transformationszeit Ungarns von der osmanischen in die Habsburgerherrschaft Ende des 17. Jahrhunderts ist eines der spannendsten und zugleich am wenigsten erforschten und bekannten Kapitel der ungarischen Geschichte. Die Komplexität der politischen, sozialen, ökonomischen und konfessionellen Rahmenbedingungen können nur in akribischen Kleinarbeiten entziffert werden. Als Mosaikstein bietet sich das weitgehend vernachlässigte Thema der Unionsversuche zwischen Katholiken und Protestanten. Ging es hierbei um Eindämmung »des Protestantismus« oder wie der Bischof von Waitzen, Michael Dvornikovics schrieb: »Wir tun genug, um das Unkraut auszurotten« (Seite 135)? Und lässt sich das Bild des kämpferischen Katholizismus mit Unterstützung Wiens aufrecht erhalten, wie das etablierten protestantischen Kirchenhistorikern (Mihály Bucsay etc.) als Leitfaden diente?
Der Autor holt es weit heraus und widmet allein der allgemeinen Einführung zur Kirche und Politik in Ungarn unter der Osmanenherrschaft etwa 40 Seiten, um sich danach den Unionsereignissen zwischen Katholiken und Orthodoxen zu wenden, die ziemlich gut erforscht und bekannt sind. Erst in der zweiten Hälfte seiner Arbeit kommt er auf sein eigentliches Thema und kontextualisiert die Unionspolitik des Franziskanermönches und Titularbischofs von Knin, dann Bischof von Wiener Neustadt, Christophorus Rojas y Spinolas in Ungarn. Als Modell diente ihm der »Mainzer Konvertitenkreis«. Was im Reich partielle Erfolge zeigte, schien auch in Ungarn möglich zu werden: Die Gespräche mit den evangelischen deutschen Städte der Zips und von Ödenburg etwa brachte anfangs Annäherung, doch eine eindeutige Abfuhr erteilten Rojas die Kalvinisten. Diese Unionspolitik wurde weder von der politischen noch von der ungarischen Kirchenelite unterstützt, es waren Verhandlungen auf der »gleichen Augenhöhe«. Zudem bestanden die Konfliktparteien in Ungarn nicht zwischen Katholiken und »Protestanten«, sondern es war ein »Krieg aller gegen alle«, wobei die katholische Kircheninstitution sich soeben in einer Reorganisationsphase befand und die evangelische Konfession mit Erfolg expandieren konnte. Warum letztlich Rojas scheiterte, lässt sich mangels Primärquellen nur erahnen. Doch das Projekt wurde unter Kaiser Josef II. wiederbelebt – wenn auch erneut ohne Erfolg. [...]
Norbert Spannenberger |
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Molnár Antal, Szabó Ferenc SJ
Bangha Béla SJ emlékezete
[Das Gedächtnis an Béla Bangha]
Budapest 2010
ISBN 978-963-8014-37-5
Bezug: Ungarischer Buchhandel |
Das Beziehungsgeflecht zwischen den Kirchen und der Minderheitenfrage in der Zwischenkriegszeit ist zwar eine grundlegende, sie findet aber in der Geschichtsschreibung aber nur eine untergeordnete Bedeutung. Bevor die Makroebene, nämlich die Einstellung »der Kirchen« zur Minderheitenfrage erforscht wird, scheint geboten am Beispiel von einzelnen Akteuren oder im Spiegel einer Fallstudie diesen wichtigen Aspekt auszuleuchten. Die Person des bekanntesten Vertreters der katholischen ecclesia militans schient hierbei vordergründig keinen richtigen Ansatz zu bieten. Aber nur auf den ersten Blick nicht. Wir wissen zwar, dass Béla Bangha SJ die Schlüsselfigur einer sich erneuernden katholischen Presse mit einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein war, und sein deutschsprachiges Presseorgan ab 1917 Jakob Bleyer zur Verfügung stellte. Im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung war die Neue Post keine Gründung von Bleyer, sondern eine Kreation Banghas.
Doch in welchem Kontext erfolgte diese Zusammenarbeit zwischen einem Jesuitenpater und dem wichtigsten Politiker der Deutschen in Ungarn in der Zwischenkriegszeit? Diese Frage stellt sich die vorliegende Publikation überhaupt nicht. Viel mehr geht es um die Rekonstruierung der Biographie Banghas mithilfe bislang nicht berücksichtigter Archivmaterialien. Und genau das ist auch für uns vom Interesse. Was für ein Mensch war dieser Ordensmann, dessen Rolle im politischen Katholizismus nicht unterschätzt werden darf und in welchem Kontext wurde eine Partizipation den Minderheiten zugedacht? Die Herausgeber verheimlichen nicht, dass sie Bangha viel mehr »verstehen« als »verurteilen« wollen. Doch was für in Mensch war dieser Jesuitenpater?
Bangha war überzeugt, dass »die Geschichte gemacht wird«, d.h. die Mitgestaltungsmöglichkeit eines jeden Einzelnen geradezu eine Pflicht der Mitwirkung bedeutet. Er glaubte an ein »expansives« oder »welteroberndes Christentum«, das die Menschen gar gegen ihren Willen zum Guten und Besseren führt und führen darf, was im Losungswort extra Ecclesiam nulla salus (außerhalb der Kirche kein Heil/keine Rettung). Er galt als Führungsfigur der jungen Generation innerhalb des Ordens, was die Ordensführung deshalb für störend empfand, weil Bangha offene Sympathien für charismatische Führungsgestalten bekundete und natürlich auch für sich eine solche Position – wenn auch nicht offenkundig – reklamierte. Auf jeden Fall wirkte er, wie jede originelle Persönlichkeit, polarisierend, und so wurden selbst seine gutgemeinten Ansätze misstrauisch betrachtet. Seine Emotionalität glitt schnell auf einen ideologischen Glatteis hinüber, was sich auch in verbale Entgleisungen mündete: Er bezeichnete die Führung der Gesamtkirche als ein Kreis von »Eseln«. Als Strafe wurde er im Juni 1923 nach Rom versetzt, um seine Wirksamkeit in Ungarn zu unterbinden. [...]
Josef Rack |
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Gudrun Brzoska
Schriftstellerinnen mit ungarischen Wurzeln – ein Lexikon
Leseanstoß für Feinschmecker
Mit einem Vorwort von Imre Török, Vorsitzender des Deutschen Schriftstellerverbandes
1. Auflage, Gabriele Schäfer Verlag Herne
382 Seiten
ISBN 978-3-933337-78-8
25 Euro / Bezug: Email: ungarnliteratur-deutsch@web.de
Tel./Fax: 07391/6650 |
Nein, nein, es geht nicht um Essen und Trinken, es geht ums Lesen! Und weil es vielerlei Lektüre gibt, soll der folgende Büchervorschlag Interesse und Lust zu einem Buch besonderer Art erwecken. Der Titel mag ziemlich sachlich klingen: Schriftstellerinnen mit ungarischen Wurzeln – ein Lexikon. Aber was die Autorin Gudrun Brzoska zusammengestellt hat, ist doch mehr. Es ist eine Auswahl von 53 Schriftstellerinnen und Dichterinnen, welche vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute noch vorwiegend in ungarischer Sprache geschrieben und veröffentlicht haben. Viele von ihnen, wie Magda Szabó, gehören heute zur klassischen ungarischen Literatur. Andere, wie Kati Marton, hingegen haben »nur« ihre Wurzeln in Ungarn, andere wiederum, wie Margit Kaffka, stammen aus Siebenbürgen (Großkarol-Carei), aus Deutschland, wie Zsuzsanna Gahse oder sonst woher. Diesbezüglich kann ein weiter Bogen von Stettin nach Subotica gezogen werden. Aber was die Geburtsorte der Schriftstellerinnen verbindet: ihre Werke können in ausgezeichneten Übersetzungen auch, oder ausschließlich, in deutscher Sprache gelesen werden. Aus dieser Sicht ist das Lexikon viel mehr als eine Auflistung von Namen und Titeln. Überhaupt auch darum, weil Gudrun Brzoska, als erfahrene Bücherexpertin, mit viel Ausdauer nicht nur die Biografien genau recherchiert hat, sondern das gesamte literarische Oeuvre der Autorinnen konturiert, mit Zeittafel, mit Angabe der Auszeichnungen und Bibliografien im Einzelnen. Der Sammelband bietet aber noch viel mehr: kernige Rezensionen der Hauptwerke. Sie bieten direkte Deutung auf das Wesentliche, eingebettet in Hinweise der historischen und sozialen Umwelt welche zu weiterem Lesen anspornen.
Das Lexikon Schriftstellerinnen mit ungarischen Wurzeln ist ein Handbuch der ungarischen Literatur in deutscher Sprache und Übersetzung, welches 2010 im Gabriele Schäfer Verlag in Herne erschienen ist, in hervorragender technischer Ausführung, mit großer Sorgfalt aufs Detail und, nochmals das Wichtigste: ein Sammelband welcher selbst nicht nur angenehme Lektüre bietet, sondern auch ein weiterer Leseanstoß den man mit Überzeugung je mehr Lesern vorschlagen kann. [...]
edda |
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László Végel
Bekenntnisse eines Zuhälters
Roman
Aus dem Ungarischen von Lacy Kornitzer
Verlag Matthes & Seitz, 2011
ISBN: 978-3-88221-629-5
Originaltitel: Egy makró emlékiratai
Bezug: Buchhandel
Preis: Euro 19,90 |
Végels Debütroman erschien bereits 1968 in Újvidék (Novi Sad). Damals wurde er von der Kritik als unmoralischer schwarzer Roman angeprangert; denn Végel zeigte schonungslos die Diskrepanz zwischen dem verlogenen Schein einer schönen jungen Welt des Sozialismus und der Wirklichkeit einer verratenen und verlorenen Jugend in einer Diktatur, die vom Westen als »Sozialismus mit menschlichem Antlitz« hofiert wurde.
Das Buch ist so frisch und jung geschrieben – trotzdem schwebt über der ganzen Erzählung Melancholie einer Jugend, die nur noch auf Konsum aus ist. Sie glaubt an nichts und niemanden, auch nicht an sich selbst (und wer an sich selbst glaubt, scheitert), weil ihr alle Hoffnung genommen wurde im öden Einerlei einer erstarrten Diktatur ohne Aussicht auf eine menschliche Zukunft. Die Jungen verweigern sich total.
Ab und zu blitzt noch der Ansatz eines Willens auf, das Studium zu beenden, um wenigstens einmal einen Brotberuf zu haben, doch sofort überwuchern Lethargie und Widerwillen diesen Anflug von Arbeitseinsatz. Allein Sex und Geld zählen im Freundes- und Bekanntenkreis – und wie man Sex zu Geld machen kann. Dabei sind die Ansprüche gemessen an denen der gleichaltrigen Westler zu dieser Zeit (68er Jahre), die Weltreisen machen oder/und die Welt verändern wollten, durchaus bescheiden: Ein neues Hemd, ein Auto, vielleicht sogar ein Haus und Sex – und natürlich Geld, um sich all dieses zu beschaffen.
Der Tagebuchschreiber Blue, ewiger Literaturstudent, notiert leidenschaftslos und kühl distanziert seine Beobachtungen über seine Freunde und sein eigenes Leben. Überhaupt ist er ein Zuschauer, der sich selten einmischt, sich aber nur wohlfühlt, wenn er mit Freunden in der Menge untergehen und etwas trinken kann. Nur nicht auffallen, nicht anders sein, als alle anderen. Damit versucht er seine Angst vor der Zukunft zu beherrschen: Ständig auf der Suche nach Neuem und nach neuen Freunden. Vor seinen Vorlesungen drückt er sich. Dabei steht er kurz vor dem Abschluss seines Lehrerexamens. Professor Sík ist durchaus gutmütig, möchte weiterhelfen, doch für Blue und die meisten seiner Kommilitonen wirkt er unglaubwürdig. »Der alte Sík« glaubt alles, was in seinen Büchern steht, übersieht dabei aber, was um ihn herum passiert, die Lügen, die Angst der jungen Generation ohne Perspektive. Mit dem immerwährenden Thema »Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang«, wissen sie nichts anzufangen. Professor Sík steht für das Althergebrachte, die schöne Welt der Literatur und der erhabenen Sprüche, die mit der Wirklichkeit absolut nichts zu tun haben, weswegen sich auch niemand betroffen oder angesprochen fühlt. Diejenigen, die eifrig studieren, ihre Prüfungen und Karriere machen wollen, werden hämisch als angepasste Streber abgetan, die vom System profitieren. Die Mädchen der Clique, schöne Frauen wie Csicsi, verkaufen sich, so zum Spaß oder weil sie sich und ihrem Freund einen Drink spendieren wollen – oder ein neues Hemd. Sie suchen einen reichen Mann, die Jungen ein reiches Mädchen.
Die Freunde langweilen sich zu Tode. Buchstäblich; denn das, was die Jungen führen, ist sicher kein lebendiges Leben: Zeit totschlagen, auf irgendetwas oder Irgendwen warten – möglichst jemanden mit Geld. Wie es dann weitergehen soll, interessiert nicht; Hauptsache, die Angst betäuben, immer dabei sein, gut drauf sein, bei Freunden schnorren. [...]
Gudrun Brzoska |
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Rose Hajdu, Ulrike Seeger
Hauptbahnhof Stuttgart
Ein Wahrzeichen in Bildern
Jan Thorbecke Verlag Ostfildern 2011
ISBN 978-3-7995-0879-7
160 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen
19,90 Euro
Bezug: Jan Thorbecke Verlag |
Kaum erschienen, ist der neue Bildband über den Stuttgarter Hauptbahnhof auch schon ein Geschichtsdokument geworden. Denn der Nordseite, die auf den Fotos noch komplett zu sehen ist, fehlt inzwischen ein Teil. Der Nordflügel wurde 2010 abgerissen. Wenigsten auf den Fotos kann man die historische Ausgewogenheit der Architektur noch genießen. Dass, obwohl das Vorfeld des Nordeingangs nicht gerade schön gestaltet ist, man durch einen grünen Schleier auf den Bau blicken kann, das erleben wir auf mehreren Fotos in dem schönen neuen Bildband. Die Architekturfotografin Rose Hajdu hat den Hauptbahnhof tatsächlich so geschickt abgelichtet, dass der Parkplatz völlig ausgeblendet ist und der Bau aus üppigem Grün herauswächst. Das ist ein schöner Überraschungseffekt.
Immer wieder kann man den heutigen Zustand des Hauptbahnhofs mit historischen Fotos vergleichen, von denen man auch einige in den Band eingestreut sind. Und Rose Hajdu bringt uns die Details des Baus näher. Wir können die Mauerverbände studieren und die Perfektion der handwerklichen Leistungen. Hajdu hat auch viele Originaldetails entdeckt, alte Türen und Fensterbeschläge, an denen man sonst achtlos vorüber geht. Und Hajdu zeigt uns auch die Bereiche, die sonst für Besucher verschlossen sind. Die kleinteiligen Bereiche der Mitarbeiter erweisen sich als vom Architekten Paul Bonatz genauso fein durchgearbeitete Bereiche wie die großen Hallen für den Publikumsverkehr. Raumgreifende Innenansichten wechseln mit Details eines Fensters oder einer Tür ab. Ob vor blauem Himmel oder in nächtlicher Beleuchtung, wir können den Stuttgarter Hauptbahnhof in wechselnder Beleuchtung und von verschiedenen Standpunkten erleben. Hajdu ging in die Froschperspektive, um das Gebäude dramatisch zu präsentieren oder auf die Dächer der umliegenden Häuser, um den Überblick einzufangen.
Geradezu dramatisch inszeniert sie für uns die vielen Treppen im Gebäude. Neben den großen Treppenanlagen bringt sie uns die vielen kleinen Treppen näher. Handwerklich wunderbar gearbeitete Holztreppen setzt sie für uns ins Bild. Sie zeigt die räumlich überraschenden Durchblicke ebenso wie kleine Details. Ein schneckenförmig eingerollter Handlauf kann dies ebenso sein wie der Fuß einer eisernen Stütze. [...]
Klaus J. Loderer |
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Viktor Iro
Gebrauchsanweisung
Für Budapest und Ungarn
Piper Verlag München, Zürich 2009
221 Seiten
ISBN 978-3-492-27571-2
Preis: 14,95 Euro
Bezug: Buchhandel |
Die Reihe »Gebrauchsanweisung« nähert sich Städten und Ländern auf ungewöhnliche Art und Weise. Der Germanist Viktor Iro, der in Budapest unterrichtet, nähert sich dabei der ungarischen Hauptstadt durchaus kritisch. Mythos prüft er ohne Vorbehalt. Dem entgeht auch der Mythos Kaffeehaus nicht. So findet er die Renovierung des berühmten Kaffeehauses New York ziemlich misslungen. In den Details sei die Renovierung lieblos geschehen. So handelt Iro die Kaffeehäuser der Reihe nach ab. Gefallen findet er immerhin am Central, wo er für den Sommer die Hauslimonade empfiehlt. So ganz nebenbei hat Iro eine kleine Kulturgeschichte des Budapester Kaffeehauses eingeflochten, die mit vielen historischen Zitaten ausgeschmückt ist. Dass die wenigen alten Kaffeehäuser nur noch ein kläglicher Rest des früheren Bestands ist, damit hat Iro leider völlig recht. In Wien wurde das Kaffeehauswesen besser gepflegt. Und auch am Mythos des ungarischen Kuchens kratzt Iro gewaltig. Der Kuchen sei ordentlich, habe aber eher einen Retro-Charme und sei von der Finesse französischer Patisserie weit entfernt: »Ein wenig antiquiert und unbeweglich kommt das Angebot meistens daher«. Da Iro in Budapest lebt, hat er viele Details des täglichen Lebens in den Band eingebracht. Da Iro ganz aktuelles Tagesgeschehen eingebunden hat, ist der Band für Budapest-Neulinge ebenso interessant wie für Budapest-Kenner. Da erfährt man von den Aktivitäten des Vereins OVAS, der sich für die Erhaltung historischer Bauten einsetzt. Und Iro gräbt tief im ungarischen Wesen, um die Besonderheiten zu erklären.
Mit dem Museum in Szigetbecse, das dem bekannten Fotografen Andor (später André) Kertész gewidmet ist, der dort seine Kindheit verbrachte, hat Iro einen echten Geheimtipp ausgegraben. Iro nimmt das als Einstieg in ein Kapitel über alte Fotos. Tatsächlich kann Ungarn eine ganze Reihe brillanter Fotografen aufweisen. Natürlich werden wir auf das Mai-Manó-Haus in Budapest hingewiesen. Und dann kommt Iro noch auf das ungarische Fotomuseum in Kecskemét zu sprechen, das immerhin eine Sammlung von 1,3 Millionen Fotos – aber eine katastrophale Präsentation besitze. Beim Thema Wein macht Iro eine kleine Rundreise. Nach einer kleinen Geschichte des ungarischen Weins gelangt er nach Tokaj. István Szepsy oder besser dessen Wein hat es ihm besonders angetan. Über das Erlauer Stierblut, gelangt man nach Szekszárd und von dort nach Villány. Und auch auf den Weißwein kommt Iro noch zu sprechen. Als markante Architektur macht Iro den Sezessionsstil aus, dessen Hauptwerke er uns vorstellt. Wir dürfen uns in den Kurbä-dern der ungarischen Hauptstadt suhlen. Er stellt uns ungarische Künstler vor (von den neuen findet er István Nadler gut), bringt uns bei, dass Hollywood von ungarischen Regisseuren geprägt wurde und gibt am Ende sogar noch einige Empfehlungen für ein passendes Mitbringsel aus Budapest. [...]
Klaus J. Loderer |
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Herausgegeben von Juliane Brandt und Johann Habel
Eine Reise in das alte Fünfkirchen
Die europäische Kulturhauptstadt Pécs in deutschen Quellen
IKGS-Verlag München 2010
Veröffentlichungen des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wissenschaftliche Reihe (Geschichte und Zeitgeschichte); 117
469 Seiten, Illustrationen
ISBN 978-3-9811694-6-1
Bezug: Buchhandel |
Eine Sammlung alter Reisebeschreibungen und Quellen über die südungarische Stadt Fünfkirchen (Pécs) haben Juliane Brandt und Johann Habel zusammengestellt. Im Gegensatz zu anderen Anthologien über Städte, die vor allem aus Äußerungen bekannter Persönlichkeiten schöpfen können, haben wir es hier mit einer Quellensammlung heute eher vergessener Autoren zu tun. Umso interessanter ist das natürlich und umso wichtiger ist es, gerade diese Texte dem heutigen Publikum wieder zugänglich zu machen. Allerdings handelt es sich um keine reine Textsammlung. Vielmehr wechseln komplette Textabdrucke mit Analysen der Herausgeber ab. Es handelt sich also nicht einfach um eine Anthologie, bei der verschiedene Texte aneinandergehängt werden, sondern dem Leser wird mit wissenschaftlichem Anspruch ein Einblick in die Quellensituation gegeben. Wir können nicht nur alte Texte über Fünfkirchen lesen sondern erfahren auch die Hintergründe der Textentstehung. Wir erfahren die Biographien und Reiseumstände der Autoren der Reiseberichte. Und ein umfangreicher Anmerkungsapparat informiert uns über weitere Details, erklärt geographische Begriffe und Örtlichkeiten in der Stadt.
Dabei lernen wir Fünfkirchen in unterschiedlichen Jahrhunderten und aus verschiedenen Perspektiven kennen. Wir finden lexikalische Beschreibungen der Stadt, die sich um Objektivität bemühen. Militärs berichten über kriegerische Ereignisse und ihre Taten und beschreiben dabei die Stadt. Reisende schreiben über ihre persönlichen Eindrücke der Stadt. Ein Stadtführer beschreibt uns Fünfkirchen um 1850 näher. Und eine Sammlung von Zeitungsausschnitten trägt Material zum bürgerlichen Leben und zum Tagesgeschehen zusammen. So können wir das historische Fünfkirchen in verschiedenen Facetten betrachten. Juliane Brandt befasst sich außerdem mit alten Postkarten, also Landkarten mit den Postrouten.
Den Aufstand gegen die Habsburger erleben wir in einem Brief von Alexander Johann von Kollaneck, der vom 24. April 1704 datiert, der im Original und in einer Übertragung in die moderne Sprache abgedruckt ist. [...] |
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Hrsg. von Hans-Christian Maner und Norbert Spannenberger
Konfessionelle Identität und Nationsbildung
Die griechisch-katholischen Kirchen in Ostmittel- und Südosteuropa im 19. und 20. Jahrhundert
Geistesgeschichtliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig
Franz Steiner Verlag Stuttgart 2007
Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa; 25
ISBN 978-3-515-09024-7
237 Seiten
Preis:
36 Euro
Bezug: Buchhandel |
Die griechisch-katholischen Kirchen sind geographisch zwischen dem römisch-katholischen und dem orthodoxen Bereich anzusiedeln. Diese »unierten« Kirchen (nicht zu verwechseln mit protestantischen unierten Kirchen in Deutschland oder der unitarischen Richtung der reformierten Kirche im Königreich Ungarn) erkennen den Papst in Rom als kirchliches Oberhaupt an, stehen liturgisch aber der orthodoxen Tradition nahe. Die Entstehung liegt im 16. und 17. Jahrhundert und stellten einen Versuch der römisch-katholischen Kirche dar, die Kirchen wieder zu vereinigen. Die Union von Brest-Litovsk 1596 und die Union von Karlsburg (Alba Julia) 1700 stellen zwei wichtige Eckdaten dar. Bewusst muss man von unierten Kirchen sprechen, da es sich nicht um ein einheitliches Phänomen handelt. Allerdings entstand doch keine Kirchenunion, sondern eine Verschiebung der konfessionellen Grenzen. Die erste unierte Kirche entstand in Polen mit der Hoffnung auf eine Integration des neuen Gebiets. Nach der Aufteilung Polens war das Geschick dieser unierten Kirchen unterschiedlich. Russland löste die unierte Kirche auf, Österreich tolerierte sie. In Kroatien entstand die unierte Kirche durch orthodoxe Flüchtlingen aus dem von den Osmanen eroberten Serbien. In Siebenbürgen entstand die griechisch-katholische Kirche auf Betreiben des Kaisers Leopold I. Sie war nach der polnischen die zweitgrößte unierte Kirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die unierten Kirchen zwangsaufgelöst. In Rumänien wurde die Kirche 1948 aufgelöst und mit der orthodoxen Kirche zwangsvereinigt. Erst nach der Wende entstand sie neu.
Hans-Christian Maner und Norbert Spannenberger haben für diesen wenig bekannten Bereich der Kirchengeschichte einen Sammelband zusammengestellt, dessen Beiträge im Kern auf eine Tagung in Lemberg (Lviv) zurückgehen, die 2002 vom Geistesgeschichtlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig und dem Institut für Kirchengeschichte der Theologischen Akademie Lemberg veranstaltet wurde. Neben spannenden Einzelstudien gibt der Einführungstext von Hans-Chistian Maner einen Überblick zu den unierten Kirchen. Der Band deckt mit seinen vielfältigen Beiträgen natürlich die verschiedenen unierten Kirchen ab. Doch wollen wir uns hier auf die Beiträge zu Ungarn und Südosteuropa konzentrieren. [...] |
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Red. András Grósz
Entrechtungen in Budaörs
(1944–1948)
Bezug: 5 Euro (+ 18 Euro Versandkosten)
Jakob-Bleyer-Heimatmuseum, Budaörs
E-Mail: a.grosz@heimatmuseum.hu |
Mit diesem Titel veröffentlichte das Jakob-Bleyer-Heimatmuseum Mitte Januar einen zweisprachigen Studienband über die Vertreibung in Budaörs und deren Vorgeschichte. Der Band erschien als Resultat der dreijährigen Arbeit der Forschungsgruppe des Heimatmuseums mit der Redaktion von András Grósz.
Das Vorwort wurde von der Abgeordneten der Deutschen Selbstverwaltung Budaörs Maria Bencze Tóth geschrieben, die die Wichtigkeit der Arbeit hervorhebt und die Notwendigkeit der ungarisch-deutschen Versöhnung betont.
Die Einleitung wurde von der Direktorin des Instituts für Ethnisch-Nationale Minderheitenforschung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA), der Historikerin Ágnes Tóth, geschrieben. Die Autorin gibt in ihrer Arbeit einen historiographischen und methodischen Überblick und leitet die Aufmerksamkeit auf die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Erforschung der Ortsgeschichte. »Nach der Wende wurde die Frage der Vertreibung der Ungarndeutschen nicht mehr nur als fachwissenschaftliche Frage angesehen, sie thematisierte sich aber auch aus der Sicht der politischen Rehabilitation, Wiedergutmachung, und sie wurde auf diese Weise als öffentliches Gesprächsthema von der Gesellschaft aufgegriffen«, so Ágnes Tóth.
Die Studie vom Historiker-Archivar András Grósz behandelt die Vorgeschichte der Vertreibung, die Flucht der Budaörser Deutschen vor den sowjetischen Gruppen und die Internierungen. Beide Themen sind landesweit noch nicht aufgearbeitet, weswegen die Arbeit auch in der Historikerwelt als Kuriosität gilt.
»Die Budaörser Flüchtlinge waren teils Volksbundsmitglieder und teils SS-Soldaten, darüber hinaus verließen aber zahlreiche Dorfbewohner die Gemeinde, als sie über die Ankunft der sowjetischen Truppen Nachrichten hörten (…) Als Zeitpunkt für eine Razzia wurde jeweils eine sämtliche Einwohner in Budaörs bewegende Kirchenfeier, der Fronleichnamstag gewählt, wo alle einheitlich an der Prozession teilnahmen, und dies gab für Inhaftierungen eine entsprechende Gelegenheit«, so András Grósz. [...] |
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Gerhard Seewann, Karl-Peter Krauss, Norbert Spannenberger (Hrsg.)
Die Ansiedlung der Deutschen in Ungarn
Beiträge zum Neuaufbau des Königreiches nach der Türkenzeit
Oldenbourg Verlag München 2010
(Buchreihe der Kommission für Geschichte und Kultur der Deutschen in Südosteuropa; 40
ISBN 978-3-486-59750-9
233 Seiten
Bezug: Buchhandel |
Die Beiträge einer Tagung über die Ansiedlung und Eingliederung der Deutschen im 18. Jahrhundert im Königreich Ungarn, die im Oktober 2008 in Fünfkirchen (Pécs) stattfand, sind nun als Band in der Buchreihe der Kommission für Geschichte und Kultur der Deutschen in Südosteuropa (früher Südostdeutsche historische Kommission) erschienen. Die Tagung verfolgte das Ziel, den Beitrag der Deutschen zum Neuaufbau des Königreichs Ungarn nach der Türkenzeit aufzuzeigen. Dieses Zeitalter wurde von einem umfangreichen Aufbauwerk geprägt, das aber in der ungarischen Geschichtsschreibung üblicherweise ignoriert wird. Und wenn die Ansiedlung erwähnt wird, dann wird sie im Rahmen eines nationalistisch akzentuierten Geschichtsbilds negativ bewertet. Dies war nicht immer so, wie Norbert Spannenberger in seinem Beitrag über die unterschiedliche Interpretation der Ansiedlung durch die österreichische und ungarische Historiographie nachweist, denn im 18. Jahrhundert finden sich durchaus positive Darstellungen der Aufbauleistungen der deutschen Siedler.
Die verschiedenen Beiträge untersuchen auch die Handlungen und Absichten der Akteure der Ansiedlung. Dies ist vor allem der habsburgische Staat, dessen Aktionen Ernst Dieter Petritsch analysiert. Auf die Hintergründe der deutschen Einwanderung unter Joseph II. geht Márta Fata ein. Einen Überblick zu Agrarwirtschaft und Kolonisation in Ungarn im 18. Jahrhundert gibt György Kurucz. Ungarn entwickelte sich als wichtiges Exportland für Produkte aus der Landwirtschaft, die durch die deutschen Ansiedler einen starken Aufschwung erhielt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Ansiedlung stellt auch Zoltán Kaposi hervor. Kaposi macht deutlich, dass die deutsche Ansieldung einen stimulierenden Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung Ungarns hatte. Durch die Zuwanderung kamen neue Wirtschaftszweige nach Ungarn, außerdem wurde das Steueraufkommen deutlich erhöht. Hier hebt Kaposi die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Einwohner der Städte hervor, die maßgeblich zur Etablierung eines Bürgertums, bürgerlicher Wertvorstellungen und Kultur in Ungarn beitrugen. Einen umfangreichen Geldtransfer hat Karl-Peter Krauss aufgedeckt, der detailliert Geldzahlungen aus Deutschland nach Ungarn untersucht und nachweist, dass die Siedler nicht nur beträchtliche Vermögen mit nach Ungarn brachten sondern auch in späteren Generationen zahlreiche Erbschaften aus Deutschland nach Ungarn ausbezahlt wurden. [...] |
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Magda Szabó
Die Elemente
Roman
Aus dem Ungarischen von Heinrich Eisterer
Secession Verlag für Literatur
ISBN: 978-3-905951-01-1
Originaltitel: Pilátus
Bezug: Buchhandel Euro 24,95 |
Der Verlag hat als Titel der Neuübersetzung die Titelüberschriften des Buches miteinbezogen: Erde, die praktische Kraft, Treue und Verlässlichkeit – Feuer, die zerstörerische Kraft, das seine Opfer verbrennt und nur Asche übrig lässt – Wasser, Ausdauer und Einfühlsamkeit – Luft, die alles spielerisch und kreativ verbindet: Die Elemente sind so verschieden wie die handelnden Personen dieses Romans: Etelka, die Mutter, Iza, die Tochter, Antal, der geschiedene Schwiegersohn und Domokos, Izas Partner. »Die Unglückselige glaubt, die Vergangenheit der Alten sei ein Feind, und bemerkt nicht, dass sie Erklärung, Maß und Deutung der Gegenwart ist.« Diese Erkenntnis Lídias steht auf dem hinteren Buchdeckel und umfasst die ganze Problematik.
Zwei Welten treffen aufeinander, die von Iza und ihrem unbedingten Fortschrittglauben, der alle Tradition als ewig gestrig ablehnt und den Blick zurück nicht erlaubt – und die Welt Etelkas, ihrer Mutter, die allem Neuen misstraut, dessen Nutzen sich ihr nicht erschließt. Viele Romane Szabós setzen sich mit der Sprachlosigkeit zwischen den Generationen auseinander und dem Unverständnis das diese einander entgegenbringen: ein traditionelles, von übernommenen Sitten und Moralvorstellungen geprägtes Leben zu führen, oder, ebenso unbedingt nur das Neue, den Fortschritt der sogenannten modernen Welt gelten zu lassen. Damit charakterisiert Szabó auch die Gesellschaft der 60er Jahre in Ungarn, den Kommunismus, der nur die neue Gesellschaft gelten lassen wollte.
Vince Szőcs, ein ehemaliger Richter, ist seinem Krebsleiden erlegen. Zurück bleibt seine Frau Etelka, die alles mit ihm geteilt hatte, Jahre der Kränkung und der Armut, aber auch die Freude über seine Rehabilitation. Zurück bleibt auch Tochter Iza, eine tüchtige und beliebte Ärztin. Sie lebt seit ihrer Scheidung von Antal in Budapest. Der Arzt Antal würde sich gern um die Mama kümmern, doch Iza lehnt ab. Sie will die Mutter zu sich nach Budapest nehmen. Aber sie verkauft ihm das Häuschen mit fast dem gesamten Inventar. [...] |
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R. Bendel, N. Spannenberger [Hg.]
Kirchen als Integrationsfaktor
für die Migranten im Südosten der Habsburgermonarchie im 18. Jahrhundert
LIT Verlag Berlin 2010
323 Seiten, Illustrationen
(Kirche und Gesellschaft im Karpaten-Donauraum; 1)
ISBN 978-3-643-10045-0
Bezug: Buchhandel |
Grundlagenforschungen für die Mikroebene der Kirchengeschichte Ungarns sind bisher rar. Es war deshalb das Ziel der Herausgeber Rainer Bendel und Norbert Spannenberger, hier neues Material zusammenzutragen. Die Vorträge zweier wissenschaftlicher Tagungen zur Kirchengeschichte im 17. und 18. Jahrhundert sind im vorliegenden Sammelband vereinigt.
Der Band greift weit in die Vorgeschichte während der Osmanenzeit zurück. Schwerpunktregion für den Herrschaftswechsel nach der Rückeroberung ist Südtransdanubien. Hier erfahren wir in der Studie von Szabolcs Varga Vieles über ethnische Gruppen, ihre Verbreitung und Bewegungen in Südtransdanubien und Slawonien. Auf die Rekatholisierung von Südtransdanubien geht Zoltán Gözsy ein. Branko Beslin behandelt die serbisch-orthodoxe Kirche in der Zeit um 1700. Eher allgemein ist der Aufsatz von Norbert Spannenberger über das interkonfessionelle Zusammenleben in Südtransdanubien. Spannenberger untersucht darin, ob und wie konfessionell homogen die neu angesiedelten Ortschaften waren.
Die zweite Gruppe von Aufsätzen ist überschrieben mit »Migration und Integrationsprozesse«. Dass die Integration der Neuankömmlinge während der Ansiedlungszeit nicht immer ganz so einfach verlief, zeigen verschieden Aufsätze. András Forgó zeigt solche konfessionelle Konflikte auf den Landgütern der geistlichen Orden. Forgó untersucht dies am Beispiel der Zisterzienser der Abtei Zirc und an der Rolle der Pauliner bei der Rekatholisierung von Pápa. Auf die Frage der Protestanten geht Zoltán Csepregi ein. Er greift hier die neu besiedelten Gebiete in der Tolnau heraus. Peter Soltes untersucht Migration und Konfessionen im nordöstlichen Ungarn. Sándor Öze geht auf die Städte ein. [...] |
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Michael Prosser-Schell
Vom »dies sancti Urbani« zum »Orbán-napi Borünnep« in Hajos
Geschichte und Transformation des Urbanfestes aus volkstümlicher Perspektive
Schriftenreihe des Johannes-Künzig-Instituts; 10
Freiburg 2009
ISBN 978-3-931905-48-9
311 Seiten, zahlreiche Illustrationen
Bezug: Johannes-Künzig-Institut
Goethestr. 63
79100 Freiburg
Tel. 0761/704430 |
St. Urban ist als Beschützer des Weinbaus bekannt. Üblicherweise wird er als Bischof mit Bischof oder Papst mit Bischofstab und Weintraube dargestellt. Prof. Dr. Michael Prosser-Schell, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Johannes-Künzig-Institut für ostdeutsche Volkskunde in Freiburg im Breisgau hat diesem »Weinheiligen« nun eine spannende Studie gewidmet. Er analysiert dabei sowohl die Herkunft der Verehrung, die Darstellung des Heiligen wie die Veränderung der Verehrung im Laufe der Geschichte. Für Prosser-Schell sind aber auch Urbansfest interessant und diese verfolgt er bis in die Gegenwart. Und hier wird die Studie für ungarndeutsche Leser besonders interessant. Denn als Fallbeispiel wählt er die Gemeinde Hajos.
Ausführlich geht Prosser-Schell auf die Hagiographie des Papstes Urban I. ein, der im 3. Jahrhundert lebte. Sein Gedenktag ist der 25. Mai. Der heilige Urban ist immerhin Patron von Maastricht und anderer Städte. Und er wurde angerufen gegen Trunkenheit, Gicht, Frost, Gewitter und Blitz. Seit der Zeit um 1400 wird Urban auch mit einer Weintraube dargestellt. Und diese Funktion als Winzerheiliger ist nun auch in Ungarn interessant. Für das 18. Jahrhundert finden sich zahlreiche Nachweise einer umfangreichen Urban-Verehrung. Zu den wichtigen Verehrungsstätten gehört die sog. Urbanskirche in Gyöngyös. Und bemerkenswert sind die angeblichen Urbansreliquien in der Kapelle des Andrássy-Schlosses in Monok. In der Nähe von Badeseck (Bátaszék) befindet sich eine Urbankapelle, die wohl nach der Ankunft deutscher Siedler errichtet wurde. Im Königreich Ungarn hält die Verehrung auch im 19. Jahrhundert an. Ein Zeugnis ist etwa die Figur in der neogotischen Kirche in Werschetz im Banat. Und auch im 20. Jahrhundert gibt es Beispiele für Darstellungen des heiligen Urban. Im Zentrum von Gerlingen schmückt eine Urban-Statue von Fritz von Graevenitz den Urbanbrunnen. [...] |
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Gyula Ortutay
Napló (Tagebuch)
Bandd. I. 1938-1954
ISBN 978-963-370984-9
Verlag Alexandra, Pécs 2009
Hg. v. László Markó. 4999 Ft.
Bezug: Ungarischer Buchhandel |
| Der Name von Gyula Ortutay dürfte dem heutigen Durchschnittsungarn eher unbekannt sein. Auch wenn er als Volkskundler, Journalist und Politiker nach 1945 eine durchaus bekannte Persönlichkeit war, sein Name wurde kein Bestandteil der öffentli-chen Erinnerungskultur. Dennoch dürften seine Memoiren, die in insgesamt drei Bänden publiziert wurden, einen besonderen Stellenwert für das Geschichtsbewusstsein haben, und zwar aus mehreren Gründen. Ortutay ist 1910 in Subotica als Sohn eines verarmten, römisch-katholischen Kleinadeligen geboren. Sein Abitur machte er bei den Piaristen in Szeged, diese Erziehung hinterließ auch nachhaltige Spuren in seinem Leben. 1930 schloss er sich einem Kreis junger Intellektueller an, die sich mit »Dorfforschung« beschäftigten. Nach seinem Studium in Szeged bekam er eine Stelle 1935 beim Ungarischen Rundfunk in Bu-dapest. Bis 1944 war er stellv. Abteilungsleiter der Redaktion für Literatur. Eine besonders enge Beziehung pflegte er zum Rund-funkdirektor, Miklós Kozma, er wurde auch Privatlehrer von dessen Kindern. Politisch ließ er sich aber von Endre Bajcsy-Zsilinszky inspirieren. 1942 beteiligte er sich an der Arbeit der »Ungarischen Historischen Gedenkkommission«, einer Organisa-tion linker und »antifaschistischer« Intellektuellen und Politiker. 1943 trat er der Kleinlandwirtepartei bei, nach der Machtergrei-fung der Pfeilkreuzler machte er aktiv beim Widerstand mit. Als Kryptokommunist propagierte er die bedingungslose Kollaborati-on seiner Partei mit den Kommunisten. [...] |
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Maggie Haug
Max
Novum-Verlag 2008
ISBN 978-3-85022-401-7
193 Seiten 16,90 Euro
Bezug: Magdalena Haug, Dattelweg 25A, 70619 Stuttgart, Tel. 0711/8498440 |
Die Reihe »Gebrauchsanweisung« nähert sich Städten und Ländern auf ungewöhnliche Art und Weise. Der Germanist Viktor Iro, der in Budapest unterrichtet, nähert sich dabei der ungarischen Hauptstadt durchaus kritisch. Mythos prüft er ohne Vorbehalt. Dem entgeht auch der Mythos Kaffeehaus nicht. So findet er die Renovierung des berühmten Kaffeehauses New York ziemlich misslungen. In den Details sei die Renovierung lieblos geschehen. So handelt Iro die Kaffeehäuser der Reihe nach ab. Gefallen findet er immerhin am Central, wo er für den Sommer die Hauslimonade empfiehlt. So ganz nebenbei hat Iro eine kleine Kulturgeschichte des Budapester Kaffeehauses eingeflochten, die mit vielen historischen Zitaten ausgeschmückt ist. Dass die wenigen alten Kaffeehäuser nur noch ein kläglicher Rest des früheren Bestands ist, damit hat Iro leider völlig recht. In Wien wurde das Kaffeehauswesen besser gepflegt. Und auch am Mythos des ungarischen Kuchens kratzt Iro gewaltig. Der Kuchen sei ordentlich, habe aber eher einen Retro-Charme und sei von der Finesse französischer Patisserie weit entfernt: »Ein wenig antiquiert und unbeweglich kommt das Angebot meistens daher«. Da Iro in Budapest lebt, hat er viele Details des täglichen Lebens in den Band eingebracht. Da Iro ganz aktuelles Tagesgeschehen eingebunden hat, ist der Band für Budapest-Neulinge ebenso interessant wie für Budapest-Kenner. Da erfährt man von den Aktivitäten des Vereins OVAS, der sich für die Erhaltung historischer Bauten einsetzt. Und Iro gräbt tief im ungarischen Wesen, um die Besonderheiten zu erklären.
Mit dem Museum in Szigetbecse, das dem bekannten Fotografen Andor (später André) Kertész gewidmet ist, der dort seine Kindheit verbrachte, hat Iro einen echten Geheimtipp ausgegraben. Iro nimmt das als Einstieg in ein Kapitel über alte Fotos. Tatsächlich kann Ungarn eine ganze Reihe brillanter Fotografen aufweisen. Natürlich werden wir auf das Mai-Manó-Haus in Budapest hingewiesen. Und dann kommt Iro noch auf das ungarische Fotomuseum in Kecskemét zu sprechen, das immerhin eine Sammlung von 1,3 Millionen Fotos – aber eine katastrophale Präsentation besitze. Beim Thema Wein macht Iro eine kleine Rundreise. Nach einer kleinen Geschichte des ungarischen Weins gelangt er nach Tokaj. István Szepsy oder besser dessen Wein hat es ihm besonders angetan. Über das Erlauer Stierblut, gelangt man nach Szekszárd und von dort nach Villány. Und auch auf den Weißwein kommt Iro noch zu sprechen. [...] |
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Harald Roth, Konrad Gündisch
Fünfkirchen/Pécs
Geschichte einer europäischen Kulturhauptstadt
Böhlau Verlag Wien, Köln, Weimar 2010
ISBN 978-3-78438-8
170 Seiten, zahlreiche Illustrationen
19,90 Euro
Bezug: Buchhandel |
Harald Roth und Konrad Gündisch sind zwei ausgewiesene Kenner Südosteuropas. Zusammen haben sie eine kurzweilige Geschichte der südungarischen Stadt Fünfkirchen (Pécs) verfasst. Diese erschien aus Anlass des Kulturhauptstadtjahrs, das dieses Jahr in Fünfkirchen gefeiert wird. Das Buch richtet sich besonders an Gäste und Interessierte aus dem deutschsprachigen Raum. Für diese Leserschaft fehlte bisher eine übersichtliche Monographie zur Stadtgeschichte. Die beiden Autoren schließen diese Lücke.
In sechs Kapiteln stellen Harald Roth und Konrad Gündisch chronologisch die Geschichte der Stadt dar. Netterweise stellen sie jedes Kapitel unter einem anderen Städtenamen dar. Das ist eine schöne Idee. Die Namensvielfalt ist ja bei dieser Stadt besonders faszinierend. So wandeln sich Geschichte und Name von Sopianae über Quinqueecclesiae, Pecuy, Fünfkirchen schließlich zu Pécs. Eine Siedlungsgeschichte von der Römerzeit bis heute, das kann manche mitteleuropäische Stadt aufweisen. Bei Fünfkirchen kommt aber eben noch die Türkenzeit hinzu. Da dieser Bereich für deutsche Leser sicherlich völlig unbekannt ist, ist die Ausführlichkeit des entsprechenden Kapitels gerechtfertigt. Interessant sind auch die Ausführungen zum Mittelalter. Multiethnisch und multikulturell war die Stadt irgendwie immer. Eine Homogenität war der Stadt immer fremd, auch das unterscheidet sie von anderen Städten. Bis heute sind die verschiedenen Volksgruppen in der Stadt noch immer gegenwärtig und sichtbar. Eine besondere Vielfalt zeigt sich aber auch in anderer Hinsicht. [...] |
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Martin Rill (Hrsg.)
Ungarns Erbe in Flugbildern von Georg Gerster
= Magyarország kulturális öröksége Georg Gerster légi felvételein
Text: Zoltán Huszár / Fotografien: Georg Gerster / Einführung: Tamás Fejérdy
Wort + Welt + Bild Verl. München 2010
ISBN 978–3-9810825–7-9
Text dt., ung. und engl. 162 Seiten, überwiegend Illustrationen
Bezug: Buchandel |
Der Blick von oben auf Landschaft, Städte und Gebäude vergönnt uns einen ungewohnten Blick. Ganz andere Raumzusammenhänge tun sich auf. Ganz andere strukturelle Muster werden erkennbar. Durch die unterschiedlichen Farben von Feldern, Wiesen und Wäldern ergibt sich ein Landschaftsteppich, der aus der Fußgängerperspektive eben nicht wahrnehmbar ist. Dies gilt auch für Städte. Die Topographie rückt wie auf der Landkarte in den Hintergrund.
Eine wunderbare Sammlung von 93 Luftbildern des bekannten Fotografen Georg Gerster vereinigt der neue von Martin Rill vor-gelegte Bildband. Wieder ergab sich eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Georg Gerster und Martin Rill, die schon bemer-kenswerte Bände zu Siebenbürgen gestalteten. Aus Anlass des in Fünfkirchen (Pécs) gefeierten Kulturhauptstadtjahrs ist in diesem Fall Ungarn das Thema. Eine Referenz an die südungarische Stadt ist schon das Foto auf dem Umschlag, das den Széchenyi-Platz mit der ehemaligen Moschee zeigt. Dieses Foto ist bereits historisch. Noch sehen wir parkende Autos. In der Zwischenzeit wurde der Platz neu gestaltet und mit einem neuen Belag versehen. Die ersten zehn Fotos sind der Stadt Fünfkir-chen gewidmet, deren Bürgermeister ebenso wie jener der Partnerstadt Fellbach und der baden-württembergische Staatssekre-tär Dietrich Birk den Band mit Grußworten einleiten. [...] |
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Márta Fata (Hrsg.)
»Die Schiff’ stehn schon bereit«
Ulm und die Auswanderung nach Ungarn im 18. Jahrhundert
Stadtarchiv Ulm, Kommissionsverlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2009
(Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm; Reihe Dokumentation; 13)
ISBN 978-3-17-021194-0
142 Seiten, Illustrationen
Bezug: Buchhandel |
| Die Vorträge der Tagung »Die Schiff’ stehn schon bereit«, die am 12. Juli 2008 im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm stattfand, hat das Stadtarchiv Ulm nun als Buch herausgebracht. Acht Vorträge zu Ulm in seiner Beziehung zur Auswanderung der Donauschwaben im 18. Jahrhundert hat Márta Fata als Herausgeberin in dem Band zusammengefasst. Die Stadt Ulm im 18. Jahrhundert stellt Gudrun Litz vor. Schnell wird in ihrem Aufsatz deutlich, dass Ulm vor allem Durchgangsstation von Auswande-rern war. Die Zahl von 850 nach Ungarn ausgewanderten Personen ist für das Territorium der Reichsstadt Ulm recht gering. Wolf-Henning Petershagen befasst sich mit der Geschichte des Schiffswesens auf der Donau, Flößerei und Zillenbau und geht besonders auf eine frühe Auswanderungswelle im Jahr 1623 ein. Damals kam es zu mehreren Unglücken auf der Donau, bei der zahlreiche Auswanderer ertranken. In der Sozialstruktur Oberschwabens mit ihrem Anerbenrecht sieht Kurt Diemer einen der Gründe für die Auswanderung. Dazu haben auch die regelmäßigen Durchzüge von Heeren beigetragen. Die Rückwanderungswelle 1712/13 analysiert Márta Fata im Vergleich des Verhaltens der beiden Städte Donauwörth und Ulm. Während Donauwörth versucht, die Rückwanderer möglichst schnell wieder loszuwerden, richtet Ulm ein Lager für die Rückwanderer ein und sorgt für deren medizinische Versorgung. Die Geschichte der vom Bussen nach Hajosch (Hajós) verbrachten Madonna stellt Henrieke Hampe vor. Sie zeigt damit auch auf, wie diese Geschichte letztlich für bis heute immer wieder erneuerte menschliche Verbindungen zwischen Deutschland und Ungarn sorgte. Auch im Aufsatz von Michael Prosser-Schell und Csilla Schell geht es um menschliche Verbindungen. Hier ist es der heilige Urban, der die Verbindung bildet. Detailliert geht er auf das Urbansfest im Weinort Hajós ein. Reisebeschreibungen und Siedler-romane analysiert Horst Fassel unter dem Aspekt der Erwähnung der Donauschwaben. Auf Erinnerungsorte für Türkenkriege und Auswanderer in Südwestdeutschland geht Annemarie Röder ein. [...] |
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Josef Schwing
Die Namen der Stadt Pécs
Eigenverl. Neuhofen (Pfalz) 2009
ISBN 13: 978-3-9801911-3-5
Ungarische Ausgabe. u.d.T.: Pécs város nevei,
ISBN 13: 978-3-9801911-3-42
Bezug: Dr. Josef Schwing, Dieselstr. 23, D-67141 Neuhofen. |
Josef Schwing legt hier ein Übersichtswerk zu den Namen der südungarischen Stadt Fünfkichen (Pécs) vor und liefert damit einen interessanten Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr. Erstaunlicherweise hat sich bisher noch niemand in dieser Breite mit den verschiedenen Namen der Stadt beschäftigt. Zwar gibt es viele Einzelstudien, aber eben kein Übersichtswerk. Diese Lücke schließt Josef Schwing nun endlich. Er geht auf breiter sprachwissenschaftlicher Grundlage an die Aufgabe heran. Natürlich zieht er die bisherigen Forschungsergebnisse heran und beleuchtet sie kritisch. Schwing zieht in seine Argumentationen auch Ergebnisse der Geschichtswissenschaft hinzu und liest historische Quellen neu. Durch Forschungsergebnisse aus der Archäologie, die bisher im Namensdiskurs noch nicht herangezogen wurden, kann er wichtige Argumentationslücken schließen. So schafft Schwing mit seiner interdisziplinären Herangehensweise zu neuen Ergebnissen.
Dass die Beschäftigung mit den verschiedenen Namen von Fünfkirchen eine interessante sprachwissenschaftliche Aufgabe darstellt, das zeigt schon der Buchumschlag, wo unten historische Namensvorkommen abgebildet sind. Allein vierzehn verschiedene Namensfassungen zeigt die Grafik. Diese Fülle ist schon erstaunlich. Oder irgendwie auch nicht, wenn man bedenkt, dass die verschiedenen Volksgruppen in Fünfkirchen auch heute noch unterschiedliche Stadtnamen benutzen. Fünfkirchen, Pécs und Pecuh sind ja durchaus aktuelle Namen der Stadt. Historisch kommt dann noch eine ganze Reihe von Namen hinzu. [...] |
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Hrsg. von der Suevia Pannonica, Vereinigung Ungarndeutscher Akademiker Sitz Heidelberg und von der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn
Archiv der Deutschen aus Ungarn
Jahrgang (36) 2008
Landesverband Baden-Württemberg, Sitz Stuttgart, Heidelberg
2008, 144 Seiten
Bezug: Suevia Pannonica, Magdeburger Str. 134, 67071 Ludwigshafen
Tel. 06237/979107
Mail:
u.d.akademiker@suevia-pannonica.de
Internet:
www.suevia-pannonica.de |
Im Mittelpunkt des »Archivs der Deutschen aus Ungarn« 2008 steht das religiöse Leben der Ungarndeutschen, das auf vielfältiger Weise durch weit gefächerte Themenbereiche beleuchtet wird. Idmar Hatzack beschäftigt sich in seinem Aufsatz mit der ersten ungarischen Königin »Gisela von Bayern, die nie heilig gesprochene, dennoch heilig verehrte Königin der Ungarn und die erste deutsche Vertriebene«. Gisela war die Tochter des Herzogs Heinrich II. von Bayern, (des nachmaligen Kaisers Heinrich II.) und der Herzogin Gisela von Burgund. Obwohl die Prinzessin ursprünglich vorhatte, ins Kloster zu ziehen, betrachten die Historiker die Ehre als glücklich. In Begleitung von Gisela kamen nach Ungarn Adlige, Geistige und dreihundert bayerische Ritter. Die Tätigkeit der Königin für das ungarische Volk und für die Kirche beschreibt der Verfasser ausführlich. Ihr Gemahl Stefan veranlasste, dass zehn Dörfer eine Kirche bauen müssen, für die Ausstattung sorgte die Krone selbst. Deshalb reiste das Königspaar durch das Land und legte Grundsteine von neuen Kirchen und stattete diese auch aus. Nach dem tödlichen Jagdunfall des Thronfolgers Emmerich wird der Königin eine bedeutende Rolle bei den Thronwirren nachgesagt. Deshalb wurde sie mit vielen deutschen Rittern, Adligen und Siedlern aus Hass, beschimpft als »Ausländerin« 1045 oder 1046 aus dem Land verwiesen und damit war sie die erste deutsche Vertriebene aus Ungarn.
Die weiteren Artikel in diesem Stoffbereich behandeln Themen wie »Die Rolle der katholischen Kirche in der ungarischen Vergangenheit und Gegenwart« von Josef Haltmayer. [...] |
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Sándor Márai
Die Möwe
Roman
Aus dem Ungarischen von Christina Kunze
Verlag Piper, 2008
ISBN: 978-3-492-05208-5
Originaltitel: Sirály, 1943
Bezug: Buchhandel Preis: 23,00 Euro |
Schauplatz ist das winterliche Budapest, kurz bevor Ungarn direkt in den 2. Weltkrieg mit einbezogen wird. Ein, bis zum Ende des Romans namenloser Ministerialrat, 45 Jahre alt, trifft eine Entscheidung, die sein Land am nächsten Morgen tief treffen wird. Noch geben sich die Menschen in Budapest sorglos ihren Vergnügungen hin, auch der Regierungsbeamte hat vor, am Abend die Oper zu besuchen; - es herrscht gleichsam die Ruhe vor dem Sturm. Der Mann hatte sich, als der Krieg begann, dem Schicksal stellen und bis zum Ende ausharren wollen, nun aber lässt er sich, müde geworden, von den Ereignissen das Heft aus der Hand nehmen, nimmt an, was höhere Mächte über ihn beschlossen haben könnten.
Noch während er über seine Entscheidung und die Folgen nachgrübelt, betritt eine schöne junge Frau das Amtszimmer. Ein Déjavu überfällt ihn: Sie gleicht seiner toten Geliebten Ilona so sehr, dass er das Gefühl hat, diese sei wieder auferstanden. Allerdings will er sich nicht noch einmal quälen lassen, sondern alle Gefühle von sich abprallen lassen. Er fühlt sich nicht mehr jung, möchte, dass alles in seinem Leben berechenbar bleibt. Vom Anblick der jungen Frau ist der Rat jedoch so verwirrt, dass er ein regelrechtes Verhör mit ihr anstellt: Sie ist Finnin, Lehrerin, spricht mehrere Sprachen, hat ein Stipendium und möchte in Budapest arbeiten. Dazu braucht sie ein Visum und der Ministerialrat soll helfen; denn man hatte ihr gesagt, er würde das ganz bestimmt tun. Ihr Name ist Aino Laine »einzige Welle« auf Ungarisch. Sie möchte deshalb hier unterrichten, weil sie nur in der Stadt leben könne, andernfalls sei ihr nur der hohe Norden in Lappland geblieben. [...] |
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P. Howard (Jenö Reich)
Ein Seemann und ein Gentleman
Roman
Aus dem Ungarischen von Vilmos Csernohorszky
jr.
Elfenbein Verlag, 2008
ISBN 978-3-932245-93-0
Originaltitel: Az elveszett cirkáló 1938
Bezug: Buchhandel Preis: 22 Euro |
Alle Zutaten für einen turbulenten Kriminal- und Abenteuer-Roman sind vorhanden. Den Hintergrund bildet das mächtige englische Kolonialreich, bedacht auf Ehre und Treue seiner Untertanen in aller Welt. Oberstes Gebot, alles, was seinem Ansehen schaden könnte, muss unbedingt verheimlicht werden. So auch diese Geschichte, über die, würde sie aufkommen, die übrige Welt bis in alle Ewigkeit lachte. Behauptet der Autor - und tischt sie uns auf: Im Hafen von Piräus sucht ein junger Mann nach seinem verschollenen Bruder, Thomas Leven, der zwei Jahre vor diesem Abenteuer noch Kapitän im Generalstab der englischen Marine war. Tom hat eine wichtige Erfindung gemacht, von der er nur seiner Geliebten erzählte. Als er merkt, dass sie ihn hintergeht, stellt er sie zu Rede, kurz darauf wird sie erstochen aufgefunden, der Kapitän des Mordes verdächtigt. Er flieht, die Erfindung beansprucht ein anderer Offizier.
Der jüngere Bruder macht sich auf die Suche nach ihm, und da die Erfindung der Kriegsindustrie Englands zugute kommen könnte, wird ihm ein Schutzpass für Tom ausgestellt, außerdem 50 000 Pfund versprochen, wenn er in England seine Erfindung zum Laufen bringt. Der Flüchtige ist angeblich in die Fremdenlegion in Burma abgetaucht. Rostig, ein junger Herumtreiber, rettet das Milchgesicht im Hafen aus den Klauen der Unterwelt, fühlt sich schnell als sein Beschützer und nennt ihn fortan »Bubi«. [...] |
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Christoph Wagner /
Adi Bittermann
Kronländer Kochbuch
450 altösterreichische Rezepte
Prag, Krakau, Budapest, Triest.
Christoph Wagner, Adi Bittermann,
Fotos: Kurt-Michael Westermann.
Pichler-Verlag Wien 2008
ISBN 978-3-85431-465-3
447 Seiten, zahlreiche Illustrationen
Bezug: Buchhandel, 37 Euro |
Opulent wie die Küche der ehemaligen Donaumonarchie ist ein gerade erschienenes Kochbuch, das gemeinsam von dem Gastronomieauto r Christoph Wagner und dem vom Gault Millau immerhin mit zwei Hauben ausgezeichneten Koch Adi Bittermann (derzeit Bittermann & Vinarium in Göttlesbrunn in Österreich) verfasst wurde und Rezepte aus den habsburgischen Kronländern versammelt. Das neue Kochbuch bietet einen Querschnitt durch die Küchen der verschiedenen Länder und Volksgruppen. Am Wappen kann man immer erkennen, aus welchem Bereich das jeweilige Rezept kommt. Manche Rezepte besitzen mehrere Wappen, woraus man dann schließen kann, dass diese Speise sich einer größeren Verbreitung erfreute. Die Vielfalt des Vielvölkerstaats äußerte sich nicht zuletzt in der Vielfalt der Küchen.
Natürlich wird die Küche Ungarns ausführlich gewürdigt. Schon das zweite Rezept, eines für Grammelpogatscherl stammt aus Ödenburg (Sopron). Schon in der Einleitung erfahren wir interessante Details über ungarische Essenstraditionen. Wobei auch die Esstraditionen der Ungarndeutschen nicht vergessen werden. Brauchbar für den künftigen Restaurantbesuch ist eine Liste der in Ungarn üblichen 20 wichtigsten Garnituren von Bajaer Art bis zu Vecséser Art. [...] |
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Dieter Klein
Münchner Maßstäbe
Der Siegeszug der Münchner Architektur im 19. Jahrhundert
Unter Mitarbeit von Robert Hölzl und Markus Landerer
Volk Verlag München 2008
ISBN 978-3-937200-50-7
128 Seiten, zahlreiche Illustrationen
Bezug: Buchhandel, 12,90 Euro |
Dass man auf dem Umschlag dieser neuen Veröffentlichung zur Architektur Münchens im späten 19. Jahrhundert das Palais New York erblickt, das teilweise überlagert ist von einer Ansicht des Bernheimerhauses in München, ist kein Zufall, hatte das Münchner Gebäude doch großen Einfluss auf die Gestaltung des zeitlich unmittelbar darauf entstandenen Budapester Prachtbaus. So geht es in dem Band eben nicht nur um München, sondern auch um den Einfluss der Münchner Architektur. So spricht der Band sogar von »Münchner Architektur in Europa«. Diese vollmundige Äußerung ist sicherlich berechtigt. Hatten die Ausbildungsstätten für Architektur in München doch große Anziehungskraft auf Architekturstudenten aus dem Ausland.
Und auch die neue Architektur Münchens wurde von ausländischen Architekten bei Besuchen intensiv studiert und war zudem durch Abbildungen in Büchern und Architekturzeitschriften präsent. So ist es nicht erstaunlich, dass München besonders auf Österreich-Ungarn großen Einfluss ausübte. Es ist verdienstvoll, dass der Architekturhistoriker Dieter Klein diese Zusammenhänge, die bisher eher im Bereich der Malerei betrachtet wurden, in der neuen Publikation herausgestellt hat. Schon in seiner Dissertation über den Architekten Martin Düfler blickte Klein über München hinaus und erkannte den Einfluss Dülfers auf Mitteleuropa. Seither hat er seine Studien über die »Wechselbeziehungen der Münchner Architektur zu mitteleuropäischen Städten« intensiviert und in einem gleichnamigen Forschungsprojekt systematisch verfolgt. [...] |
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Gábor Schein
Lazarus
Roman
Akademie Schloss Solitude.
Aus dem Ungarischen
von Wilhelm Droste
Verlag Merz
& Solitude 2004
Reihe Literatur; ISBN:
3-929085-95-X
Bezug: Buchhandel, 15 Euro |
Der Roman erzählt vordergründig die Beziehungsgeschichte eines gestorbenen Vaters und seines erwachsenen Sohnes. Gleichzeitig beschreibt er ein Stück neuere ungarische Geschichte: Die Familiengeschichte der jüdischen Verwandtschaft, die zur Hälfte im Holocaust ausgerottet wurde und das Leben im Ungarn der Nachkriegszeit.
Um besser und objektiver erzählen zu können, nennt sich der Erzähler Péter und seinen Vater M. Péter erzählt seinem toten Vater Geschichten, Legenden, »Tatsachen «, die er herausgefunden hat, der objektive »allwissende« Erzähler spricht über Péter, über den Vater und die Familie. Das schafft eine große dramatische Spannung. In »Lazarus« versucht der Erzähler seinen Vater, zu dem er während dessen Lebenszeit nicht vordringen konnte, wieder auferstehen zu lassen, sein Leben aufzurollen. Er erzählt ihm die Familiengeschichte, von der vorher nie gesprochen worden war.
Er erzählt die Geschichte einer kleinbürgerlichen jüdischen Familie, die den Holocaust überlebt hat, im Gegensatz zu anderen Verwandten, die nicht so glücklich waren. Der Holocaust jedoch wird verschwiegen, der Vater kann und will sich nicht erinnern, nur in die Zukunft leben. »Die genaueren Todesumstände der Verschleppten blieben vor der Familie geheim«. Die Geschichte der in Kolomea zusammengetriebenen Juden, bei der die Hälfte seiner Familie getötet wurde, kannte M. nicht. [...] |
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Imre Török
Akazienskizze
Neue und alte Geschichten – Phantasieflüge
Pop Verlag, 2009
ISBN:978-3-937139-69-2
Preis: Euro 14.80
Bezug: Buchhandel |
Dem Leser blättert sich eine Auswahl von ungefähr fünfzig Erzählungen, Kurzgeschichten und »Prosagedichten« auf. Zum Teil kennt er einige der Erzählungen und Miniaturen schon aus Töröks anderen Büchern, doch ein guter Teil war bisher noch unveröffentlicht. Die Kritik rühmt ihn als »Meister verschiedener Tonlagen«, dem »Sprache Lebenselixier« ist. Und tatsächlich, die bereits bekannten Stücke lesen sich in der neuen Zusammenstellung wieder frisch, spannend und unverbraucht.
Seine Phantasieflüge reichen bis zu den Sternen, von der Erde zum Himmel, sie schließen staunende und »philosophierende « Ameisen und Glühwürmchen mit ein. Die Geschichten erzählen von Begegnungen in der Heimat und in der Fremde. Viele handeln vom Fremdsein, ein Thema, mit dem Török gut umgehen kann; denn er kam selbst als 14jähriger Flüchtling mit seiner Familie aus Ungarn.
Seine Wortspiele und Doppeldeutigkeiten sind leise-humorvoll und pointiert (z.B. »Über Herrn Fantas Tisch«). Er hat viel Nachdenkenswertes zu sagen, trägt dabei nie dick auf, wenn er dem Leser einiges zum Thema Minderheit und Fremde, Vorurteile ins Herz schreibt. [...] |
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Szilárd Rubin
Kurze Geschichte von der ewigen Liebe
Roman
Aus dem Ungarischen von Andrea Ikker
Verlag : Rowohlt, 2009
ISBN: 978-3-87134-631-6
Originaltitel: Csirkejáték, 1963
Bezug: Buchhandel, 17,90 Euro |
Rubins Beziehungsdrama, das 1963 in Ungarn erschien, heißt im Originaltitel »Hühnchenspiel«. Damit bezieht sich der Autor auf das Lebensgefühl seines Protagonisten Attila Angyal, genannt Till, der sich einem Freund gegenüber äußert: In den USA gäbe es das Spiel »Chicken Run«, bei dem es darauf ankomme, so lange vor dem heranbrausenden Zug auf den Gleisen zu bleiben, wie möglich. Aber auch der deutsche Titel »Kurze Geschichte von der ewigen Liebe« ist beziehungsreich: Die Liebe soll ewig dauern, doch die Geschichte ist kurz, schlägt sie doch sehr bald in Obsession auf der einen und in Ablehnung auf der anderen Seite um.
Im Klappentext des Verlages heißt es »sie lieben und sie hassen sich. Und können doch nicht voneinander lassen«. Ein junges Paar, kurz nach dem 2. Weltkrieg im Dreieck Pécs, Mohács, Szekszárd. In Budapest wird zwar studiert, aber das eigentliche Leben spielt sich im geliebten Südungarn ab. Rubin lässt seinen Roman über den Zeitraum von 30 Jahren spielen, bis zum Jahre 1976, wobei der Autor bis in die Zukunft vorausgreift. Vor dem angedeuteten geschichtlich-politischen Hintergrund, Ende des 2. Weltkrieges, Vertreibung oder Enteignung der Ungarndeutschen, Machtergreifung der Kommunisten und die folgende Desillusionierung der Menschen, besonders der jungen Studenten, führt uns Rubin ein zwischenmenschliches Drama um Liebe, Macht und Unterwürfigkeit vor Augen, wie es moderner nicht sein könnte:
Der junge, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Student und Icherzähler Attila hat sich unsterblich in die schöne Orsolya Carletter verliebt. [...] |
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Lena Heimhilger
Ich verliere mich...
... sagt sie eines Tages zu Sr. Sabine im Pflegeheim
Geschichte meiner Mutter Magdalena – Leni
Novum Verlag Neckenmarkt 2008
ISBN 978-3-85022-173-3
142 Seiten, 15,50 Euro
Bezug: Buchhandel |
Das Buch schildert das Verschwinden einer Frau in der Demenz. Auf zwei Ebenen erfahren wir die Lebensgeschichte dieser Frau. Die Tochter beschreibt das Leben im Heim und die Symptome der fortschreitenden Demenzerkrankung der Mutter. Diese Altersgegenwart der Mutter ist durchsetzt mit Erinnerungen an das frühere Leben. So erfahren wir die Lebensgeschichte dieser Frau. Diese Passagen sind in der Ichform verfasst. Sie basieren auf den Lebenserinnerungen, die die Mutter vor einigen Jahren niederschrieb.
Dass die Hauptperson aus Ungarn stammt, genauer gesagt aus der südlich von Szeged gelegenen kleinen Gemeinde Neu St. Iwan (Újszentiván), macht das Buch auch für die ungarndeutsche Leserschaft interessant. So wird ausführlich das Leben in der kleinen Gemeinde beschrieben. Flucht und Vertreibung ergeben einen tiefen Einschnitt im Leben der Familie. Mit Anfang und Eingliederung in Innzell in Oberbayern erfahren wir schließlich viele Details über das Leben einer ungarndeutschen Familie nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland. Auch hier verläuft der Weg nicht reibungslos, als der Vater durch einen schweren Unfall mit 34 Jahren zum Frührentner wird. [...] |
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Peter Meleghy
Ungarn entdecken
Unterwegs zwischen Plattensee, Donau und Karpaten
Trescher-Reihe Reisen
1. Auflage Tescher Verlag Berlin 2007
ISBN 978-3-89794-092-5
461 Seiten, zahlreiche Illustrationen
Bezug Buchhandel |
Einen schönen Reiseführer zu Ungarn hat kürzlich Peter Meleghy verfasst. Ausführlich geht er in den einleitenden Kapiteln auf die Geschichte Ungarns und die Besonderheiten des Landes ein. Dabei liegt ein Schwerpunkt in der Kulturgeschichte. Aber auch Essen und Wein werden gewürdigt und es sind sogar noch einige typische ungarische Rezepte eingefügt. Neben bekannten Dingen greift er auch einige Details heraus, die nicht überall zu lesen sind. So findet man interessante Informationen über Bräuche, darunter traditionelle Hochzeitsbräuche, die Badekultur, das Geheimnis der ungarischen Fischsuppe, die ungarischen Spezialitäten Zwiebel und Paprika und die bürgerliche Kultur in der Zeit um 1900.
Der eigentliche Führer ist regional gegliedert: Westungarn, Budapest, Tiefebene und Nordungarn. Der Schwerpunkt der Sehenswürdigkeiten liegt in den Städten. Diese bilden die Untergliederung des Führers. Allerdings werden auch die Nationalparks mit ihren landschaftlichen Schönheiten hervorgehoben. Natürlich wird auch auf die Hauptstadt eingegangen. Ein recht ausführliches Kapitel ist Budapest gewidmet. Im Bereich Westungarn liegt der Schwerpunkt auf den bekannten Städten. Ausführlich wird auch der Bereich um den Plattensee (Balaton) beschrieben. [...] |
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Ernö Szép
Die Liebe am Nachmittag
Roman
Aus dem Ungarischen von Ernö Zeltner
Deutscher Taschenbuch Verlag 2008
ISBN: 978-3-423-24688-0
Originaltitel: Ádámcsutka, 1935
Bezug: Buchhandel Preis: 14,90 Euro |
Heute würde man sagen: Ein Mann befindet sich in der Midlife-Crisis. Mihály, Journalist, Feuilletonist, Stücke-Schreiber, Kritiker, aber vor allem Lebenskünstler, ist gerade 46 geworden. Er erschrickt über die ersten grauen Haare, einige Falten, den kleinen Bauchansatz, Müdigkeit und Melancholie. Ewig steckt er in Geldsorgen, denn ehrgeizig und zielstrebig ist er nicht, arbeitet nur so viel, dass er gerade über die Runden kommt. Und wenn er wirklich einmal ein Stück am Theater unterbringen kann, werden seine Tantiemen gnadenlos von seinen Gläubigern, Schneider, Hutmacher, Tippfräulein und anderen, gepfändet. Dazu kommen noch seine Probleme mit den Frauen. Er, ein Charmeur alter Schule, liebt die Frauen, das heißt, er würde sie gerne lieben – und von ihnen wieder geliebt werden, doch sie schenken ihm immer nur den Nachmittag, betrügen ihre ungeliebten Männer, suchen ein Abenteuer mit dem weltgewandten, eleganten Mann. [...] |
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Géza Gárdonyi
Idas Scheinehe
Roman
Aus dem Ungarischen von Clemens Prinz
Kortina Verlag 2008
ISBN: 978-3-9502315-5-7
Originaltitel: Ida regénye
Bezug: Buchhandel Preis: 19,90 Euro |
Der junge Maler Csaba Balogh überlässt seiner Schwester Jolán nach dem Tod der Eltern sein Erbe. Er hofft, von den Zinsen des Gutes weiterstudieren – und ein berühmter und fähiger Maler werden zu können. Doch es kommt anders. Jolán heiratet den Sekretär des Dorfnotars, der sich als notorischer Spieler entpuppt und mit seinen Schulden die Familie dem Abgrund zutreibt. Csaba überlässt der Schwester alles, was er hat, ist völlig mittellos und muss sich als Zeitungsschreiber durchs Leben schlagen. Als ihn die Nachricht erreicht, dass das Gut gepfändet wird, wenn nicht binnen kurzer Zeit die Spielschulden des Schwagers bezahlt seien, erfährt er von einem kuriosen Inserat, in dem ein Vater für seine Tochter einen Ehemann sucht und 300 000 Kronen in bar als Mitgift bietet. Csaba ringt lange mit sich, doch in seiner Verzweiflung antwortet er schließlich auf die Annonce. Einige Zeit später macht sich Péter Ó, der Vater, Weingroßhändler in Budapest, mit ihm bekannt, räumt alle Bedenken aus, dass seine Tochter etwa alt, hässlich oder krank sein könne und möchte nur so bald als möglich die Hochzeit anberaumen. Unterdessen erfährt der Leser von Kindheit und Jugend der jungen 19jährigen Ida. [...]
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László Márton
Das Versteck der
Minerva
Roman
Aus dem Ungarischen von Eva Zádor & Wilhelm Droste
Verlag: Folio Verlag
ISBN: 978-3-85256-445-6
Originaltitel: Minerva búvóhelye
Bezug: Buchhandel Preis: 22,50 Euro |
| Der Leser unternimmt mit dem Autor eine Donaufahrt, von Passau nach Linz. Unterwegs erzählt Márton über die Landschaft und den Geschichten, die in ihr spielten. Nach Linz war »160 Jahren vor unserer Reise«, also in den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts ein ungarischer Freiheitsdichter verbannt worden. Erzählfreudig, barock und überaus farbig berichtet der Autor vom tragisch gescheiterten Leben eines einstmals aufrührerischen Schriftstellers, des Ungarn Johann B., vormals B. János. Einmal wird sein ganzer Name genannt, János Bacsany – und ein Blick ins Geschichtsbuch zeigt, dass es einen Dichter Batsányi tatsächlich gegeben hat, so wie seine Ehefrau, Gabriele Baumberg, Gabriele B. Das ist das besonders Reizvolle und Spannende an dieser temperamentvoll geschilderten Biografie einiger Stunden im letzten Lebensjahr dieses Mannes: Fast alle genannten Personen gab es wirklich, den eisenharten Polizeipräsidenten Josef Graf Sedlnitzky, für den eigentlich jedermann erst einmal verdächtig ist, Fürst M., Metternich der mit Zensur und Spitzeldiensten versucht das Reich wieder zu restaurieren, den oberösterreichischen Landeshauptmann Baron Hingenau und andere Figuren dieses Romans. [...] |
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István Csupor
Erdély népi
kerámiamüvészete
Volkskeramik Siebenbürgens
Novella kiadó 2008. (A kárpát-medence
kerámiamüveszete; 1)
ISBN 978-9-63944-232-0
Bezug: ungarischer Buchhandel |
| Nach mehrjähriger Arbeit und Kooperation von Dutzenden öffentlicher und privater Sammlungen aus Ungarn, Deutschland sowie Rumänien ist ein prachtvoller dreisprachiger Bildband über die Volkskeramik Siebenbürgens erschienen. Die etwa 600, meistens ganzseitigen farbigen Fotos zeigen zum größten Teil noch nie ausgestellte oder publizierte Objekte. Der Sammler aus der Bundesrepublik Deutschland, Kurt Liehn, hat außer seiner Kollektion auch seine exzellenten Fachkenntnisse zur Verfügung gestellt. Die deutsche Übersetzung stammt von Folke Molnár. Redakteur des Buches ist der Ingenieur Ferenc Vörösváry, der seit dreieinhalb Jahrzehnten selbst begeisterter Keramiksammler ist. Der Budapester Galerist Tamás Kieselbach gehört auch zu den Sponsoren des Projektes. In der typisch großbürgerlichen Sammlung von Gyula Wolfner befanden sich neben zahlreichen Bildern Hunderte von ethnographischen Objekten, darunter eine reiche Auswahl an Keramiken aus Siebenbürgen. Und es kein Zufall, dass heutzutage in der berühmten Wiener Sammlung Leopold und in der Kollektion der deutschen Expressionisten von Buchheim volkstümliche Fayencen aus ungarischen Gebieten eine bedeutende Rolle spielen. [...] |
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Johann Weidlein
Deutsche und Ungarn
Höhen und Tiefen einer Partnerschaft
Neuauflage, hrsg. von Gerda Weidlein. Verlag der donauschwäbischen Kulturstiftung. München 2006.
ISBN 3-926276-65-7
281 Seiten, Ill., € 20,– (zzgl. Versand)
Bezug: Gerda M. Weidlein, Mönchsbrückenweg 16, 73614 Schorndorf,
Tel. 07181/24317
E-Mail: g.weidlein@gmx.de |
Umfangreich ist die Liste der Publikationen Dr. Johann Weidleins. Neben der wissenschaftlichen Diskussion war ihm vor allem die Information eines breiten Publikums ein wichtiges Anliegen. Zahlreiche Aufsätze in Zeitungen und Zeitschriften künden ebenso von einem fleißigen Publikationswesen wie eine Unzahl wissenschaftlicher Studien von seinem Forscherdrang. Schon zu Lebzeiten wurden viele dieser Texte in den beiden Bänden »Pannonica« (1979) und »Hungaro Suebica« (1981) zusammengefasst, die natürlich längst vergriffen sind. Weidlein scheute weder Kosten noch Mühen für seine Veröffentlichungen. Viele seiner Bände, die auch heute noch wichtige Grundlagenliteratur darstellen, sind im Selbstverlag erschienen.
Ein Jubiläum ihres Vaters, der im Oktober 2005 seinen hundertsten Geburtstag hätte feiern können, hat Gerda Weidlein nun zum Anlass genommen mehr als 50 Aufsätze in einem neuen Band nochmals zu veröffentlichen. Die Bezeichnung »Neuauflage« mag irreführend sein. Es handelt sich tatsächlich um eine völlig neue Zusammenstellung von Texten Weidleins. Dass diese Texte so der Vergessenheit entrissen werden und mit der Neuveröffentlichung wieder präsent werden, ist äußerst löblich. Schließlich waren die Texte in den letzten Jahren schwer zugänglich. [...] |
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