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Titelthema

Das Lager in Lendl (Lengyel) – Mensch, wo ist deine Menschlichkeit?

Gedenken an die schweren Zeiten der Ungarndeutschen vom Talboden vor 70 Jahren
Gedenkveranstaltung zu m Lager Lendl (Lengyel)
Foto: Susanna Lohn
Internierungslager, Getto, Konzentrationslager – Begriffe, die einem im Zusammenhang mit den Ungarndeutschen auch heute noch nicht unbedingt einfallen. Es sei denn, dass einem in seiner Kindheit Anfang der 60-er Jahre die Oma abends, wenn das Licht schon ausgeschaltet war, »wahre Geschichten aus dem Leben« erzählte. Da kam schon hie und da mal der Ausdruck »Internierungslager im Lendler Schoss« vor. So hörte ich auch über einige Grausamkeiten, die dort vorgefallen waren. Tagsüber verblassten aber diese Geschichten, als würden sie gar nicht existieren. Später blieben sie gänzlich weg, wir hatten ja immer mehr zu lernen. Den Ausdruck hörte ich immer seltener, in den Geschichtsstunden schon gar nicht. Begriffe, Ausdrücke und Epochen aus der Geschichte der Ungarndeutschen, die bis vor einigen Jahren praktisch totgeschwiegen wurden.

Nach der Wende hörte man dann schon ab und zu über Grausamkeiten, von denen die »Schwaben« ungarnweit betroffen waren, wie z. B. die Zwangsarbeit Malenkijrobot, oder die Vertreibung. Die regionalen Ereignisse, wie sie in Lendl (Lengyel) vorkamen, sind nur wenigen bekannt. Vor 70 Jahren wurde hier im Schloss Apponyi um den 20. April eine Sammelstelle, ein Internierungslager eröffnet, in dem die Deutschen aus der Region Talboden (Völgység) – also aus der Umgebung von Bonnhard – eingekerkert wurden.

Dieses Ereignisses gedachte man am 25. April. Die Feier begann mit einer Messe in der katholischen Kirche von Lendl, zelebriert von Bischof i.R. Michael Mayer (zwischen 1989 und 2011 Bischof zu Fünfkirchen). Er erwähnte, dass von der »Erlebnisgeneration« die meisten heute nicht mehr leben. Sicherlich haben von den Internierten mehrere ihrerzeits die Frage gestellt, ob Gott wohl gestorben sei, dass er so etwas zuließ. Als Antwort zitierte er einen weisen Rabbiner: Die Fragestellung sei nicht richtig, bzw. die Fragen zu stellen ist nicht der Mensch, sondern Gott berechtigt, der fragt: »Wo bist du, Adam?«. Wo bist du Mensch? Mensch, wo ist deine Menschlichkeit? Es sei nicht richtig, dass die Menschen Gott ähnlich sein wollen. Dies führe zu nichts Gutem, sogar zu Feindlichkeit und Hass zwischen den Volksgruppen – wie in jenen Jahren. Schließlich betonte der Bischof, die Menschen hätten die Zeit im Getto in Lendl überlebt, weil Gott mit ihnen war.

Der Gedenkmesse folgte ein Vortrag des jungen Historikers Dr. Gábor Gonda (mütterlicherseits auch Ungarndeutscher). Er brachte eine Zusammenfassung der tragischen Ereignisse jener Tage und Wochen, und erläuterte vieles aus Aspekten, die bisher vielleicht noch nie ausgesprochen wurden. So hörten die Anwesenden u.a. darüber, dass die Friedensverträge nach dem Zweiten Weltkrieg die Schaffung von Nationalstaaten als Priorität betrachteten, sogar auch durch Zwangsmigration. Die Siegermächte seien sich bereits 1944–1945 in der Aussiedlung der Deutschen einig gewesen.

Dr. Gonda sprach weiterhin auch über die Rolle des siebenbürgischen Juristen György Bodor. Dieser kam im Frühjahr 1945 mit dem Auftrag nach Bonnhard, die verstreut lebenden Szekler in einem kompakten Block anzusiedeln. (Die Szekler aus der Bukowina mussten auch aus der Batschka flüchten, wo sie vorübergehend lebten.) Um seinen Auftrag reibungslos realisieren zu können, ließ Bodor – noch bevor er in Bonnhard angekommen war – im Schloss von Lendl ein Internierungslager einrichten. Dieses funktionierte bis Ende Juni, und hier wurden in den 2,5 Monaten 15.000 bis 20.000 Deutsche aus dem Bezirk Talboden (und 4–5 weiteren Ortschaften) unter menschenunwürdigen Umständen zusammengepfercht. Gleichzeitig waren es 1.200–2.000 Personen. [...]
Susanna Lohn
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