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Das Essen auf dem Heideboden

Auf dem Heideboden wurde dunkles Brot gegessen

Auf dem Heideboden wurde dunkles Brot gegessen
Bei der Ernte in Zanegg (Mosonszolnok) auf dem Heideboden: Dreschen und eine wohlverdiente Stärkung
Gretel Weisz
Das Essen in den deutschen Orten des Heidebodens vor 1946 unterschied sich wesentlich von den ungarischen Dörfern. Brot war das wichtigste Nahrungsmittel am Heideboden. Es war auch zu jeder Mahlzeit auf dem Tisch. Die entsprechende Bitte des Vaterunsers um »das tägliche Brot« traf noch wortwörtlich zu. Brot wurde schon zum Frühstück in Milch oder Kaffee eingebröckelt, zu Fleischwaren, Gemüse, Käse, auch zu Obst gegessen, auf »Schnitzel« (Brotscheiben) wurde Schmalz, Butter oder »Leckwar« (Marmelade) gestrichen. Wenn nichts anderes dazu da war, schmeckte es auch ohne Aufstrich gut. Die süßlich schmeckende Rinde wurde nach der weichen »Schmulln« (Krume) gegessen.

In den deutschen Dörfern um Wieselburg aß man schwarzes Brot, Roggenbrot oder aus »Troad«. Roggenmehl war das wichtigste Getreide auf dem ganzen Heideboden. Sinnigerweise wurde Getreide in der Mundart das »Treide« genannt.

Zu Großmutters Zeiten wurde der Brotteig zuhause gemacht. Die Ahnl hat auch den Backofen im Haus benutzt. Das »Ura« (Sauerteig) wurde bis in die Zeit der Vertreibung statt Germ (Hefe) von einem mal zum anderen mal vom Teig abgezwackt und in einem Teller auf einem kühlen Patz gehalten. Das Wort »Urer« ist ein altdeutsches Wort, ein Urheber des Vorganges Gehren. Das saftigere Schwarzbrot war für den Heideboden das geeignetere Brot, da es langsamer austrocknete. Das war günstig, weil wegen der großen Markungsfläche die auf dem Felde Arbeitenden den ganzen Tag nicht nach Hause kamen. Sie verzehrten auf dem Feld ihr Brot mit Zutaten wie Käse, Speck oder Topfen oder auch mal Geselchtes (Rauchfleisch).

Im Gegensatz dazu aßen die Leute in der »Schütt« (der Schüttinsel hinter der kleinen oder Wieselburger Donau) Weißbrot, das vielleicht frisch feiner schmeckte, aber rasch austrocknete. Allerdings nahmen sie nicht für den ganzen Tag Brot mit auf das Feld, denn bei ihnen wurde zu Mittag eine Pause eingelegt, auch im Schnitt (Ernte), so zwei Stunden, und da aßen sie zu Mittag daheim.

Bei den Heidebauern war – außer in der Erntezeit und bei der Heuarbeit, wo ausnahmsweise warmes Essen auf das Feld gebracht wurde – die Hauptmahlzeit das Nachtmahl (Abendessen). Jause und Mittagsmahl waren kalt. Die Zanegger nahmen es im Brotsack für den ganzen Tag mit. »Möchst a Hasenbrot?« fragte der Vater am Abend uns Kinder, und er holte die übriggebliebenen »Randftel« (Randstück) aus dem Brotsackl heraus, überreichte es, und wir schnappten danach. Es war noch zu kauen und es schmeckte gut, wegen seines besonderen Namens. Manche erzählten den Kindern, der Hase hätte es übrig gelassen.

Wie das Brot so waren auch die warmen Hauptmahlzeiten einfach, etwas derb, der Natur der Menschen und ihrer Arbeit angepasst. Ihr Inhalt war kalorienreich, fett und sättigend, so wie es die schwere Arbeit dem Körper abverlangte. Schwarzes Brot, Geselchtes (Rauchfleisch), Speck, gesottene Strudel, Semmelknödel, »Geschmalzenes« (in Schmalz geröstete Nudeln oder andere Mehlspeise) und gebackene Strudeln waren die reichhaltigen Kalorienlieferanten, die der Körper bei schwerster bäuerlicher Arbeit brauchte. Seit altersher kamen diese häufigsten Speisen aus den Erzeugnissen der eigenen Landwirtschaft. Gekauft wurde nur Gewürze. Eigenes Getreide gab das Mehl für das Brot, die Mehlspeisen und das Gebäck; selbstgemästete Schweine lieferten Fleischwaren und Fett; die Kühe gaben die Milch zum Direktverbrauch oder zur Zubereitung von Topfen und Butter; im Hühnerstall musste man nur die Eier holen, frischest zum Kuchenbacken oder für die schnell zubereitete Eierspeise oder zum Kochen. Im Frühsommer lieferten die überzähligen Junghähne genüssliche Suppen und zartes Fleisch. Nur das Rindfleisch holte man beim Fleischhacker nebenan. Das Schlachtvieh stammte allerdings meistens auch aus irgendeinem Stall des Dorfes.

Auf Salat und ähnliche Vitaminlieferanten wurde wenig Wert gelegt. Kennzeichnend hierfür ist der Spruch: »Vom Grünfutter werden die Rösser schnell müde – und der Bauer noch schneller!« Kraut war der einzige Vitaminlieferant in früheren Zeiten. Die Flurnamen Krautgart-Äcker (Krautgarten) und die Krautäcker auf alten Hotterkarten geben davon Zeugnis. Vor 1946 wurde wohl kein Kraut mehr im Großen gepflanzt. Doch die Krautfässer standen noch in jedem Haus und Sauerkraut wurde häufig gegessen. Das nötige Kraut wurde in der Schütt gekauft. Es selber anzupflanzen war unrentabel und zeitaufwendig. Kartoffel und Bohnen wurden in den Pusten oder in den »Zollaschen« hinter den Häusern gepflanzt und häufig für Suppen oder Zuspeisen (Gemüse) verwendet. In den letzten Jahrzehnten vor der Vertreibung wurde das Angebot an frischem Gemüse, an Tomaten, Paprika und Obst durch das Angebot der durch das Dorf fahrenden Händler immer reichlicher. Auch in den Hausgärten wurde allmählich mehr Grünzeug und Gemüse angebaut.

Im Ortsbereich gewachsenes Obst in größeren Mengen lieferten nur die Kirschbäume entlang der Halbturner- und der Sankt-Johannser Straße. Die Kirschen wurden jährlich an die Bevölkerung versteigert. Halbreife Kukurutz-Kolben in Salzwasser gekocht oder auf Glut gebraten, waren eine beliebte Spezialität für Jung und Alt.

Die Mahlzeiten, besonders das Mittagsmahl am Sonntag und das Nachtmahl an Arbeitstagen (am »Alletag«), dienten nicht nur der Ernährung des Leibes, sondern sie waren auch die Zeit der Gemeinschaft. Die ganze Familie saß beim großen Tisch, einschließlich der Knechte. Die Kleinkinder saßen nur abseits beim Kindertischl. In früheren Zeiten sollen bei den größten Bauern die Knechte und Mägde an einem besonderen Tisch gespeist haben, wobei auch der Platzmangel eine Rolle spielte, als sie sich noch mehrere Bedienstete leisten konnten. Rezepte findet man im Buch »Zanegger Rezepte und vieles mehr«.
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