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Theologe, Psychotherapeut und Heimatforscher

Pater Martin Anton Jelli OSB feierte seinen 90. Geburtstag
Pater Martin Anton Jelli beim Schambeker Kiritog 2011 in Nattheim zwischen Bürgermeister Norbert Bereska und Exbürgermeister Walter Henle und zwei Schambekerinnen in Tracht
Foto: Klaus J. Loderer
Es ist immer wieder ein Vergnügen in dem in mehreren Bänden erschienenen Heimatbuch von Schambek (Zsámbék) zu blättern, das eine interessante Quelle zur ungarndeutschen Geschichte und Kulturgeschichte, zu Brauchtum und Lebensverhältnissen ist. Der fleißige Forscher war Pater Martin Anton Jelli OSB, der in vieljähriger Recherche das Material zusammengesucht, die Geschichte seiner Heimatgemeinde erforscht und die Texte verfasst hat. Auch im Jahrbuch Unser Hauskalender erschienen immer wieder Aufsätze von ihm über Schambek. Auch wenn Pater Martin aus gesundheitlichen Gründen inzwischen nicht mehr an den zentralen Veranstaltungen der Ungarndeutschen, bei denen er über viele Jahre und Jahrzehnte eine feste Größe war, so ist sein 90. Geburtstag doch ein schöner Anlass an diese wichtige Persönlichkeit der Ungarndeutschen zu erinnern. Ich erinnere mich immer noch gerne an seine mäßigenden Einwürfe bei manchen Sitzungen der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn oder bei der Kulturtagung in Gerlingen, wenn die Emotionen mal wieder hochkochten.

Auch für organisatorische Dinge war er sich nicht zu schade. Er ist der Gründungsvorsitzende des Schambeker Heimatvereins. Und auch in der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn war er über Jahrzehnten aktiv. So war er 1994 zwei Jahre lang Landesvorsitzender der LDU in Baden-Württemberg. Auch bei der Heimatzeitung Unsere Post gehörte er viele Jahre dem Redaktionsbeirat an.

Geboren wurde Martin Anton Jelli am 2. Januar 1930 in der schmucken Gemeinde Schambek im Ofner Bergland. Von der eindrucksvollen Ruine einer mittelalterlichen Prämonstratenserkirche überragt, schmiegt sich der Ort zwischen die Weinberge, die Siedlungsausläufer gingen schon damals in das fruchtbare Tal über. Nicht lange war diese Umgebung tatsächlich präsent, doch prägte sie ihn doch irgendwie für das Leben. Im April 1946 wurde die Familie aus Schambek vertrieben. In Niederstotzingen im Kreis Heidenheim an der Brenz fand die Familie eine erste Aufnahme. Nicht einfach war es für den begabten jungen Mann im unbekannten Deutschland. Wie viele junge Ungarndeutsche wurde er aus der Schule herausgerissen und musste sich nun hier in einem neuen Schulsystem zurechtfinden. Er konnte in Dillingen das Gymnasium besuchen und dort Abitur machen. Da er sich der Seelsorge widmen wollte, trat er in der Abtei Neresheim 1951 in den Benediktinerorden ein und nahm den Ordensnamen Martin an. An der Ordenshochschule bei Kloster Beuron studierte er Theologie und Philosophie. 1957 wurde er zum Priester geweiht und wurde dann mit Aufgaben im Kloster und in der Seelsorge betreut. Doch wollte er tiefer in die menschliche Psyche einsteigen. So machte er ab 1965 eine Ausbildung zum Psychotherapeuten. In Stuttgart hatte er dann bis 1993 eine eigene Praxis für Psychotherapie und war Dozent an der Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie und Psychotherapie. Dann konzentrierte er seine Arbeit wieder auf die Abtei Neresheim, wo er inzwischen zum Subprior aufstieg. Am 5. August 2007 feierte er mit einer festlichen Messe in der Abtei sein goldenes Priesterjubiläum.

Den Ungarndeutschen war er schon früh als geistlicher Beistand bekannt. Viele Jahre begleitete er die von Dr. Ludwig Leber und der Caritas-Flüchtlingshilfe organisierten Wallfahrten nach Mariazell. Dazu kamen zahlreiche Gottesdienste bei ungarndeutschen Heimattreffen und Kirchweihfesten. Nicht zu vergessen sind die besinnlichen Worte, mit denen er regelmäßig die Dezember-Ausgabe der Heimatzeitung Unsere Post einleitet. Kritisch mahnt er immer wieder zur Einkehr. Mehrmals hat er die Monatsbilder im Hauskalender mit interessanten Texten versehen, etwa 1988 über die Volkstrachten. Mit zahlreichen Vorträgen trug er zur Vermittlung ungarndeutscher Themen bei, darunter auch bei hochrangigen Veranstaltungen wie der Kulturtagung in Gerlingen und am Ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart.

Sein Interesse für seinen Heimatort blieb immer bestehen. Heimatverein und Heimatbücher wurden schon genannt. Dazu gehört auch sein Einsatz für den Heimatort. Dass die barocke Kirche in Schambek mit ihrer bemerkenswerten Ausstattung ein Kleinod sakraler Kunst ist, erkannte er früh. So war es für ihn selbstverständlich die Heimatkirche zu unterstützen. Vielfach vermittelte er finanzielle Hilfe für die Pfarrei. Der Heimatort Schambek würdigte seine Verdienste 2002 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Am 2. Januar konnte er seinen 90. Geburtstag feiern.

Klaus J. Loderer
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