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Berichte aus Ungarn

Corona-Virus in Ungarn
Mit einer zeitlichen Verzögerung nach Italien, Österreich und Deutschland breitete sich auch in Ungarn das Corona-Virus aus. Ende März stiegen die Zahlen der Infektionen an. Am 28. März wurden 343 Fälle gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt waren elf Menschen an der Virusinfektion gestorben. 87 Menschen befanden sich unter Quarantäne im Krankenhaus. 10.303 Testproben hatten Ärzte entnommen.

Warnhinweise
Informationen der deutschen Botschaft
Zur aktuellen Lage in Ungarn wandte sich der deutsche Botschafter in Budapest, Volkmar Wenzel, am 20. März mit einem Schreiben an die deutschen Staatsbürger: »In Ungarn wird mit einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen gerechnet. Bereits jetzt kommt es in Ungarn zu deutlichen Einschränkungen im täglichen Leben. Gaststättenbetriebe und Ladengeschäfte schließen um 15 Uhr, kulturelle Einrichtungen bleiben vollständig geschlossen. Ungarische Stellen bewerten die Lage täglich neu und werden ihre Maßnahmen weiter anpassen. Seitdem Ungarn Einreisebeschränkungen verhängt hat, werden viele Personen, die nicht die ungarische Staatsangehörigkeit haben, an den Grenzübergängen zurückgewiesen. Davon sind leider auch Personen betroffen, die Ungarn seit langem ihre Heimat nennen, hier leben und arbeiten. Wir setzen uns gemeinsam mit den Botschaften unserer EU-Partner gegenüber den ungarischen Behörden dafür ein, dass eine schnelle und verbindliche Lösung für die Wiedereinreise von Bürgern des Europäischen Wirtschaftsraumes (alle EU-Mitgliedsstaaten plus Island, Lichtenstein und Norwegen) gefunden wird. Aber nicht nur Deutsche mit Wohnsitz in Ungarn stehen vor Problemen. Viele unserer Landsleute, die nach Deutschland zurückkehren möchten, sitzen in Rumänien und Serbien fest, weil Ungarn seine Grenzen für Transitreisen geschlossen hat. Auch zu dieser Frage stehen wir in Kontakt mit den ungarischen Behörden und fordern eine schnelle Lösung.« Aktuelle Informationen finden sich auf der Homepage der deutschen Botschaft.
Infos: www.budapest.diplo.de

Botschaft geschlossen
Das Konsularreferat der deutschen Botschaft in Budapest ist seit dem 17. März bis auf weiteres für den normalen Besucherverkehr geschlossen. Es können keine Termine über das Online-Terminvergabesystem vereinbart werden. Alle bereits vereinbarten Termine werden storniert.
Die Vereinbarung von Ausnahmeterminen für Fragen der Beglaubigung, Bescheinigungen, Beurkundung, Geburtsanzeigen und Namenserklärungen, Staatsangehörigkeit oder Visa (sowohl Beantragung als auch Abholung) ist nicht möglich.
Personen, die ausschließlich die deutsche Staatsangehörigkeit haben und deren deutscher Reisepass und Personalausweis in den nächsten zwei Monaten ungültig wird oder bereits ungültig ist, werden gebeten sich per E-Mail mit dem Konsularreferat in Verbindung zu setzen und ihrer E-Mail eine Kopie ihres Passes oder Personalausweises sowie ihre ungarischen Aufenthaltskarte für EWR-Bürger beizufügen.
Die Botschaft informiert über ihre Website, sobald eine erneute Terminvereinbarung möglich ist.

Ein- und Ausreise stark eingeschränkt
Ungarn hat die Einreisemöglichkeit im März stark eingeschränkt. Das Land lässt die Einreise nur für ungarische Staatsangehörige und EWR-Bürger zu, wenn diese ihren dauerhaften Aufenthalt in Ungarn durch Vorlage einer der folgenden Karten nachweisen können: Daueraufenthaltskarte (állandó tartózkodási kártya), EWR-Registrierungskarte (regisztrációs igazolás EGTállampolgár részére) oder Wohnsitzkarte (Lakcímkártya).
Eine Beantragung dieser Karten ist nur für Personen möglich, die sich in Ungarn aufhalten. Die Karten können nach derzeitigem Kenntnisstand nicht durch die Vorlage anderer Dokumente wie Mietverträge oder Bestätigungen der Universität ersetzt werden.
Reisende aus Italien, China, Südkorea, Iran und Israel unterliegen unabhängig ihrer Staatsangehörigkeit einem voll ständigen Einreiseverbot, von dem lediglich ungarische Staatsangehörige ausgenommen sind.
Wer nach Ungarn einreist, ist verpflichtet, sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen zu lassen. Unabhängig vom Vorliegen bestimmter Symptome und vom Herkunftsland sind Einreisende zumindest dazu verpflichtet, sich in eine 14-tägige häusliche Quarantäne zu begeben.
Die Ausreise aus Ungarn unterliegt keinen rechtlichen Beschränkungen, ist auf Grund der Einreisebestimmungen der Nachbarländer Ungarns und weitgehender Einstellung öffentlicher Verkehrsmittel (Bus und Bahn) faktisch jedoch nur eingeschränkt möglich.
Der Flughafen Budapest ist für ein- und ausgehenden Flugverkehr geöffnet, jedoch werden zahlreiche Flugverbindungen eingestellt und Flüge gestrichen. Flughafentransit über den Flughafen Budapest ist grundsätzlich möglich. Allerdings müssen Reisende beachten, dass sie nicht berechtigt sind, den Transitbereich zu verlassen. Sollten sie den Anschlussflug nicht antreten können, werden die Reisenden bis zur nächstmöglichen Fluggelegenheit im polizeilich überwachten Transitbereich festgehalten.
Auf dem Landweg können deutsche Staatsangehörige im Individualverkehr weiterhin über Österreich im Transit ohne Zwischenstopp nach Deutschland ausreisen. Transitreisen auf dem Landweg durch Ungarn sind derzeit nicht möglich.
Die deutsche Botschaft Budapest ist in Zusammenarbeit mit den deutschen Auslandsvertretungen in Rumänien und der Ukraine aber bemüht, deutschen Staatsangehörigen, die nach Deutschland zurückkehren möchten, eine Ausreise auf dem Landweg im Transit über Ungarn zu ermöglichen. Allerdings kann die Botschaft nicht garantieren, dass dies erfolgreich sein wird.
Festsitzende Deutsche in der Ukraine werden gebeten, diesbezüglich die Hinweise der Botschaft Kiew (im Abschnitt Ausreise aus der Ukraine ) zu beachten. Festsitzende Deutsche in Rumänien werden gebeten, sich per E-Mail mit Kopie Ihres Personalausweises (beidseitig) oder Reisepasses mit Datenseite und Seite des Wohnsitzes in Deutschland aller Reisenden und Telefonnummer an das deutsche Konsulat Temeswar oder Hermannstadt zu wenden.

Erste Maßnahmen
In Ungarn ging die Regierung verschiedene Maßnahmen an, um die Ausbreitung des Corona-Virus’ einzudämmen. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen galt seit dem 8. März ein Besuchsverbot.
Ab dem 11. März galt in Ungarn eine nationale Gefahrenlage, die der Regierung erlaubte, außerordentliche Maßnahmen einzuführen und Gesetze auszusetzen. So wurden Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen (z. B. Kinos, Theater, Museen, Musik- und Tanzveranstaltungen, Bibliotheken) geschlossen. Der Unterricht an Schulen und Universitäten wurde eingestellt. Die Kindergärten wurden geschlossen. Die Gerichtstätigkeit wurde ausgesetzt. Offizielle Urkunden und Ausweise wurden durch ungarische Behörden nur noch auf dem Postweg zugestellt, es gab keine Möglichkeiten, diese bei den Kundenservicepunkten persönlich in Empfang zu nehmen.
Am 17. März kündigte Staatssekretärin Ildikó Horváth an, dass mehrere Krankenhäuser in Ungarn als Quarantänezentrum ausgewiesen werden, so die Krankenhäuser in Ajka, Szekszárd und Miskolc. In Kiskunhalas soll ein mobiles Quarantänekrankenhaus gebaut werden.

Ausgangssperre
Mit Wirkung ab dem 28. März ordnete die ungarische Regierung verschärfende Maßnahmen an: Das Haus darf nur verlassen werden, um zur Arbeit zu gehen oder wichtige Einkäufe für die Grundversorgungen zu tätigen. Auch Spaziergänge wurden erlaubt. Weitere Ausnahmen: Fahrten zur Tankstelle oder Reparaturwerkstatt, die Begleitung tagsüber von Kindern in Kleingruppen als Aufsichtsperson, die Inanspruchnahme medizinischer Versorgung, Hilfeleistung für hilfsbedürftige Personen, unaufschiebbare behördliche, Bank- oder Postangelegenheiten, die ein persönliche Anwesenheit erfordern, Versorgung von Tieren, Ausübung von elterlichen Rechten und Pflichten sowie religiösen Tätigkeiten, individuelle Sportaktivitäten, allein oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts, nach Möglichkeit im Grünen und unter Einhaltung des Mindestabstands.
Außerdem wurde für Apotheken, Drogerien und Lebensmittelgeschäfte eine Zeitregelung eingeführt, nach der die Zeit vormittags von 9 bis 12 Uhr für Menschen über 65 Jahre reserviert ist. Damit solle erreicht werden, die besonders gefährdete ältere Bevölkerung von der jüngeren zu trennen. Durch die Verringerung der Kontakte zwischen den Menschen sollte die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden. Die Menschen wurden verpflichtet, soziale Kontakt einzuschränken und einen Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen einzuhalten, dies galt auch für öffentliche Verkehrsmittel – ausgenommen waren Personen die in einem gemeinsamen Haushalt leben. Verstöße gegen die Einschränkenden Maßnahmen werden als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld zwischen 5.000 und 500.000 Forint belegt.
Ende März gab es in Ungarn etwa 300 Infizierte. Zehn Menschen starben am Virus, 34 konnten genesen, 84 Menschen waren in Quarantäne. Bis Ende März wurden fast tausend Testproben gemacht. Man erwarte den Höhepunkt der Krankheitswelle im Juni oder Juli.

Kommandanten für Krankenhäuser
Ende März wurden die Krankenhäuser Ungarns einer neuen Leitung unterstellt. Ab dem 30. März unterstanden die Krankenhäuser von der Regierung ernannten Krankenhauskommandanten, die die Leitung aller Krankenhäuser übernahmen. Diese sollen die Einhaltung der epidemiologischen Vorschriften überwachen und für die Versorgung und das Personal zuständig sein. Die medizinischen Angelegenheiten werden weiterhin von den Ärzten entschieden.

Quarantäne
Am 27. März trat in Ungarn ein verschärfter Beschluss des Nationalen Zentrums für Volksgesundheit in Kraft. Dieser Beschluss sah unter anderem vor, dass sich auch ungarische Staatsbürger, bei denen kein COVID-19-Verdacht besteht, nach einer Rückkehr aus dem Ausland in 14-tägige Quarantäne begeben mussten.

Virologie
Schon Mitte März konnten Wissenschaftler des Nationalen Sicherheitslabors eines Teams um den Virologen Zoltán Kiss das Coronavirus isolieren. Einer Forschungsgruppe des Szentágotai-Forschungszenturms der Universität Fünfkirchen (Pécs) unter der Leitung von Professor Ferenc Jakab gelang es Ende März das Genom eines Corona-Virus eines ungarischen Patienten zu analysieren. Dies ist ein wichtiger Schritt, um wirksame Präventionsmaßnahmen einzuleiten und die Basis zur Entwicklung von Medikamenten oder eines Impfstoffs.

Grundeinkommen
Die kleine Partei Párbeszéd forderte die Einführung eines Grundeinkommens. Der Staat sollte bedürftigen Menschen 100.000 Forint pro Person zukommen lassen. Die Gesamtkosten einer solchen Aktion würden etwa 1,4 Billionen Forint kosten. Als Finanzierung schlug man die ausgefallenen staatlichen Investitionen und einen Solidaritätsfond vor, der durch Abgaben von Personen mit einem Vermögen von mehr als 500 Millionen Forint oder einem monatlichen Einkommen von mehr als einer Million Forint entstehen könnte.

Verzicht auf Steuern
Die grüne Partei LMP forderte in der Krisensituation, dass der Staat auf Steuern und Abgaben verzichtet. Außerdem sollten Pachtgebühren für staatliche und kommunale Geschäftsimmobilien gestundet werden. Zur Finanzierung der Staatsaufgaben sollten Investitionsprojekte wie das Atomkraftwerk Paks 2, die Eisenbahnstrecke Budapest-Belgrad und Liget Budapest ausgesetzt werden.

Rückholung
Ende März wurden 43 Menschen aus Israel mit dem Flugzeug nach Ungarn zurückgeholt. Im Flugzeug, das am 26. März auf dem Budapester Franz-Liszt-Flughafen landete, waren auch 31 österreichische, deutsche, tschechische und slowakische Staatsbürger. Bis Ende März half die ungarische Regierung insgesamt 3700 Menschen bei der Rückkehr nach Ungarn, deren Rückreise durch den Ausfall der Linienflugzeuge und die Schließung der Grenzen infolge der Ausbreitung des Corona-Virus nicht so einfach möglich war.

Winter
Wer Ende März mit Frühlingswetter rechnete, wurde bitter enttäuscht. Nach milden und warmen Tagen wurde es frostig und winterlich. Am 23. März gab es heftige Schneefälle. In Fünfkirchen (Pécs) fielen 20 Zentimeter Schnee. Die Stadt und das Mecsek-Gebirge waren für einen Tag weiß. Nach dem milden Winter war der Frosteinbruch überraschend.

Notstand
Parlament hat sich entmachtet
Am 11. März verhängte Ungarn den Notstand. Nach der bisherigen Regelung hörte ein Notstand nach 15 Tagen automatisch auf oder musste vom Parlament neuerlich beschlossen werden. Nun hat das Parlament diese Regelung geändert. Der Notstand kann nun auf unbestimmte Zeit verhängt werden. In dieser Zeit kann die Regierung per Dekret regieren. Das Parlament hat keinen Einfluss mehr auf die Politik. Immerhin kann das Parlament den Notstand beenden.
In der Sitzung vom 30. März beschloss das Parlament mit Zweidrittelmehrheit die neue Regelung. 138 der 199 Abgeordneten stimmten für das Gesetz. 53 Abgeordnete stimmten dagegen. Die Mehrheit der Regierungspartei Fidesz reichte aus, um das Gesetz durchzubringen. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán verteidigte das neue Gesetz als wichtige Maßnahme zum Schutz der Bevölkerung. Der ungarische Staatspräsident János Áder unterzeichnete das Gesetz und betonte, dass es mit der Verfassung übereinstimme und nicht gegen internationale Verträge verstoße.
Die Regierung kann nun in einer Notfallsituation (z. B. eine Naturkatastrophe oder wie jetzt eine Pandemie) Bürgerrechte außer Kraft setzen. Es werden mehrjährige Gefängnisstrafen für die Verbreitung von Falschmeldungen und Behinderung der Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie. Es finden keine Wahlen und Volksabstimmungen statt.
International wurde der Beschluss sehr kritisiert. Viele Kommentatoren und ausländische Politiker sehen in den Maßnahmen einen Weg in die Diktatur. Kritiker sprachen gar von einem Ermächtigungsgesetz. Die Neue Zürcher Zeitung sprach von »absoluter Macht«. Grüne und SPD forderten die Bundesregierung und die Europäische Union zum Handeln auf.

Rückkehr aus Tirol
Am 30. März kehrten 502 Personen aus Österreich nach Ungarn zurück. Ein Teil von ihnen wurde in vier Reisebussen aus den Quarantänegebieten in Tirol nach Ungarn zurückgeholt. Der andere Teil fuhr in 150 Privatautos. Es handelte sich vor allem um Menschen, die in Tirol arbeiteten und die abgeschotteten Ski-Orte nicht verlassen durften. Sie wurden vom Nationalen Zentrum für öffentliche Gesundheit (NNK) gebeten, sich in eine vierzehntägige selbstüberwachte Heimquarantäne zu begeben.

Benzin
Die Benzinpreise fielen im März in Ungarn außergewöhnlich stark. Der Einbruch des Ölpreises machte sich auch in Ungarn bemerkbar. Bereits am 4. März fiel der Benzinpreis auf 383 Forint (1,08 €) pro Liter und der von Diesel auf 393 Forint (1,1 €). Ende März sank der Benzinpreis weiter ab auf 298 Forint (0,84 €). Der Dieselpreis sank nicht so stark ab auf 335 Forint. So niedrig war der Benzinpreis in Ungarn seit Jahren nicht. Im vergangenen Jahr schwankte der Benzinpreis in Ungarn zwischen 345 (0,97 €) und 418 Forint (1,17 €).

Botschaft in Berlin
Aufgrund der COVID-19-Epidemie wurde auf Weisung des Ministerums für Auswärtiges und Außenhandel von Ungarn der konsularische Kundendienst der ungarischen Botschaft in Berlin am 16. März bis auf weiteres eingestellt. Die Botschaft von Ungarn übernimmt zur Zeit ausschließlich die Interessenvertretung für ungarische Staatsangehörige, die im Ausland in Not geraten sind. In diesen Fällen können Sie während unseren Arbeitszeiten (Montag bis Sonntag zwischen 8 und 16.30 Uhr) folgende Telefonnummer anrufen: 030/20310-108 oder 030/20310-116. Außerhalb der Arbeitszeiten können Sie uns durchgehend unter der Telefonnummer 01723233930 erreichen.

Wirtschaftslage
Bruttoinlandsprodukt 2019 auf hohem Niveau
Das Wachstum des Bruttoinlandprodukts blieb 2019 mit 4,9 % weiterhin auf hohem Niveau, damit hat Ungarn das Rekordwachstum von 2018 mit 5,1 % kaum verfehlt. Für 2020 und 2021 wird insgesamt ein leicht abgeschwächter, aber positiver Wert prognostiziert. Die Investitionsprojekte in der Automobilindustrie, die EU-Fördermittel und die daraus resultierenden öffentlichen Aufträge, allen voran im Bausektor, sowie die anziehende inländische Kaufkraft werden das Ende des Investitionsbooms noch eine Weile hinausschieben. Das Wirtschaftswachstum im 4. Quartal 2019 betrug 4,5 %. Die Prognose des geringer ausfallenden Wirtschaftswachstums ab 2020/21 beruht auf einer abflauenden Konjunktur in der exportorientierten Industrie, auf Grund eines schwächeren Weltwirtschaftswachstums. Es wird erwartet, dass dies auch negative Auswirkungen auf die inländische Nachfrage nach sich zieht. Darüber hinaus plant die EU eine Umschichtung ihrer Fördermittel, wodurch Ungarn ab 2021 weniger Geld erhalten wird.

Forint
Kurssturz der ungarischen Währung
Der Forint stürzte am 27. März auf ein Rekordtief ab. Ein Euro entsprach an diesem Tag 360,49 Forint. Entsprechend schlecht waren auch die Umrechnungskurse zu Dollar und Schweizer Franken. Schon einen Tag später lag der Umrechnungskurs zum Euro leicht erholt bei 357,49 Forint.

Geldtransfer
Eine Folge der staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Corona-Virus wird sein, dass in diesem Jahr der Geldtransfer nach Südosteuropa geringer ausfallen wird. Viele Menschen aus dieser Region arbeiten in Westeuropa und überweisen Geld an ihre Familien. Durch die Grenzsperrungen und fehlenden Durchreisemöglichkeiten können saisonale Arbeitskräfte nicht mehr nach Westeuropa kommen.

Audi Hungaria schließt das Jahr 2019 mit hohem Produktionsergebnis ab
Der Vorstandsvorsitzende von Audi Hungaria ist zufrieden: rund 2 Millionen Motoren gefertigt und mehr als 160.000 Automobile produziert. So bemerkt Alfons Dintner stolz: »Diese Leistung bietet eine gute Ausgangslage für die Zukunft«.
Audi Hungaria hat das Jahr 2019 trotz herausfordernder Rahmenbedingungen mit einem hohen Produktionsergebnis abgeschlossen: In Győr fuhren letztes Jahr mehr Fahrzeuge vom Band als je zuvor. Zudem fertigte das Unternehmen bereits ein Jahr nach Produktionsstart über 90.000 E-Motoren. Gleichzeitig startete die Serienfertigung der Q3-Modelle mit elektrifiziertem Antriebsstrang in Serie. Audi Hungaria ist weiterhin der größte Arbeitgeber in der Region und beschäftigt 12.807 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
»Ich bin sehr stolz auf die erbrachte Leistung und bedanke mich dafür bei unseren Mitarbeitern. Wir haben wieder unter Beweis gestellt, dass Audi Hungaria ein sehr leistungsfähiges Unternehmen ist. In Zeiten der Transformation hinsichtlich Digitalisierung, Elektrifizierung und Nachhaltigkeit stehen wir vor zahlreichen Herausforderungen. Daher haben wir für die Zukunft die Priorität gesetzt, unsere Produktivität weiterhin zu steigern, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verstärken. So können wir auch künftig unseren Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze bieten«, sagt Vorstandsvorsitzender Alfons Dintner.
Das Unternehmen produzierte im vergangenen Jahr 1.968.742 Motoren, davon 1.370.316 Ottomotoren, 508.059 Dieselmotoren und 90.367 Elektromotoren. Detailliert betrachtet hat das Unternehmen 99.789 Dreizylinder- und 983.893 Vierzylinder-Ottomotoren gefertigt, darunter den 2,0-Liter Vierzylinder Ottomotor, der zum »International Engine of the Year« gewählt wurde. Daneben produzierte Audi Hungaria 331.727 Vierzylinder-Dieselmotoren. Von dem legendären Fünfzylinder-Ottomotor wurden letztes Jahr 14.927 Einheiten produziert.
Von den Sechszylindermotoren fertigte das Unternehmen 267.105 Ottomotoren und 168.996 Dieselmotoren. Darüber hinaus baute Audi Hungaria 11.938 Acht- und Zehnzylindermotoren. Seit 2018 produziert das Unternehmen Elektromotoren, deren Anteil stark gestiegen ist, so wurden in Győr letztes Jahr 90.367 E-Antriebe gefertigt.
In der Automobilfertigung hat das Unternehmen eine Rekordzahl erreicht. 2019 fuhren insgesamt 164.817 Audi-Modelle vom Band. Vom Audi Q3 wurde mit 120.230 Einheiten die größte Stückzahl produziert. Von den Audi TT-Modellen fertigte Audi Hungaria 11.791 Coupés und 3.208 Roadster. 2019 verließen 7.302 Audi A3 Cabriolets die Produktionslinie sowie 6.986 A3 Limousinen, die seit März in Verbundfertigung mit Ingolstadt produziert werden. Die Serienfertigung des Audi Q3 Sportback startete im Sommer in Győr. Bis Ende des Jahres wurden 15.300 Einheiten davon gebaut.

Tarifvereinbarung bei Audi Hungaria
Durchschnittlicher Einkommenszuwachs um 36 % in 3 Jahren
Am 18. März haben die Verhandlungsdelegationen der AUDI HUNGARIA Zrt. und der Audi Hungária Unabhängigen Gewerkschaft die Lohnverhandlungen erfolgreich abgeschlossen. Die Vereinbarung wurde von Dr. Elisabeth Knab, Vorstand Personal und Organisation von AUDI HUNGARIA Zrt. und von Sándor Németh, Vorsitzender der Audi Hungária Unabhängigen Gewerkschaft unterzeichnet. Die Dauer der Tarifvereinbarung beträgt drei Jahre, während dieser Zeit erhalten die Mitarbeiter einen durchschnittlichen Einkommenszuwachs von 36 %. Gemäß der Vereinbarung beträgt der Einkommenszuwachs im ersten Jahr, also ab April 2020 durchschnittlich 12,5 %. Die Lohnvereinbarung gilt ab dem 1. April 2020.
Die Lohnvereinbarung beinhaltet weitere Elemente, wie beispielsweise die Inflationsanpassung und eine jährlich einmalige Auszahlung für alle Mitarbeiter von 130.000 Forint. Teil der Tarifvereinbarung ist ein gemeinsam erarbeitetes Maßnahmenpaket zur Unterstützung der Beschäftigungssicherheit.
»Ich freue mich, dass wir die Tarifverhandlungen erfolgreich abschließen konnten – damit gelang es uns, uns über ein, auf dem ungarischen Arbeitsmarkt attraktives Lohnpaket für alle Mitarbeiter zu vereinbaren. Ich halte es für besonders wichtig, dass wir im Einvernehmen mit der Arbeitnehmervertretung – erstmals in der Geschichte des Unternehmens – eine Lohnvereinbarung für drei Jahre abschließen. Das bedeutet für unsere Mitarbeiter Planbarkeit und Berechenbarkeit. Gleichzeitig ist es ein wichtiges Element der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens. Parallel dazu haben wir auch eine Vereinbarung über ein Maßnahmenpaket zur Förderung der Beschäftigungssicherheit gemeinsam erarbeitet.

The Future »Made in CEE«
Konferenz in Budapest
Mittel- und Osteuropa wird künftig eine immer wichtigere Rolle für die Wirtschaft der Europäischen Union spielen. Die aktuellen technologischen Umbrüche können der Region dabei zusätzliche Impulse verleihen. Dies sind die Kernaussagen, die auf einer internationalen Konferenz am Donnerstag in Budapest getroffen wurden.
Die von der Initiative »Netzwerk Digital« und der Organisation »United Europe« organisierte Veranstaltung wollte aufzeigen, dass sich die Länder der Region Mittel- und Osteuropa (MOE) wirtschaftlich immer mehr von der Rolle der »verlängerten Werkbank« emanzipieren, und zunehmend zu Innovation und Wachstum in der EU beitragen.
Die Referenten der Konferenz, unter ihnen Ungarns Minister für Innovation und Technologie und Top-Manager aus Deutschland und der Region stimmten darin überein, dass die Region schon heute ein unverzichtbarer Partner in den europäischen Wertschöpfungsketten ist, und dass ihr Gewicht in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Dabei könnten sie von den Chancen und Möglichkeiten profitieren, die sich aus den rasanten technologischen Veränderungen der Gegenwart ergeben, wie z. B. der Digitalisierung oder dem Trend zur »Industrie 4.0«.
Die Konferenz machte deutlich, dass für diese veränderte Rolle die Wettbewerbsfähigkeit der Region gesteigert werden muss, und dass Digitalisierung dazu einen erheblichen Beitrag leisten kann.
Marie-Theres Thiell, Geschäftsführerin der von Innogy Ungarn und Vizepräsidentin der DUIHK stellte im Rahmen der Veranstaltung die wichtigsten Aussagen eines Roundtable-Gesprächs vor, bei dem sich rund 25 Top-Manager unmittelbar vor der Konferenz über die Chancen und Herausforderungen der Region ausgetauscht hatten. Dabei ging es sowohl um den Stand und die Chancen der Region hinsichtlich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, als auch um die Aufgaben, die die Unternehmen, der Staat oder das Bildungssystem noch zu bewältigen haben.
Gerade letzterem kommt dabei eine herausragende Bedeutung zu, so die Meinung der Manager, aber auch der Staat müsse ein innovations- und wettbewerbsoffenes regulatorisches Umfeld sicherstellen.
Johannes Teyssen, CEO des deutschen Energieunternehmens E.ON SE, stellte in seiner Keynote fest, dass die Welt erneut – wie schon während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert – in eine Phase eingetreten sei, in der Technologie eine entscheidende Rolle bei der globalen Verteilung von Wohlstand haben werde. Europa müsse hier aufschließen. Innovation entstehe nach seiner Ansicht dort, wo Menschen mit vielfältigen persönlichen, kulturellen und beruflichen Hintergründen Ideen frei und offen austauschen können. Teyssen zeigte sich zuversichtlich, dass man das in Europa könne, auch in Bezug auf die Digitalisierung. Eine erfolgreiche digitale Transformation erfordere Teyssen zufolge jedoch auch eine entsprechende Kultur, vor allem müssten Mitarbeiter ermutigt werden, sich digitales Wissen anzueignen. Da alles, was digitalisiert werde, auch mit Elektrizität zusammenhänge, ging Teyssen auch ausführlich auf die energetischen Implikationen der Digitalisierung ein, z. B. auf die Digitalisierung der Energiewirtschaft selbst.
In einer Paneldiskussion, an der neben Minister Palkovics und Johannes Teyssen auch Thomas Narbeshuber als Vice President Central and Southeast Europe des Chemieunternehmens BASF, sowie Hans-Paul Bürkner, Chairman der Boston Consulting Group teilnahmen, kam immer wieder zum Ausdruck, dass die Digitalisierung ausnahmslos alle Wirtschaftszweige umgestalten wird.
Hans-Paul Bürkner zeigte sich überzeugt, dass sich die Region Mittelund Osteuropa künftig von einer Region arbeitsintensiver Montagebetriebe zu einem Standort von »Smart Suppliers«, also innovativen Zulieferern entwickeln werde. Schon zeige die Region ein dynamisches Wachstum, und verfüge über gut ausgebildete Arbeitskräfte und einen noch immer beträchtlichen Kostenvorteil. Allerdings werde die Digitalisierung dieses Wirtschaftsmodell verändern, und dies erfordere verstärkte Anstrengungen bei der Digitalisierung. Vor allem müsse die digitale Transformation der Wirtschaft beschleunigt, die Mitarbeiter auf diese neue Ära vorbereitet und Investitionen in die Digitalisierung gefördert werden. Dadurch könnten laut Bürkner auch demografischen Risiken abgemildert werden.
Thomas Narbeshuber betonte, dass sich für Europa und die Region durch die Digitalisierung die einmalige Chance böte, im globalen Innovations-Wettbewerb um nachhaltige Lösungen mitzuhalten. Dazu bedürfe es jedoch Rahmenbedingungen, an deren Umsetzung Unternehmen und Regierungen gleichermaßen arbeiten müssten. Dazu gehöre laut Narbeshuber vor allem das Vertrauen in digitale Technologien, welche erst ein Opportunitätsbasiertes regulatorisches Umfeld ermögliche. Erstklassige Konnektivitä t, wie z. B. ein flächendeckender und kostengünstiger Ausbau der 5G Technologie und ein erheblich verbesserter Zugang zu Daten könnten auch strukturschwachen Regionen und mittelständischen Firmen die Teilnahme am Innovationswettbewerb besser ermöglichen. Narbeshuber sieht Chancen der Region insbesondere durch gezielte Förderung der Bereiche Industrie 4.0, Artifizielle Intelligenz und B2B-Industrieplattformen.
»Netzwerk Digital« wurde Anfang 2019 als gemeinsame Initiative fünf deutschsprachiger Wirtschaftsorganisationen in Ungarn ins Leben gerufen: Advantage Austria/WKO, Austro-Hungarian Business Council, Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer, Deutscher Wirtschaftsclub Ungarn, SwissCham Hungary.
Ziel der Initiative ist es, praxisrelevante Aspekte der Digitalisierung vorzustellen, um Unternehmen frühzeitig für die Bedeutung des Themas zu sensibilisieren und ihnen Lösungsansätze zu vermitteln. Dazu organisiert das Netzwerk Plattformen zum Erfahrungsaustausch und zur Vermittlung von aktuellem Wissen und beispielhaften Lösungen, und beteiligt sich an der Verbesserung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im Interesse optimaler Standortbedingungen. Besonderes Augenmerk richtet das Netzwerk auf die Förderung von KMU sowie auf Fragen der digitalen Aus- und Weiterbildung.
Mit seinen Aktivitäten möchte das Netzwerk zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und dadurch zur Attraktivität des Wirtschaftsstandort Ungarn für Wirtschaftsakteure beitragen.
Unterstützt wird die Initiative von den Botschaften der drei Länder, vom ungarischen Minister für Innovation und Technologie, sowie von vielen weiteren Bildungs- und Forschungseinrichtungen.
United Europe ist eine pro-europä ische Nonprofit-Organisation, die 2013 in Hamburg gegründet wurde. Ihr Ziel ist ein starkes und wettbewerbsfähiges Europa, in dem die Vielfalt seiner Kulturen und Völker als Kraftquelle angesehen und genutzt wird. Wie das Netzwerk Digital setzt auch United auf die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleuten, Politikern und Analysten. Bei der Auswahl der Themen und Projekte achtet man dabei vor allem auf den Mehrwert, der durch eine unternehmerische Perspektive entstehen kann.
Infos: www.netzwerk-digital.hu

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