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Gallus Rehm †

Der Bauingenieursprofessor und frühere Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn ist gestorben
Gallus Rehm (rechts) bei der Ernennung zum Ehrensenator der Technischen Universität München 2018 zusammen mit dem damaligen TUM-Präsidenten Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann
Foto: Uli Benz/TUM
Im vergangenen Jahr konnte Prof. em. Dr. Dr.-Ing E.h. Dr. h.c. Gallus Rehm seinen 95. Geburtstag feiern. Am 27. August 2020 ist der berühmte Bauingenieur in München verstorben. Er gehört zu den bekannten und anerkannten Spezialisten im Bereich Tragwerke und Bauingenieurswesen. Trotz seines ausgefüllten beruflichen Lebens setzte er sich auch immer wieder für die Deutschen aus Ungarn ein und bekleidete in ungarndeutschen Vereinigungen wie der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und der Suevia Pannonica herausragende Ämter.

Gallus Rehm wurde am 18. Oktober 1924 in Nyomja im Komitat Branau (Baranya) geboren. Die kleine Gemeinde, die heute mit Surgetin (Szederkény) vereinigt ist, liegt an der Hauptstraße von Mohatsch (Mohács) nach Fünfkirchen (Pécs). Die katholische Kirche St. Simon und Judas Tadeus aus dem Jahr 1759 überragt den Ort. Die Einwohner kamen im 18. Jahrhundert aus der Röhn, die damals ein Gebiet des Hochstifts Fulda war. Verballhornt hat sich der Name der Grundherrschaft bis heute in der bekannten Wurstsorte »Stifolder« erhalten.

In Budapest besuchte Gallus Rehm das Reichsdeutsche Gymnasium. Eine Mitschülerin war seine spätere Ehefrau Annamaria. Es folgten der Kriegsdienst als Soldat bei den deutschen Truppen im Zweiten Weltkrieg und die Kriegsgefangenschaft bei den Amerikanern. In Bayern fand er seine Mutter wieder (der Vater war daheim im November 1944 von den russischen Besatzern erschossen worden). Die Nachkriegszeit in der Nähe von München war hart. War die Mutter die harte Arbeit auf dem Land gewohnt, war das für seine aus der Großstadt Budapest stammende Frau ungewohnt. Mühsam sorgte er für den Lebensunterhalt. Von 1947 bis 1951 studierte Gallus Rehm Bauingenieurswesen an der Technischen Universität München und schloss 1951 mit dem Diplom ab. Nach und nach wurden die Kinder Christa, Roland, Susanne und Alexander geboren, die ihre Kindheit in der Possenhofener Straße erlebten. Es folgte 1958 die Promotion über die Grundlagen des Verbundes zwischen Stahl und Beton, einer ingenieurwissenschaftlichen Experimentalarbeit am Materialprüfungsamt für das Bauwesen der TU München. Bis 1963 war er Assistent bei Prof. Hubert Rüsch, dem Inhaber des Lehrstuhls für Massivbau. 1965 gründete Gallus Rehm die Prüfstelle für Betonstahl in München, die sich schon bald zu einem national und international anerkannten und tätigen Institut zur Prüfung, Überwachung und Zertifizierung von Betonstählen aller Art, Betonstahlprodukten, Schalungsankern und Stahlbauprodukten entwickelte. Das inzwischen von Hartmut Wilhelm geleitete Unternehmen betreut auch Neuentwicklungen nach dem jeweiligen Stand der Technik zur Erlangung einer sogenannten allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung oder einer Zustimmung im Einzelfall.

1968 berief ihn die Universität Braunschweig auf den Lehrstuhl für Baustoffe und Stahlbetonbau. Dort war er mit Prof. Karl Kordina zusammen Direktor des gleichnamigen Forschungsinstituts. In diese Zeit fällt der Beginn der Einrichtung eines Sonderforschungsbereichs über Brandverhalten von Bauteilen. 1973 berief ihn die Universität Stuttgart auf den Lehrstuhl für Werkstoffe im Bauwesen. Außerdem war er von 1973 bis 1990 Direktor des Otto-Graf-Instituts (Forschungs- und Materialprüfungsamt). Drei Jahre war er Dekan der Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen.

Zahlreiche Fachveröffentlichungen stammen aus seiner Feder, darunter mehrere in Zusammenarbeit mit Rolf Eligehausen, wie »Rationalisierung der Bewehrung im Stahlbetonbau« (in: Betonwerk + Fertigteil-Technik 38, 1972), »Übergreifungsstöße von Rippenstäben unter schwellender Belastung« (in: Deutscher Ausschuss für Stahlbeton 291, 1977), »Bond of ribbed bars under high cycle repeated loads« (in: Journal of the American Concrete Institute, 1979) und »Auswirkungen der modemen Befestigungstechnik auf die konstruktive Gestaltung im Stahlbetonbau« (in: Betonwerk + Fertigteil-Technik 50, 1984). Rehm war Mitautor des VDI-Lexikons Bauingenieurswesen.

Durch seine Forschungstätigkeit, die in zahlreichen Publikationen und Vorträgen auf Fachkongressen für weltweites Interesse sorgten, leistete er wichtige Grundlagenarbeit für das Bauingenieurswesen besonders im Bereich des Stahlbetonbaus. Zu einem Spezialgebiet entwickelte sich der Korrosionsschutz bei Verbundwerkstoffen. Zahlreiche neue Bauverfahren wurden von ihm entwickelt. Besonders unkonventionelle Lösungen reizten ihn. Zu den bekanntesten Gebäuden, an denen er mitarbeitete, gehört das Olympiastadion in München, dessen Dach er zusammen mit Frei Otto und Günther Behnisch entwickelte. Beim Bau der U- und S-Bahnhaltestelle unter dem Stachus in München lieferte er die Stahlbewehrungstechnik für die damals erstmals eingesetzte Deckelbauweise. Ein schwieriges Thema war der Einbau einer Empore in die Frauenkirche in München. Zu Rehms Leistungen gehört auch die Rettung des Turms der Stadt- und Kollegiatsstiftskirche St. Martin und Kastulus in Landshut. Um die Neigung des Turms zu stoppen, setzte er auf innovative Technik im Untergrund, um den Turm, der mit 130 Metern Höhe immerhin der höchste Backsteinturm überhaupt ist und zu den höchsten Kirchtürmen Deutschlands zählt, zu stabilisieren. Für diese Leistung wurde er mit dem 1818 von Papst Pius VII. gestifteten päpstlichen Verdienstorden »Benemerenti« geehrt. Am 10. November 2019 überreichte Kardinal Marx den Orden in der ehemaligen Karmeliterkirche in München.

Enge Kontakte pflegte Rehm übrigens auch zur Technischen Universität Budapest. Zwischen der Universität Stuttgart und der TU Budapest vermittelte er einen Kooperationsvertrag.

Seine wissenschaftlichen Leistungen wurden 1984 zu seinem 60. Geburtstag von der Universität Braunschweig durch die Verleihung des Ehrendoktors gewürdigt. [...]
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