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Zum Feierabend

Fränkische Landsleute in Ungarn

Eleker besuchten 1928 Gerolzhofen
Der Ungarländische Deutsche Volksbildungsverein in Budapest veranstaltete im Rahmen einer vom »Sonntagsblatt« organisierten Gesellschaftsreise im Sommer 1928 mit einer größeren Gruppe von Bauern aus dem Ofener Bergland, der Batschka und dem ungarischen Rumpfbanat eine Studienfahrt zur Landwirtschaftlichen Ausstellung nach Leipzig. Leiter der Studienfahrt waren die damaligen Sekretäre des Volksbildungsvereins, der Eleker Max Albert und der junge Ludwig Leber, der nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung der Deutschen aus Ungarn zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Ungarndeutschen in Baden-Württemberg zählte.

Die verhältnismäßig größte Gruppe der Teilnehmer bildeten die Landwirte und Landsleute aus Elek. Unter diesen waren Andreas Ament, Adam Albert, Max Albert, Anton Braun, Georg Schneider, Michael Wittmann, Adam Zöllner, Hans Zöllner sowie Adam Zielbauer.

Diese waren vor allem auch deshalb interessiert an dieser Fahrt teilzunehmen, weil sie die Deutschlandreise mit einem Besuch der Stadt Gerolzhofen und Umgebung verbinden konnten, um einen Teil der Urheimat der Eleker kennen lernen zu können.

Die Repräsentanten der Stadtverwaltung Gerolzhofens bereiteten den Gästen aus Elek am 9. Juni 1928 einen herzlichen Empfang.

Auch Prof. Dr. Peter Schneider, Präsident des Frankenbundes, der bereits in den Jahren zuvor Kontakte zu Elek und Pfarrer Csepregi geknüpft hatte, kam mit seiner Gattin aus Würzburg angereist, um sich mit den Elekern auszutauschen.

Für die ganze Reisegruppe aus Elek war diese Studienfahrt ein außerordentliches Erlebnis, zwei Tage lang in jenen uralten Häusern und Höfen aus- und eingehen zu können, in denen die nach Elek gezogenen Urahnen einst gewohnt haben. So gab es denn auch ergreifende Szenen, obwohl die Teilnehmer nur aus Männern und Burschen bestanden. Mit vielen ungeahnten Eindrücken kehrte die Reisegruppe am 15. Juni 1928 zurück nach Elek.

Unter dem Titel »Etwas über unsere fränkischen Landsleute in Ungarn« schrieb anschließend ein pensionierter Lehrer aus Gerolzhofen, der sich um die Reisegruppe aus Ungarn ganz besonders kümmerte, sie führte und aufklärte, im Gemeindeblatt Gerolzhofen den nun nachfolgenden Bericht, der heute ebenso interessant ist, als er damals war.

Von Deutschen behauptet man, dass sie im Ausland am leichtesten fremde Sprachen, Sitten und Gebräuche annähmen und das Vaterland vergäßen. Mag sein, dass uns Deutschen eine größere Anpassungsfähigkeit eigen ist als anderen Nationen und dass der Deutsche da, wo er mehr als Einzelwesen innerhalb einer fremden Nation zu leben gezwungen ist, äußerlich bald sein Deutschtum abstreift und bestrebt ist, sich der Umgebung in allem anzupassen – aus Zweckmäßigkeitsgründen. Sein Denken und Fühlen aber kann er nicht wechseln. Das ist unzerstörbare deutsche Eigenart. Selbst Jahrhunderte vermögen nicht, in dieser Hinsicht einen völligen Wechsel zu vollziehen, sofern Auslandsdeutsche bei Gründung ihrer Familien Angehörige einer fremden Nationalität ausschließen und es mit dem Grundsatze: »Deutsch zu deutsch« halten.

Letzteres haben auch die in den Jahren 1724 bzw. 1744 aus der Gerolzhofener Gegend nach Ungarn bzw. nach Elek und Umgebung ausgewanderten Frankenfamilien getan, und so sind sie zwei Jahrhunderte lang »deutsch-fränkisch« geblieben in Sprache, Kleidung, in ihren Sitten und Gebräuchen, obwohl seit der Auswanderung schon die sechste bzw. siebente Generation der ursprünglichen Auswanderer in Ungarn herangewachsen ist. Erleichtert wurde ihnen dies durch den günstigen Umstand, dass sie mehr geschlossen unter sich leben können – ein kleines »Deutschstädtchen« im großen »Fremdstaate«.

Die Auswanderung unserer fränkischen Brüder erfolgte unter der Regierungszeit der beiden Fürstbischöfe aus dem gräflichen von Schönbornschen Geschlechte. Letzteres besaß bzw. besitzt nun in Ungarn größere Ländereien, und es kann deshalb wohl angenommen werden, dass die Anregung zur Auswanderung von der fürstbischöflichen Landesregierung gegeben wurde.

Wohl war unseren »Unterfranken« aus ihrer Tradition her bekannt, dass sie aus Deutschland bzw. Franken stammten, allein etwas Näheres über die Lage bzw. Gegend ihrer Heimat wussten sie nicht. Sie konnten doch nicht wissen, dass der deutsche Dialekt, den sie beim Verkehr unter sich unverfälscht bis zum heutigen Tage beibehalten haben, gerade das »Gerolzhoferdeutsch« war. Ein sonderbarer Zufall sollte ihnen aber hierüber Aufschluss verschaffen.

Mehrere Eleker reisten im Jubiläumsjahre 1925 mit ihrem deutschen Hilfspriester nach Rom und trafen da Pilger aus der Gerolzhofer Gegend, mit denen sie sich ausgezeichnet unterhalten konnten, da letztere den völlig gleichen Dialekt sprachen wie sie.

Nun brannte den Kolonisten das Herz nach der Heimat ihrer Urväter. Der Pfarrer von Elek, wenn auch Ungar, interessierte sich für die Sache und reiste 1926 nach Gerolzhofen. Hier fand er einige Anhaltspunkte. Fast sämtliche Familiennamen der Eleker Deutschen waren auch in Gerolzhofen und Umgebung zu finden. Gleicher Dialekt und gleiche Namen aber lassen auch auf eine gemeinsame Heimat schließen. Fest steht bisher das eine, dass die Familien Reuß (Reiss) in und um Elek aus Lülsfeld bzw. Gerolzhofen stammen.

Da die Eleker Ansiedler ganz fortschrittliche Landwirte sind, besuchten viele von ihnen auch die landwirtschaftliche Ausstellung zu Leipzig, und von hier aus machten sie einen Abstecher in ihre engere deutsche Stammheimat. Am 9. Juni 1928 trafen sie in Gerolzhofen ein. Das Wetter war etwas zweifelhaft, und so meinte einer der Ankömmlinge seinem Nebenmann gegenüber: »J me, es ragert heut no!« (Ich meine, es regnet heute noch). [...]
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