 |
| Die neue Schriftleiterin |
|
 |
|
| Ihre Beiträge zu |
|
 |
|
 |
|
| HERZENSSACHE |
 |
|
Es gibt Momente, in denen Zahlen mehr sind als Zahlen. Sie werden zu Gefühlen. Zu Fragen. Zu einem Spiegel. Die endgültigen Ergebnisse der Parlamentswahl in Ungarn liegen nun vor. Wir haben kein Mandat errungen. Das ist eine nüchterne Feststellung – und doch trifft sie uns nicht nüchtern. Sie berührt. Sie schmerzt. Und sie zwingt uns, ehrlich zu sein.
Ich schreibe diese Zeilen nicht nur als Schriftleiterin der “Unsere Post”, sondern als Mitglied des Wahlkampf- Kommunikationsteams der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, und vor allem als jemand, dessen ganzes Leben eng mit der Gemeinschaft der Ungarndeutschen verwoben ist. Ich bin in ihr aufgewachsen. Ich habe ihre Schulen besucht. Meine Kinder sind ebenfalls diesen Bildungsweg gegangen. Ich war Teil von Vereinen, von Jugendgruppen, von Initiativen. Heute ist auch meine Arbeit untrennbar mit dieser Gemeinschaft verbunden. Und wenn ich ehrlich bin: Ein großer Teil meiner Freundschaften, meiner prägenden Begegnungen, meines Alltags – all das verdanke ich genau diesem Netzwerk, dieser Kultur, dieser Identität.
Gerade deshalb fällt es mir nicht leicht, dieses Ergebnis einfach zur Kenntnis zu nehmen. Denn wir wissen: Es hätte gereicht. Ein paar tausend Stimmen mehr – und wir hätten weiterhin eine vollwertige parlamentarische Vertretung: eine eigene Stimme, mit Rechten, mit Gewicht. Stattdessen bleibt uns zunächst die Stimme eines Sprechers, die selbstverständlich sehr wichtig ist, aber doch nicht dasselbe. Viele haben sich in den Wochen vor der Wahl bewusst dafür entschieden, sich aus dem Nationalitätenregister streichen zu lassen, um auf Parteilisten zu wählen. Aus Verantwortung. Aus verständlicher Sorge. Aus dem Gefühl heraus, dass diesmal wirklich „jede Stimme zählt“. Heute wissen wir: Für den Ausgang des parteipolitischen Wettbewerbs hätten diese Stimmen nichts entschieden. Für uns aber hätten sie sehr viel bedeutet. Gleichzeitig zeigen natürlich die mehr als achtzehntausend Stimmen auch etwas anderes: dass es eine starke, bewusste, engagierte Gemeinschaft gibt. Menschen, die verstanden haben, dass Identität nicht nur Herkunft ist, sondern auch Entscheidung. Dass Zugehörigkeit Verantwortung bedeutet.
Vielleicht haben wir als Gemeinschaft eine wichtige Lektion gelernt. Vielleicht sogar mehrere. Dass wir noch besser erklären müssen, was auf dem Spiel steht. Dass wir noch transparenter sprechen und noch mehr Dialoge führen müssen. Und dass wir uns selbst die Frage stellen müssen: Wie selbstverständlich ist uns das, was wir haben? Und genau deshalb dürfen wir uns dieses Ergebnis nicht schönreden – aber wir dürfen uns auch nicht entmutigen lassen. Die Zukunft der Ungarndeutschen wird nicht an einem Wahlergebnis entschieden. Aber sie entscheidet sich daran, wie wir darauf reagieren.
Ob wir uns zurückziehen – oder noch stärker engagieren. Ob wir enttäuscht schweigen – oder das Gespräch suchen. Ob wir auf das Verpasste schauen – oder auf das, was möglich ist. Ich bin überzeugt: Diese Gemeinschaft hat die Kraft dazu. Aber sie braucht uns alle. Nicht nur alle vier Jahre. Sondern jeden Tag. Mit Haltung. Mit Bewusstsein. Und mit dem Mut, Verantwortung nicht an andere zu delegieren. Denn am Ende geht es um mehr als ein Mandat. Es geht um uns.
Herzlichst, Kristina Szeiberling-Pdnovics Schriftleiterin
|
 |
| Lesen Sie mehr in der Printausgabe. |
|
|
|
|
|
|
| Anzeigen |
| Mit Anzeigen und Inseraten erreichen Sie Ihre Zielgruppe. Anzeige aufgeben |
 |
|
| Bücher & mehr |
|
|