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Berichte aus Ungarn
Robert Fico zu Besuch in Ungarn
Am 10. September traf der ungarische Ministerpräsident Gordon Bajnai seinen slowakischen Amtskollegen Robert Fico in Szécsény, um die Streitigkeiten zwischen den beiden Nachbarländern zu begraben. Nach einer Stunde Diskussion hinter -verschlossenen Türen gaben die beiden Ministerpräsidenten ein gemeinsames 11-Punkte-Programm bekannt. Darin wird zur Verbesserung der Kommunikation zwischen den Ländern die Bildung von bilateralen Ausschüssen auf Regierungsebene sowie in der Zivilgesellschaft angestrebt. Trotz dieser ersten Annäherung wurde das Ergebnis des Treffens seitens der ungarischen Opposition ablehnend aufgenommen. Beide Seiten »bedauerten« die Einreiseverweigerung für Ungarns Staatspräsidenten am 21. August. In der Sache des umstrittenen Staatssprachengesetzes, das den Gebrauch einer anderen Sprache als der slowakischen in zahlreichen Bereichen des öffentlichen Lebens unter Geldstrafe stellt, erklärt sich die Slowakei in Punkt 5 der gemeinsamen Vereinbarung bereit, um die Empfehlungen von Knut Vollebaeck, des Hohen Kommissars für nationale Minderheiten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, zu reagieren. Robert Fico wies von sich, dass das Gesetz dazu verwendet werden könne, ungarischsprachige Personen für den Gebrauch ihrer Muttersprache im Alltag zu bestrafen. Fidesz-Außenpolitiker Zsolt Németh beschrieb die gemeinsame Erklärung mitsamt Pressekonferenz als »ernsthafte, erniedrigende diplomatische Niederlage.« Ähnlich sah es Pál Csáky, Vorsitzender der Partei der Ungarischen Koalition. Csáky bezeichnete die ungarische Delegation als »servil« und gab seinem Bedauern Ausdruck, dass nicht mehr erreicht werden konnte.
WH

Konrad-Adenauer-Stiftung würdigt die Grenzöffnung
»Ich freue mich, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung für ihre Konferenz das richtige Datum gewählt hat«, so der letzte Ministerpräsident der Volksrepublik Ungarn und der erste Premier der Dritten Republik, wie sich Miklós Németh seinem Publikum selbst vorstellte. Aus so berufenen Munde sicher ein wohltuendes Kompliment an die Adresse von Stiftungsleiter Hans Kaiser und seine Mitarbeiter, denen das Verdienst zukommt, am 11. September, dem eigentlichen Jahrestag der Grenzöffnung vor 20 Jahren die einzige größere Gedenkveranstaltung in Ungarn veranstaltet zu haben. Bereits im August hatte die Stiftung in Sopron eine Veranstaltung zur Erinnerung an das Paneuropäische Picknick vor 20 Jahren abgehalten. Die Vermutung, dass sich die Adenauer-Stiftung als einzige deutsche politische Stiftung vor Ort in erster Linie wegen der damaligen Rolle von CDU-Politikern so stark für die Jubiliäen engagierte, wies Kaiser gegenüber der »Budapester Zeitung« entschieden zurück. »Nein, unser Engagement hat in erster Linie damit etwas zu tun, dass es sich um große Ereignisse der deutschen Geschichte handelt«, unterstrich der Stiftungsleiter. Seine kurze Eröffnungsansprache leitete er mit den Worten ein »Heute ist ein Feiertag!« Die Ereignisse von vor 20 Jahren seien ein schönes Beispiel dafür, was mutige Menschen bewirken können, wenn sie in einer gegebenen Situation aktiv würden. Fidesz-Vorsitzender Viktor Orbán würdigte den 11. September 1989 stolz als Tag, an dem sich Ungarn von seiner schönsten Seite gezeigt habe. Besonders freute es sich, den 20. Jahrestag der Wiederkehr dieses Tages in Anwesenheit von Miklós Németh und Imre Pozsgay zu verbringen. An die Adresse von Németh gewandt würdigte Orbán, dass dieser damals bei seiner Begegnung mit Bundeskanzler Helmut Kohl trotz dessen Aufforderung, einen Preis zu nennen, und trotz der damaligen immensen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Ungarns kein Kopfgeld für die Ermöglichung der freien Ausreise der DDR-Bürger gefordert habe. Stattdessen äußerte er damals die seitdem viel zitierten Worte. »Ungarn verkauft keine Menschen«. Dazu Orbán: »Ich freue mich, dass Miklós Németh damals nichts gefordert hat. Uns Ungarn werden oft in der Welt gute Eigenschaften zugeschrieben. Dazu zählen auch Ritterlichkeit und Großzügigkeit. Für beides hat Miklós Németh ein gutes Beispiel geliefert.«
WH

Großes Polizeiaufgebot
Am 12. September fand unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen die Budapest Gay Pride Parade statt. Der Demonstrationszug, der nur wenig mit einer »Parade« gemeinsam hatte, die den Stolz und die Identität der Homosexuellen ausdrücken soll, umfasste knapp 1.000 Menschen. Der Zug bewegte sich an diesem Nachmittag vom Heldenplatz die Andrássy ut entlang zum Erzsébet tér in der Innenstadt. Die Andrássy ut und sämtliche ihrer Nebenstraßen waren von der Polizei hermetisch abgeriegelt, so dass im Gegensatz zu den beiden Vorjahren die Gegendemonstranten gar nicht in die Nähe des Zuges gelangen konnten. Dementsprechend verlief die Demonstration ohne Zwischenfälle.
WH

Ungarn verliert

In den beiden WM-Qualifikationsspielen Anfang September gegen Schweden und am darauffolgenden Mittwoch gegen Portugal kassierte die ungarische Fußballnationalmannschaft zwei unnötige Niederlagen Damit ist die WM-Teilnahme der Mannschaft von Erwin Koeman in weite Ferne gerückt. In Budapest verlor Ungarn gegen Schweden 1:2 und gegen Portugal 0:1. Ungarn fiel durch die zwei Niederlagen auf Platz 4 zurück und muss die im Oktober anstehenden schweren Auswärtsspiele in Portugal und Dänemark gewinnen, um noch eine realistische Chance auf eine WM-Teilnahme 2010 zu haben.
WH

Haushaltsplan 2010
Wie angekündigt überreichte Finanzminister Péter Oszkó Parlamentspräsidentin Katalin Szili am 4. September den ersten Haushaltsentwurf für 2010. Der Plan hat zum Ziel, Ungarns Haushaltsdefizit im kommenden Jahr unter 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu halten. Große Verlierer sind neben Gemeindeverwaltungen auch einige Ministerien, die Ungarische Staatsbahn MÁV und die Rentner. Nach Fidesz-Chef Viktor Orbán bedeute der neue Haushaltsplan weitere brutale Kürzungen für Ungarn. Die großen Verlierer sind wieder die ungarischen Bürger. Rund 40 Milliarden Forint weniger will die Regierung für den öffentlichen Verkehr ausgeben.
Das heißt, für den öffentlichen Bahn- und Busverkehr werden 2010 nur 160 Milliarden Forint zur Verfügung stehen. Mit 1,13 Billionen Forint sollen Kommunalverwaltungen insgesamt 300 Milliarden Forint weniger erhalten als in diesem Jahr, das entspricht einer Kürzung von rund zwanzig Prozent. Unter anderem will der Staat den Gemeinden auch die Unterstützung für Schulspeisung und Kunsterziehung entziehen. Die geplanten Rentenkür-zungen im Haushaltsplan wurden tatsächlich beibehalten. Die dreizehnte Rente wird gestrichen. Der Fidesz kritisierte die Haushaltsplanentwürfe als Weiterführung der Politik des im März zurückgetretenen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány.
WH

40 Jahre Boschocker Chor
»Mehr als ein halbes Jahr« soviel sangen die Frauen und die Männer des Boschocher Chores auf der Bühne in den 40 Jahren seit seiner Gründung. Wenn man die Auftrittsstunden zusammenzählen würde, würde die Zahl der Stunden soviel ausmachen. Am 13. September feierte der Boschocker Chor mit einem würdigen und niveauvollen Programm sein 40jähriges Jubiläum. Viele warten gekommen, die den Chor ehren wollten, der Chor aus Geschtiz, Kulturgruppen aus Wemend und aus Boschok, aber auch viele, die in den 40 Jahren mit dem Chor in Kontakt getreten sind, sei es privat oder als Kulturgruppe. Dem bunten Kulturprogramm folgten zahlreiche Festreden, wobei man gratulierte und weitere 40 Jahre wünschte. Man erinnerte sich an die Kulturrundreisen des Deutschen Verbandes, an die Ver-anstaltungsreihe »Reicht brüderlich die Hand« und an die In- und Auslandsauftritte. Sie waren unter den ersten Kulturgruppen, die das Ungarndeutschtum im Westen vertreten durften. Der Chor wurde mit Plaketten, Urkunden. Geschenken und Blumensträußen überflutet. Die hellen und unverwechselbaren Stimmen der Boschoker erklangen am Ende des Programms als Schlussakkord, und da wirkten auch jene ehemaligen Chormitglieder mit, die heute nicht mehr mitsingen.
WH

Berichte aus Bátaszék
Bátaszéker Chöre reisten im Juni nach Italien und besuchten Assisi und seine Umgebung. Lehre und Leben von Franz von Assisi beeindruckte die Besucher besonders. Weitere unvergessliche Höhepunkte waren Aufenthalte in Rom und Venedig mit den berühmten Plätzen und Gebäuden.
Eine große Volksgruppe sind die Sekler in Bátaszék. Zur gemeinsamen Erinnerung an die Heimat Bukowina, das 1774–1918 zu Ungarn gehörte und heute rumänisch und ukrainisch ist, gestaltete man in Polen ein internationales Folklorefest, an dem etliche Sekler aus Bátaszék teilnahmen. Sie erlebten »Europa in Miniatur«.
Weiter sehr erfolgreich ist die Schachspielerin Anna Rudolf, die von der Stadt als erfolgreiche Sportlerin geehrt wurde und auch von der Region und dem Staat Fördergelder erhält. Zuletzt belegte sie bei einem internationalen Turnier in Finnland unter 104 Teilnehmern den 6. Platz. In der 12-jährigen Anna Werner rückt eine weitere Bátaszéker Schachspielerin nach, denn sie belegte bereits gute Plätze bei Wettkämpfen im ganzen Land.
Alt und Jung feierten anlässlich der »Heimatwoche im Zeichen des deutschen Volkstums« mit Volkstänzen, Trachtenausstellungen, gemeinsamem Essen und Fototerminen.
Eine Stiftung für Waisenkinder ist geplant. Allgemein kann jeder Bürger ein Prozent seines Einkommens nach eigener Wahl für einen sozialen Zweck abgeben, was dann bei der Steuer angerechnet wird. Der Gemeinderat bittet nun, in die Stiftung einzuzahlen. Dazu hofft man auch, dass einem Antrag bei der EU um Gelder für die Stiftung stattgegeben wird.
Die Bürger wurden aufgerufen, ihren Abfall wenn möglich zu kompostieren und nicht zu verbrennen, um Rauch und Feuergefahren zu vermeiden. Beratung kann man im Rathaus oder über das Internet bekommen.
Im August fanden in allen Fächern Nachprüfungen für Schüler statt, die in der Schule ein Klassenziel nicht erreicht haben. Bei gutem Fleiß in den Ferien kann ein Schüler in der Prüfung zeigen, dass er nun doch das Können und Wissen für die nächste Klasse erworben hat. In feierlicher Weise wurde am 31.August das neue Schuljahr begonnen und den Schülern mitgeteilt, welche Lehrer sie erhalten und nach welchem Stundenplan unterrichtet wird. Die Schüler mussten dazu in festlicher Kleidung erscheinen.
Gustav Bächler, Adelheid Teiber
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