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GESCHICHTE & ZEITZEUGEN
80 JAHRE NACH DER VERTREIBUNG

NACH DEM KRIEGSENDE 1945 HABEN DIE SIEGERMÄCHTE BESCHLOSSEN, DIE DEUTSCHEN AUS IHRER HEIMAT ZU VERTREIBEN

NACH DEM KRIEGSENDE 1945 HABEN DIE SIEGERMÄCHTE BESCHLOSSEN, DIE DEUTSCHEN AUS IHRER HEIMAT ZU VERTREIBEN
1950, Hammerwegsiedlung Mosbach. Hier wurden nach der Vertreibung 1946 ca. 1000 Vertriebene untergebracht.
1946: Vertreibung aus Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei – Ankunft im Kreis Mosbach

1939-1945 – ein verbrecherischer Krieg, der von Deutschland begonnen und verloren wurde. Es war der schlimmste Krieg, in dem Millionen Männer aus allen Kriegsgebieten gefallen sind, verwundet wurden oder in Gefangenschaft gerieten, wobei über 30 Millionen Männer, Frauen und Kinder den Tod fanden. [Anm. d. Red.: Die heutige Geschichtsforschung geht weltweit von mehr als 60 Millionen Kriegstoten aus.] 

Nach dem Krieg waren deutsche Städte zerbombt und lagen in Schutt und Asche. Es herrschten Anarchie und eine unvorstellbare Not. Frauen wurden vergewaltigt, Menschen totgeprügelt, und viele starben an Hunger. Deutschland war zerstört.

Die Siegermächte USA, Großbritannien und die Sowjetunion fassten im August 1945 auf der geschichtsträchtigen „Konferenz von Potsdam“, nach den Beschlüssen der Konferenzen von Jalta und Potsdam, den Beschluss, dass Teile der deutschen Bevölkerung aus Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei nach Deutschland umgesiedelt werden sollten.

1946 begann die planmäßige Umsiedlung, die Vertreibung der Deutschen aus dem Südosten. Es wurden über 12 Millionen Menschen aus ihrer jahrhundertealten Heimat in Ostpreußen, Schlesien, Pommern, Böhmen, dem Sudetenland und aus Ungarn grausam vertrieben.

Die Folgen dieses Beschlusses machten sich auch im damaligen Altkreis Mosbach bemerkbar. Am 1. Februar 1946 erreichte der erste Transport aus Budaörs mit 1.150 Heimatvertriebenen das Auffanglager Neckarzimmern. In 21 weiteren Transporten kamen aus Ungarn, dem Sudetenland und Polen bis September 1946 über 23.613 Vertriebene in Neckarzimmern an und wurden von hier auf den Altkreis Mosbach und andere Orte verteilt. 

Bürgermeister Georg Hoffmann leitete damals in Neckarzimmern die Verteilung der Vertriebenen auf die Kreise und Kreisgemeinden.

Zahlreiche Vertriebene wurden im freigewordenen Strafgefangenenlager am Hammerweg in Mosbach, in ehemaligen KZ-Außenlagern in Neckarelz, Obrigheim, Aglasterhausen und Neckargerach sowie in Baracken in Diedesheim, Sattelbach, Neckarburken, Hüffenhardt, Neudenau und Neckarzimmern untergebracht.

Den Behörden, Kirchen, sozialen Einrichtungen, Vereinen und der einheimischen Bevölkerung unseres Raumes gelang nach anfänglichem gegenseitigem „Abtasten“ eine schnelle Integration der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge im Altkreis Mosbach. Dieses Entgegenkommen und Zusammenwachsen weckte bei vielen Neubürgern bereits in den 1950er Jahren den Wunsch, sesshaft zu werden.

Nachdem ab 1950 die Baugenossenschaft „Mein Heim“ die ersten mehrgeschossigen Genossenschaftshäuser zum Einzug bereitstellte, entstand ein reger Wohnungsbau am Hammerweg, im Bauernbrunnen und in anderen Bereichen Mosbachs sowie des gesamten Kreises. Die Ein- und Zweifamilienhäuser wurden hier in Selbst- und Nachbarschaftshilfe errichtet. Im Tal „Gewann Masseldorn“, das damals unbebaut war, entstand die größte Siedlung in Mosbach für die Heimatvertriebenen.

Schwer war die Vertreibung aus der Heimat. In der neuen Heimat angekommen, mussten die Vertriebenen ein neues Leben aufbauen. Nach anfänglicher Ablehnung und Skepsis durch die einheimische Bevölkerung nahmen die Vertriebenen ohne Hass und Missgunst ihr Schicksal in die Hand. Sie krempelten in Deutschland die Ärmel hoch und halfen tatkräftig mit, dass in wenigen Jahren ein wirtschaftlich starkes Land entstand. Durch ihren Fleiß, ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erwarben sie sich eine Anerkennung, die in wenigen Jahren ein friedliches Zusammenleben in der neuen Heimat ermöglichte. Es wurden viele Freundschaften geschlossen, die noch bis heute anhalten. Die einheimische Bevölkerung und die Vertriebenen sind trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit den Jahren zusammengewachsen. Sie haben sich in vielen Vereinen engagiert, sich in die Bevölkerung integriert und wurden zu anerkannten Mitbürgern.

Die Heimatvertriebenen leisteten einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau Deutschlands. 
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