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GESCHICHTE & ZEITZEUGEN

ERINNERN, VERSÖHNUNG UND EIN GEMEINSAMES MITEINANDER

GEDENKVERANSTALTUNG ZUM 80. JAHRESTAG DER VERTREIBUNG DER UNGARNDEUTSCHEN
ERINNERN, VERSÖHNUNG UND EIN GEMEINSAMES MITEINANDER
Dr. Tamás Sulyok, Prof. Dr. Andreas Weber, Frank-Walter Steinmeier, Ulrike Scharf (v.l.n.r.)
Aus diesem Anlass fand ein Festakt in der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz in München am 19. Januar 2026 statt. Als bisher einziges Land hat Ungarn bereits 2012 einen eigenen Gedenktag für die vertriebenen Ungarndeutschen eingeführt, die nach den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz, beginnend mit dem 19.1.1946 ihre Heimat verlassen mussten. Rund 225 000 Deutsche wurden von 1946 bis 1948 in Ungarn enteignet und in Viehwaggons deportiert, die meisten nach Baden-Württemberg und Bayern. Aber auch in die sowjetische Besatzungszone, insbesondere nach Sachsen. Bereits Ende 1944 flüchteten die ersten Deutschen vor den Sowjets – ebenfalls mit Pferdegespannen nach Westen.

Die Veranstaltung wurde von hochrangigen Vertretern der bayerischen, deutschen und internationalen Politik besucht, darunter Prinz Ludwig von Bayern, Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter des Bundesregierung für Aussiedler und nationale Minderheiten, Stefan Mayer, Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV), Dr. Petra Loibl, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, von Leitern der Kulturzentren, sowie von führenden Vertretern der Landsmannschaften der Deutschen aus dem östlichen und südöstlichen Mitteleuropa. Für unsere Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (LDU), Landesverband Bayern, war unser Vorsitzender Georg Hodolitsch mit eingeladen.

Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, organisierte und moderierte die Veranstaltung. Hierzu hatte er im Vorfeld auch unseren LDU-Vorsitzenden mit eingebunden.

Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, und stellvertretende Ministerpräsidentin, begann mit den Grußworten. Sie schilderte sehr bewegend die Enteignung, zerrissene Familien, den Heimatverlust, die Mütter, die ihre Kinder festhalten und doch keinen Schutz geben können. Sie habe tiefen Respekt vor den Ungarndeutschen, die mit Hoffnung und Fleiß unser Land mitgeprägt und mit aufgebaut haben – mit ihrer Kultur, mit ihrem Glauben, mit ihrer Tatkraft. Bayerns Verantwortung sei es, die Erinnerung an die Vertreibung wachzuhalten: „Das ist nicht Vergangenheit, das ist ein Vermächtnis. Wer Frieden will, muss sich erinnern. Wer Verständigung will, muss zuhören. Wer Europa will, muss Brücken bauen.“

Ein weiteres Grußwort im fließenden Deutsch sprach Dr. Peter Györkös, Botschafter von Ungarn in der Bundesrepublik Deutschland, und fügte private und familiäre Gegebenheiten ein. Die Einbindung Ungarns in die europäische Gemeinschaft sei ihm sehr wichtig.

Für den ungarischen Staatspräsidenten Dr. Tamás Sulyok war dieser der erste offizielle Besuch in Deutschland seit seinem Amtsantritt im März 2024. Er betonte in seiner Ansprache die bemerkenswerte Friedensleistung, sowohl der deutschen Minderheiten in Ungarn, als auch der heimatvertriebenen Deutschen. Er entschuldigte sich höchstpersönlich für die Vertreibung der Ungarndeutschen aus seinem Land.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ging in seiner Rede auf die bemerkenswerten Versöhnungschritte Ungarns bei der Schaffung des Gedenktages ein. Ein aufeinander Zugehen, ein Miteinander und ein geeintes Handeln wurden dadurch in Deutschland und Ungarn möglich. Dadurch wird es auch ein starkes Europa sein, das sich in der Welt behaupten kann. Er sieht die Ungarndeutschen als kulturelle und politische Brückenbauer und damit auch als Träger der europäischen Verständigung.

Olivia Schubert, die Präsidentin der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) und stellvertretende Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU) sagte in ihrer Ansprache, dass die Vertreibung „kein abstraktes historisches Ereignis“, sondern „konkret, brutal und zutiefst persönlich“ gewesen sei. Gedenken bedeute daher für die Ungarndeutschen mehr als Rückschau, „es ist ein Akt der Würde“. Die Ungarndeutschen lebten heute als anerkannte nationale Minderheit in Ungarn, pflegten ihre Sprache und Kultur und verfügten über politische Teilhabe. Dies sei das Ergebnis eines langen Weges und eines politischen Willens zur Versöhnung. Sie machte deutlich, dass Minderheitenschutz kein Randthema, sondern ein Prüfstein für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Frieden sei. 
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