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Kultur

»Mit jedem Gedicht und Gemälde verlängere ich mein Leben«

Ausstellung »János Bella – Spätlese« in der Galerie im Helferhaus in Backnang
Religiöse Themen um Adam und Eva bei János Bella
Fotos: kjl
Das Werk des vor 250 Jahren geborenen Dichters Friedrich Hölderlin fasziniert János Bella. Bei der Eröffnung seiner Ausstellung in der Galerie im Helferhaus in Backnang erzählte er, dass er nach seiner Ankunft in Deutschland schnell den Hölderlinturm in Tübingen entdeckt habe. Schon damals habe ihn das Gebäude fasziniert, von dessen berühmtem Bewohner er schon in der Schulzeit in Ungarn Gedicht gelesen habe. Nun setzte János Bella den Dichter Hölderlin ins Zentrum eines Bilderreihe, die Werke der Literatur reflektieren und in Bildmotive umsetzen. Die Bilder zu Hölderlin wurden selbst zu einem kleinen Zyklus.

Da sitzt der Dichter an einem Tisch mit einem Glas Rotwein und einer Sonnenblume. Doch scheint der Tisch im Wasser zu stehen. Im Neckar schwimmen zwei Schwäne, deren Hälse sich zu einem Herz formen. Hinten sehen wir links herbstliches Laub, während rechts der Turm in Tübingen mit Schnee bedeckt ist. »Hälfte des Lebens« hat Bella das Bild betitelt. Die Textzeile »Am Ende wirst Du es finden« hat Bella gleich zu zwei Bildern inspiriert. Man könnte das Glück zu zweit finden, so sieht man auf einem Bild ein eng beieinander sitzendes Paar mit einer Sonnenblume. In der anderen Variante spielt Bella auf das literarische Glück an: hier ist der Dichter Hölderlin auf einem Hocker sitzend und schreibend dargestellt. Doch ist sein Blick nicht auf das Blatt gerichtet, sondern, als habe er gerade eine Eingebung, auf eine weiße Frauenfigur, vielleicht eine ihn inspirierende Muse. Mystisch verschwommen bleibt die Frauenfigur. Eine Art weißen Nebel hat Bella zwischen sie und Hölderlin gesetzt. Um die Traumsituation noch zu verstärken, bleibt der Raum verwischt. Im Thema ähnlich, doch in der Darstellung viel detaillierter ist das Bild mit der Textzeile »An die Hoffnung«. Wie auf der Rast bei einem Spaziergang sitzt Hölderlin auf einer Bank im Grünen. Leuchtend grün ist auch der Wald im Hintergrund, doch blutrot ist der Himmel dahinter, aus dem eine Teufelsfratze zu Hölderlin blickt. Wieder gibt es eine geisterhafte Erscheinung, eine verschleierte Frauenfigur, des Äthers Tochter, die, mit kalten Farben versehen, mehr schwebt als steht.

Auch andere Dichter setzte Bella in Bilder um, Hans Sahl und Bert Brecht etwas. Eindrücklich ist das Porträt Heines, der markant reduziert auf wenige skizzenhafte gesetzte schwarze Pinselstriche, den Kopf auf eine Hand gestützt, über Deutschland nachdenkt: »Denk ich an Deutschland in der Nacht …« Kopf und Körper hat Bella mit einem kühlen Türkiston unterlegt, der dramatisch vom glutroten Hintergrund absticht. Und dann ist da noch Goethes »Erlkönig« mit einem galoppieren Reiter.

Auch im Alter malt János Bella eifrig. Die Ausstellung zum 85. Geburtstag, die vom 1. Bis 22. März im Backnanger Helferhaus zu sehen war, bot einen neuerlicher Ansporn. Zwei Etagen waren gefüllt mit den Arbeiten der letzten Jahre. Und János Bella dichtet seit vielen Jahren auch. Bei der Ausstellungseröffnung am 1. März trägt er einige Gedichte vor, musikalisch unterlegt von seinem Sohn Markus Bella. Eines davon mit dem Titel »Wahrlich« macht sein Lebensmotto deutlich: »Mit jedem Gedicht und Gemälde verlängere ich mein Leben. Denn während ich damit beschäftigt bin, hab ich nicht mal zum Sterben Zeit.« So spricht der unermüdliche Künstler. Das Helferhaus ist voll bei dieser Ausstellungseröffnung. Angesehen und bekannt ist Bella in Backnang als Künstler. Seit vielen Jahren lebt er hier. Er stammt aber aus Ungarn, wurde 1935 in Endröd geboren, einer kleinen Gemeinde im Flachland im Südosten Ungarns. Das Kunstgymnasium in Budapest legte für Basis für eine künstlerische Ausbildung. Die Hochschule für Kunstgewerbe in Budapest und die Pädagogische Hochschule in Szeged prägten den weiteren Weg. Die ungarische Revolution im Oktober 1956 veränderte sein Leben. Er floh im Anschluss in den Westen. In Stuttgart besuchte er die Kunstakademie und war am Staatstheater als Theatermaler tätig. In Backnang unterrichtete er viele Jahre als Kunsterzieher an der Schickhardt-Realschule und prägte so ganze Generationen junger Menschen. Bei ihm konnte man die handwerklichen Fähigkeiten des Zeichnens erlernen. Mit Blechkannen schulte er das räumliche Sehen. Auch Erwachsene führte er zur Kunst. Die Künstlergruppe »Maler der Baracke« entstand aus einem Malkurs bei ihm und wurde über viele Jahre künstlerisch von ihm geschult und begleitet. Der Name rührt übrigens von den Räumlichkeiten her, einer »Baracke« im Hof der Schillerschule. Und er war selbst als Künstler tätig. Sein Malstil mit den kräftigen Konturen war und ist markant.
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