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Kultur

Flamboyance – phantastische Welten

Die erste Ausstellung im neuen ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart zeigt Gemälde von Máté Orr
Eröffnung der Ausstellung »Flamboyance« im ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart: der Künstler Máté Orr, Institutsdirektor Dezsö Szabó und die Leiter der Galerie Várfok in Budapest Krisztina Kovács und Károly Szalóky
Fotos: kjl
Ein markantes großformatiges Gemälde ist gerade der Blickfänger im Eingangsbereich der neuen Räume des neuen Ungarischen Kulturinstuts in Stuttgart. »Waschen Sie zuerst Ihre Birnen« lautet der Titel. Tatsächlich weist ein leuchtend roter Speer, der unseren Blick diagonal in die rechte untere Ecke lenkt, auf zwei grüne Birnen hin. Überaus realistisch sind sie gemalt. Man mag sie fast von dem roten Tischchen wegnehmen und anbeißen. Auch der Glaskrug ist realistisch gemalt. Ganz im Gegensatz zu dem kleinen roten Tischchen mit den Rehbeinen. Es ist unter bewusstem Verzicht auf jegliche Zentralperspektive in isometrischer Projektion dargestellt. Allerdings sieht man nur die äußere Kontur des Symbols Tischchen. Auf die Darstellung der Kanten hat der Maler verzichtet. Der Fußboden mit quadratischen Fliesen ist in der Darstellung noch weiter von den superrealistischen Birnen entfernt. Wir sehen ihn gewissermaßen hochgeklappt. Das Zentrum des Bilds nimmt allerdings ein wieder ganz realistisch gemalter nackter Reiter ein. Den Saurier, auf dem er reitet, sehen wir wiederum nur als Fläche. Dass der Reiter statt eines Männerkopfes einen ganz flächig gemalten Hahnenkopf besitzt, treibt das Spiel der Malweisen noch weiter.

Dass realistisch gemalte Motive mit Elementen, die wie aus farbigen Papieren ausgeschnitten wirken, kontrastieren, gehört zu den Dingen, mit denen Máté Orr die Betrachter verwirrt. Eigentlich unvereinbare Stilrichtungen vereinigt er in seinen Bildern. Noch verwirrender wird die Sache, wenn man die Perspektiven genauer anschaut. Die realistischen Objekte sind natürlich in perspektivischer Verkürzung. Andere Motive zeigt er in Isometrie. Man hat fast den Eindruck, es ist eine Umkehrperspektive. Der Vergleich mit einem mittelalterlichen Tafelbild scheint bei manchen Bildern gar nicht so unpassend. Und sofern Máté Orr überhaupt einen Fußboden zeigt und die Bildmotive nicht einfach in einer undefinierbaren Fläche schweben lässt, dann stellt er ihn einfach von oben dar – ohne jegliche Verkürzung malt er Fliesenfußböden als drastisch geometrisches Muster. In gewisser Weise paart Máte Orr die altmeisterliche Malerei mit konkreter Kunst, Kubismus, Comic und Op-Art.

Und auch Symbolismus und Surrealismus ist nicht zu vergessen. Denn die Bildmotive sind nicht einfach Abbildungen der Welt. Der Fuchs in »Fuchs mit Samtohren« mag ja einfach als Tier durchgehen, auch wenn ein Fuchs normalerweise nicht auf einem Sofa sitzt. Oft sind Tiere und Menschen bei Máté Orr aber Mischwesen wie der eingangs beschriebene Reiter mit Hahnenkopf. Auf einem Bild sieht man Hasen mit Leopardenfell. Im Bild »Flamingo und Frosch« sitzen ein Mann und eine Frau an einem Tisch. Die Frau trägt über dem blauen Kleid eine absurde Halskrause, aus der ein Flamingokopf mit langem Hals herauskommt. Der Mann hat einen Froschkopf. Er hält mit einer Hand ein Hühnerei, aus dem ein Wesen zu schlüpfen scheint, dessen Beine an einen Flamingo erinnern. Das mag bei einem Vogel ja noch passen. Doch auf dem Bild liegt noch ein zweites Ei – und daraus schlüpft ein Frosch.

Das Motto der Ausstellung, Flamboyance, ist der Titel eines Bildes mit drei Flamingos mit verschlungenen Hälsen, einer ganz realistisch gemalt, zwei in starker Vereinfachung. Unter ihnen liegt auf einem Fliesenfußboden ein zusammengekrümmter nackter Mann. Manche Motive kehren immer wieder, Männer im Anzug mit dem Kopf eines Rehbocks, der rote Samtvorhang, der Saurier, der Kohlkopf. Nicht von ungefähr sind Assoziationen mit Werken eines Giorgio de Chirico oder Max Ernst oder gar mit den fantastischen Wesen eines Hieronymus Bosch angebracht. Die gedeckten Tische verweisen auf niederländische Stillleben des sog. Goldenen Zeitalters. Und immer wieder baut Máté Orr Zitate aus der Kunstgeschichte ein.
Lesen Sie mehr in der Printausgabe.

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