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Zum Feierabend

Der englische König Richard Löwenherz

König – Ritter – Gefangener – Landesausstellung in Speyer
Matthew Paris: Abbreviatio Chronicorum, entstanden 1250–1259. Der Ausschnitt zeigt Richard I. Löwenherz.
Foto: ©The British Library Board
»Richard Löwenherz tritt uns in den Quellen als großgewachsen, kraftvoll mit strahlend blauen Augen entgegen und galt in seiner Zeit als der ideale Held der höfischen Welt. Im Kampf stand er mutig und entschlossen stets in der ersten Reihe«, so der Mittelalterspezialist Prof. Dr. Stefan Weinfurter. Keiner konnte ihm widerstehen, seine Handlungen und Entscheidungen waren stets eindeutig, er bot seinen Anhängern Sicherheit und Erfolg und verkörperte wie kein anderer seiner Zeitgenossen die königliche Autorität. Das Königreich England gelangte unter ihm zu größtem Ansehen. Schon zu seinen Lebzeiten waren alle Voraussetzungen für seinen Mythos geschaffen. Sogar seine Gefangenschaft, die er 1193 vor allem in Speyer und Worms verbrachte, konnte seinem Ruhm nichts anhaben.« Bis heute ist der Name des englischen Königs Richard Löwenherz mit der legendenhaft verklärten Vorstellung vom idealen Ritter und tatkräftigen König verknüpft. Wie kommt es zu diesem Mythos? Was zeichnet die Figur Löwenherz aus, dass sie seit Jahrhunderten als Projektionsfläche für Ritterlichkeit und Wagemut dient?

Richard Löwenherz war der Sohn des englischen Königs Heinrichs II. aus dem Geschlecht der Plantagenet. Über seine Großmutter Mathilde war er ein Ururenkel des Normannenherzogs und englischen Königs Wilhelm der Eroberer. Seine Großmutter Mathilde hatte auch Beziehungen nach Deutschland. Sie war in erster Ehe mit Heinrich V., dem letzten salischen Kaiser, verheiratet. Nach seinem Tod 1125 kehrte sie nach England zurück und heiratete Gottfried Plantagenêt, Graf von Anjou. Dieser Ehe entstammte der englische König Heinrich II. Berühmt ist dieser englische König heute vor allem durch die Ermordung Thomas Beckets.

Thomas Becket war zunächst enger Vertrauter Heinrichs II. und ab 1155 dessen Kanzler. 1162 ernannte ihn Heinrich II. zum Erzbischof von Canterbury. Die Frage der Gerichtsbarkeit über den Klerus führte jedoch zum offenen Konflikt mit dem König. Becket legte sein Kanzleramt nieder und trat fortan kompromisslos für die Belange der Kirche ein. 1170 wurde Becket von vier Rittern, die die Beschwerden des englischen Königs als Auftrag zum Mord aufgefasst hatten, in der Kathedrale von Canterbury ermordet. Sein Tod wurde schnell als Martyrium für die Freiheit der Kirche verstanden und Becket bereits nach wenigen Jahren als Heiliger verehrt. Obwohl Heinrich II. stets beteuerte, die Tat nicht gewollt zu haben, stürzte ihn die Ermordung Beckets in die schwerste Krise seiner Regierungszeit. Auf Druck des Papstes musste Heinrich II. am Grab Beckets öffentlich Buße tun. Canterbury wurde in kürzester Zeit zu einem europaweit bekannten Wallfahrtsort.

Die aus dem französischen Anjou stammende Herrscherdynastie der Plantagenet stellte in direkter Linie von 1154 bis 1399 die englischen Könige. Die politischen und dynastischen Bestrebungen des Hauses Anjou zeigten sich auch im Heiligen Land: Durch die Heirat Graf Fulkos von Anjou mit Melisende stiegen sie zu Königen von Jerusalem auf. Neben dem französischen Königsgeschlecht der Kapetinger und den Kaiserhäusern der Ottonen, Salier, Staufer und Welfen gehört das Haus Anjou-Plantagenêt zu den wichtigsten Herrscherdynastien des europäischen Mittelalters. Gottfried V., Graf von Anjou, Gemahl Mathildes von England und Vater König Heinrichs II., gab dem Herrschergeschlecht wohl den Namen: plante genêt, französisch für Ginsterzweig, den er als Helmzier zu tragen pflegte.

Richards Mutter war Eleonore von Aquitanien, durch ihre enorme Mitgift nicht nur eine der reichsten Frauen der Zeit sondern durch ihre spektakuläre Scheidung vom französischen König Ludwig VII. auch eine Berühmtheit.

Der Hof in Poitiers war einer der kultiviertesten seiner Zeit. In der Kathedrale von Poitiers fand 1152 die Hochzeit von Heinrich II. und Eleonore statt, bevor Eleonore ihrem Gatten nach England folgte. Ende der 1160er Jahre verlagerte Eleonore ihren Wohnsitz zurück nach Aquitanien, mit ihr kam der junge Richard. Auch wenn der Hof in Poitiers als Zentrum höfischer Dichtung und Eleonores Rolle als Mäzenin von Troubadouren bislang vermutlich überschätzt wurde, so fand Richard hier doch ein höfisches Umfeld mit Festlichkeiten, Musik, Tanz und ritterlichen Turnieren vor. Dichter und Troubadoure sorgten für einen engen kulturellen Austausch zwischen Aquitanien und den iberischen Königshöfen. Eleonore selbst war in engem Kontakt zur höfischen Dichtung aufgewachsen; ihr Großvater Wilhelm IX. von Aquitanien gilt als »erster Troubadour« und hatte der Dichtung in der Landessprache okzitanisch zum Durchbruch verholfen. Auch als englische Königin förderte sie gemeinsam mit ihrem Mann Heinrich II. höfische Literatur und Geschichtsschreibung.
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