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Zum Feierabend

Auftakt der Vertreibung: Das Sammellager in Zanegg (Mosonszolnok) 1945

Erinnerung auf dem Zanegger Treffen 2015
Gedenkplatte zur Erinnerung an das Sammellager Zanegg
Foto: Gretel Weisz
Im August 2015, also vor 70 Jahren, begann die Vertreibung der Deutschen Bewohner vom Heideboden mit dem Sammellager in Zanegg (Mosonszolnok). Die damaligen Ereignisse beschreibt Johann Neuberger in seinem Buch »Das war Zanegg«: Ungarn erreichte bei der Potsdamer Konferenz der Siegermächte, in der über die Nachkriegsordnung entschieden wurde, dass die Deutschen aus Ungarn »in ordnungsmäßiger und humaner Weise« ausgesiedelt werden konnten. Die nationalistischen Politiker Ungarns konnten nun mit Rückendeckung dieses Abkommens ihre Siedlungspolitik im Komitat Wieselburg vollenden, die schon 1938/39 mit der Ansiedlung von Magyaren in Ronafö und Pünkösdvàsàr/Vàrbalog begonnen hatte. Nun sollten die Einwohner der deutschen Gemeinden nach Deutschland deportiert und in ihren Häusern Magyaren angesiedelt werden.

Schon vier Wochen nach dem Abschluss der Potsdamer Konferenz wurde Zanegg Sammellager für die deutsche Bevölkerung des Komitats Wieselburg. Die Insassen nannten es »Zanegger Getto«. Als erste wurden Ende August 1945 die Bewohner der Nachbargemeinde Kaltenstein nach Zanegg gebracht. Fast vollständig, ohne Rücksicht auf die politische Einstellung vor 1945 wurden sie aus den Häusern hinausgeworfen. Sie luden die wenigen persönlichen Habseligkeiten, die sie mitnehmen durften, auf Wagen und fuhren damit nach Zanegg, wo sie auf die Häuser verteilt wurden.

Dieser erste Akt der Vertreibung erfolgte auch nach dem damaligen ungarischen Recht illegal, denn die erste Vertreibungsverordnung wurde erst vier Monate später, am 22. Dezember 1945 von der ungarischen Regierung beschlossen. Im September 1945 wurde die Bevölkerung von Maria-Gahling (Máriakálnok) nach Zanegg gebracht, im Spätherbst und Winter folgten beträchtliche Teile der Gemeinden Ungarisch-Kimling (Magyarkimle), Ragendorf (Rajka), Karlburg, Straßsommerein (Hegyeshalom), Sankt Johann (Mosonszentjános), Sankt Peter (Mosonszentpéter) und Wieselburg (Moson).

Die Häuser in Zanegg waren im Winter 1945/46 mit Menschen aus den Nachbarorten überfüllt. In manchen Häusern waren zusätzlich drei weitere Familien untergebracht. In den größten Bauernhäusern richteten sich Hunderte von Polizisten und die Angehörigen der Aussiedlungsbehörde ein. Die Lebensmittel wurden unter den Vertriebenen immer knapper. Die Unterkünfte der Vertriebenen in Zanegg waren gar nicht oder nur dürftig beheizt. Das lange Warten und die Ungewissheit quälten die Menschen. Die Zanegger hatten es leichter. Sie konnten in ihren eigenen Häusern bleiben. Trotz der häufigen Requirierungen und Abgaben hatten sie noch Getreide und etwas Vieh. Die Menschen in Zanegg wurden immer mehr schikaniert. Auch ältere Männer wurden zum Robot, zur Arbeit auf den Straßen oder an anderen Stellen im Dorf geholt.

In den letzten Wochen vor der Deportation nach Deutschland wurde das Dorf vollständig abgesperrt. Nur mit Passierschein konnte es verlassen werden. An den Wegen standen Polizisten. Im Dorf waren Patrouillen unterwegs. Geheimpolizisten in Zivil kontrollierten nicht nur die Insassen des Sammellagers, sondern auch die gewöhnlichen Polizisten, die ja nicht alle Deutschenhasser oder Kommunisten waren. So mancher im Zanegger Lager war schließlich erleichtert, als die Deportation im April 1946 begann. So widersprüchlich es klingen mag: Nach einem halben Jahr schlimmer Entbehrung und sinnlosen Wartens war es doch verständlich.

An diese Ereignisse, die nun 70 Jahre zurückliegen, wird beim Zanegger Treffen in Leinfelden- Echterdingen am Samstag, den 18. Juli 2015 erinnert.
Gretel Weisz
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