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Reinhold Drescher 90

Ein bekannter und erfolgreicher Pädagoge aus Kaltenstein (Levél)
Reinhold Drescher 90
Reinhold Drescher erblickte am 23. Mai 1923 in Kaltenstein (Levél) am Heideboden, im Komitat Wieselburg (Moson) das Licht der Welt. Seine Wiege stand in der Höhgasse, in welcher sogenannte »Söllner« lebten, Kleinbauern, die durch zahlreiche Erbteilungen zu solchen geworden waren.

Er besuchte die evangelische Volksschule, die zwei kombinierte Klassen besaß und bis Ende September 1944 bestand. Der Wechsel in das angesehene Altenburger piaristische Gymnasium erfolgte aufgrund eines Gespräches seines Vaters mit dem Direktor anlässlich der Bezahlung seines Pachtzinses. Sommers radelte er von Hause in die ca. 5 km entfernte Schule und winters konnte er bei einer Tante in der Nähe des Gymnasiums wohnen.

Durch den frühen Tod des Vaters galt es nun die Lebensgrundlage für die Mutter zu erhalten, was mithilfe guter Nachbarn wie Ormos und Hutfleß gelang.

Zum besseren Erwerb der muttersprachlichen Kulturwelt wechselte der Jubilar auf Vermittlung von Senior Schrödl und Empfehlung von Superintendent Molitoris auf das deutschen evangelischen Obergymnasium in Bistritz in Siebenbürgen. Durch die Übersiedlung eines Zweiges des Hermannstädter Lyzeums für Lehrerbildung nach Bistritz ergab sich die Möglichkeit der Weiterbildung zum Lehrerberuf mit Abschluss des I. Staatsexamens mit »Reife« zum Schuldienst. Nach einem medienwissenschaftlichen Studium mit Volontariat verdiente er sich den Unterhalt durch Aufsätze, Vorträge und Umbruchstätigkeit bei Zeitschriften verbunden mit Reisen u. a. nach Wien, wo er durch einen Luftangriff einen Lungenriss erlitt, von dem er sich nur schwer erholte.

Nach dem Krieg fand er nach längerer Suche seine Mutter in Schalding bei Passau wieder, wohin sie auf der Flucht mit anderen Kaltensteinern auf einen Donaudampfer gelangt war. Für den Einstieg ins Berufsleben als Pädagoge war er bereits vom evangelischen Wiener Landesbischof für das burgenländische Schulwesen vorgesehen. Nun aber in Bayern angekommen, verwies man den protestantischen Berufsaspiranten nach Franken, wo ihm aufgrund seiner Zeugnisse die Bezirksregierung eine Zusage erteilte und bei Vorstellung im Regierungspräsidium ein betagter Beamter fragte, ob er mitwirken wolle, »unser armes Vaterland wieder aufzubauen«. Aus dieser Bejahung wurde ein interessanter und steiler Werdegang des »Heidebauern«.

Im Rahmen seiner Junglehrerzeit absolvierte er das zweite Staatsexamen 1950 in Nürnberg und wurde ein fränkischer Neubürger, quasi als letzter Nachzügler zu den nach dem 30-jährigen Krieg aus Niederösterreich ausgewiesenen Protestanten, die im verwüsteten mittelfränkischen Raum eine neue Existenz fanden.

Bereits im ersten Dienstort, in Elpersdorf bei Ansbach, entstanden unter Mithilfe befreundeter Nachbarn und des Flüchtlingskommissars Mommsen, ein Verwandter des großen Historikers, Voraussetzungen, sich häuslich niederzulassen. Er ehelichte Isolde Fabian, eine siebenbürgische Dame aus Sächsisch-Regen, deren Eltern von seiner Mutter als Flüchtlinge aufgenommen worden waren. Er wurde Vater von zwei Töchtern.

Dreschers hauptsächlicher beruflicher Wirkungskreis wurde der Regierungsbezirk Mittelfranken, wo er als Lehrer, dann als Schulleiter der im Sinne Peter Petersens geführten Reformschule in Obereichenbach, als Seminarrektor, Schulrat und zuletzt als Abteilungsdirektor für das Schulund Bildungswesen (Dezernent) in einer bildungspolitisch brisanten Zeit tätig war. Durch seine schriftstellerische Tätigkeit wurde er im ganzen Bundesgebiet bekannt, namentlich als Schriftleiter des Organs »Die bayerische Schule« und als Herausgeber der Zeitschrift »Unterrichten und Erziehen«. Ein 17-bändiges im Verlag Wolf zu Regensburg herausgegebenes pädagogisches Werk, an dem Fachleute der Universitäten und Seminare sowie Lehrer der Praxis mitwirkten, hatte die Aufmerksamkeit der Lehrerschaft zu Zeiten der Lernzieldiskussion (nach dem »Sputnikschock«) auf sich gezogen. [...]
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