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175 Jahre Auswanderung aus dem Zillertal

175 Jahre Auswanderung aus dem Zillertal
Ein restauriertes Tirolerhaus
In diesem Jahr jährt sich zum 175. Male das Jahr der Auswanderung evangelischen Christen, die dem großen Druck, den die Regentschaft des katholischen Fürsterzbischofs von Salzburg auf die Protestanten ausübte, nicht mehr ertragen konnten. So zogen 1837 in vier Gruppen 416 Menschen mit Genehmigung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. über die Gebirge in das 700 km entfernte Schlesien. Sie siedelten am Fuße des Riesengebirges in Erdmannsdorf (jetzt Myslakowice) und bauten ihre Häuser nach der Tiroler Bauart und lebten mit der angestammten Bevölkerung friedlich zusammen. Von den einst 67 Häusern dieser Bauart sind heute noch einige erhalten geblieben, ja es entstehen heutzutage sogar neue Holzhäuser.

1856 machte sich eine ganze Reihe dieser Zillertaler auf die weite und vier Monate dauernde Reise in das deutschfreundliche Chile auf. Im Süden dieses Landes gründeten sie am Lianquhuesee eine Tiroler Siedlung. Diese hat noch heute Bestand und zählt rund 600 Nachfahren. Im November, 2006 also 150 Jahre nach der Ansiedlung, weilte eine 56köpfige Delegation aus dem Zillertal zur Gedenkfeier in Chile. 2009 kam es dann zum Gegenbesuch der »Chilenen«, die das Zillertal, aber auch Dresden, Breslau und die Heimstätte ihrer Vorfahren in Erdmannsdorf besuchten.

Dieses Jahr findet die Gedenkfeier in Mayrhofen im Zillertal zu Pfingsten statt. Bereits im Oktober 2011 begannen die Vorbereitungen. Auf dem Programm stehen die Einweihung eines Denkmals für die Auswanderer, Gottesdienste, Vorträge, Buchvorstellungen und gemeinsame Treffen. Das Zentrum dieser Feierlichkeiten, die vom 25. vom 28. Mai stattfinden, ist das Europahaus in Mayrhofen. Dabei wird auch an die tragischen Ereignisse von 1945 erinnert werden, als die Nachfahren der Auswanderer völlig unschuldig, da sie deutsch sprachen aber in Wirklichkeit Österreicher waren, aus Erdmannsdorf vertrieben wurden. Sie sind über ganz Deutschland verstreut und damit ist die Tiroler Siedlung, die jetzt in Polen liegt, praktisch tot. Dennoch erinnert der besondere Baustil der Häuser im Hirschberger Tal immer noch an die Zerwürfnisse, die es im deutschsprachigen Raum durch den Glauben gab.
Heinz Noack
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