archivierte Ausgabe 5/2012 |
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| Berichte aus Ungarn |
Staatspräsident zurückgetreten Plagiatsäffäre um Doktorarbeit von Staatspräsident Pál Schmitt Am 2. April trat der ungarische Staatspräsident Pál Schmitt vom höchsten ungarischen Staatsamt zurück. Vorausgegangen waren Demonstrationen und Rücktrittsforderungen, als ihm am 29. März wegen seiner als Plagiat eingestuften Doktorarbeit der Doktortitel aberkannt worden war. Der Senat der Budapester Semmelweis-Universität sah es als erwiesen an, dass Schmitt mindestens 197 Seiten seiner 215 Seiten umfassenden Dissertation von anderen Autoren abgeschrieben hat. Allein 180 Seiten sollen eine Übersetzung der Arbeit eines bulgarischen Sportwissenschaftlers sein. Schmitt hatte die Dissertation über die olympischen Spiele der Neuzeit 1992 an der damaligen Sportuniversität eingereicht. Wenige Tage später nach der Entscheidung des Senats trat der Rektor der Semmelweis-Universität, Tivadar Tulassay, zurück.
Der Staatspräsident betonte unmittelbar danach in einem Fernsehinterview, dass es zwischen seiner vor 18 Jahren entstandenen Doktorarbeit und seiner Wahl zum Staatspräsidenten keinen Zusammenhang gebe. Er habe seine Dissertation nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán unterstützte Pál Schmitt auch nach der Entscheidung des Universitätssenats und wies damit Forderungen nach einem Rücktritt zurück, als im Bund junger Demokraten (Fidesz) solche Stimmen aufgekommen waren. Oppositionspolitiker forderten sofort scharf den Rücktritt des Präsidenten.
Nach dem Fernsehinterview kam es zu Sitzdemonstrationen auf den Budapester Brücken. 19 Demonstranten wurden verhaftet. Auch vor dem Sándor-Palais auf der Burg forderten in Zelten kampierende Demonstranten den Rücktritt des Staatspräsidenten. Am 2. April zog Pál Schmitt die Konsequenzen und gab im Parlament seinen Rücktritt bekannt. Er wolle mit diesem Schritt vermeiden, dass die Nation durch seine Person gespalten werde. Pál Schmitt wurde am 13. Mai 1942 in Budapest geboren. Er studierte an der Karl-Marx-Universität und promovierte an der Sportuniversität. Bekannt wurde er als Degenfechter. In dieser Disziplin wurde er ungarischer Meister und gewann er in Mexiko und München olympische Goldmedaillen. Später wurde er Präsident des ungarischen olympischen Komitees und ist seit 1983 Mitglied im IOC. Als Botschafter vertrat er Ungarn in der Schweiz und in Spanien. Seit 2003 ist er stellvertretender Vorsitzender von Fidesz. 2010 wurde er zum ungarischen Staatspräsidenten gewählt.
kjl
Orbán in München Am 22. März traf der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán in München mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer zusammen. Orbán kam zu einem politischen Meinungsaustausch in das Prinz-Carl-Palais in München.
Zusammenarbeit ruht auf breitem Fundament Bayern und Ungarn vereinbaren Vielzahl neuer Kooperationsprojekte Bayerns Europaministerin Müller hat anlässlich der 17. Sitzung der gemeinsamen Regierungskommission Bayern-Ungarn im ungarischen Györ die erfolgreiche Partnerschaft zwischen den beiden Ländern gewürdigt. Müller: »Die Zusammenarbeit zwischen Bayern und Ungarn in der gemeinsamen Regierungskommission ruht auf einem breiten Fundament. Bei der 17. Sitzung der Kommission wurde eine Reihe konkreter Kooperationsprojekte vereinbart, die für beide Partner echten Mehrwert bringen.« Das Abschlussprotokoll der Kommissionssitzung hält eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen fest, die sich auf alle Themen der bilateralen Zusammenarbeit erstrecken. Sie reichen von den Bereichen Wirtschaft und Verkehr, Verwaltung, Polizei und Justiz, über Bildung, Wissenschaft und Kultur bis hin zu Landwirtschaft, Gesundheit und Umwelt. Im Bereich der Wissenschaft zählt dazu auch die gemeinsame Fortführung der Unterstützung für die deutschsprachige Andrássy Universität Budapest. Die Regierungskommission Bayern-Ungarn ist am 22. und 23. März im ungarischen Györ zu ihrer 17. Sitzung unter Leitung von Ministerialdirektorin Dr. Gabriele Stauner und Ungarns Außenstaatssekretär Zsolt Németh zusammengekommen. Die nächste Sitzung der Regierungskommission wird turnusgemäß im Frühjahr 2014 in Bayern stattfinden.
Häuserbau Immobilienmarkt in Budapest eingebrochen Der Häuserbau sank im vergangenen Jahr auf das niedrigste Niveau seit Beginn der entsprechenden Statistik 1930. 2011 wurden nur noch 12655 Eigenheime gebaut. Dies sind fast 40 % weniger als 2010. Die Zahl der Immobilientransaktionen brach ebenfalls ein. 2011 waren es nur noch 90.000. Auf dem Höhepunkt des Immobilienbooms 2003 waren es um die 270.000. War es durch die Fremdwährungskredite früher einfach, in Ungarn an Kredite zu kommen, führte dies mit dem Einbruch des Forints und der gravierenden Steigerung der Kreditverbindlichkeiten zu massiven Problemen für viele Privathaushalte. Dies hat noch immer Folgen für den Immobilienmarkt.
Auch im kommerziellen Immobilienbereich ist die Situation nicht gerade rosig. Die Leerstände bei Büroflächen liegen in Budapest bei 20 %.
In der Stadt sind die zahlreichen Plakate, die zu vermietenden oder zu verkaufenden Büroraum anpreisen, nicht zu übersehen. Auch zahlreiche Läden stehen inzwischen leer. Bemerkbar sind auch die nicht fertig gestellten Bürogebäude in und um Budapest, die wohl erst einmal als Bauruinen im Rohbau stehen bleiben, bis der Markt wieder anzieht. Gleichzeitig fehlen aber kommerzielle Büroflächen für anspruchsvolle Mieter. Die geringe Nachfrage nach Immobilien in der Hauptstadt hat auch der Bauwirtschaft empfindliche EinPál Schmitt bußen bereitet.
kjl
Daimler startet Produktion in Kecskemét Kecskemét – Daimler hat am 29. März die Produktion in seinem neuen Pkw-Werk in Kecskemét gestartet. Damit rollen weniger als vier Jahre nach der Standortentscheidung im Sommer 2008 erstmals Mercedes-Benz Personenwagen in Ungarn vom Band. Zum Festakt anlässlich der Eröffnung begrüßten Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, Werkleiter Frank Klein sowie der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán rund 600 ungarische und deutsche Gäste.
Bei der Pressekonferenz betonte Dr. Dieter Zetsche die Bedeutung des neuen Standorts: »Mit dem Produktionsstart in Kecskemét geht der Angriff von Mercedes-Benz im Premium-Kompaktsegment in die nächste Runde. Dank des Produktionsverbunds der Werke Rastatt und Kecskemét verfügen wir nun über die Kapazitäten, um die Wünsche vieler – auch neuer – Kunden im Premium-Kompaktsegment zu erfüllen.«
Zetsche kündigte in diesem Zusammenhang an, dass mit dem 4-türigen Coupé der neuen Mercedes-Benz Kompaktwagen-Generation eine weitere Baureihe an den neuen Standort kommen wird. Im Zuge der weiteren Werksentwicklung wird die Mitarbeiterzahl bis Ende des Jahres von derzeit rund 2.500 auf mehr als 3.000 aufgestockt.
Einen besonderen Dank sprach Zetsche den ungarischen Partnern in Politik, Verwaltung und Gesellschaft aus: »Sie haben uns als Freunde willkommen geheißen und uns in allen Belangen des Werksaufbaus tatkräftig unterstützt. Ihr unermüdliches Engagement war einer der wichtigsten Gründe für das Gelingen dieses Projekts und wird auch weiterhin entscheidend zum Erfolg des Mercedes-Benz Werks Kecskemét beitragen.«
Zetsche würdigte auch die hervorragenden Leistungen der ungarischen, deutschen und internationalen Mitarbeiter beim Aufbau des neuen Werks: »Diese Mannschaft hat exemplarisch gezeigt, wie wir in den kommenden Jahren unsere Pkw-Produktionskapazitäten weltweit ausbauen werden. Damit schaffen wir die Grundlagen für die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie Mercedes-Benz 2020.«
Frank Klein, Geschäftsführer der Mercedes-Benz Manufacturing Hungary Kft., sagte: »Heute schreiben wir Geschichte: Weniger als vier Jahre nach der Standortentscheidung ist Mercedes-Benz Made in Hungary Wirklichkeit geworden. Wir können von nun an zeigen, dass wir ein wichtiger Pfeiler des Mercedes-Benz Produktionsnetzwerks sind. Dank unserer intensiven Vorbereitungen sind wir in der Lage, bereits ab dem ersten Fahrzeug die gewohnte Mercedes-Benz Qualität zu produzieren.«
Das erste Fahrzeug aus dem Werk wird im Rahmen einer Auktion versteigert. Der Erlös wird an die ungarische Hilfsorganisation Nemzetközi Gyermekmentő Szolgálat (Internationaler Kinderrettungsdienst) gespendet.
Zusätzliche Kapazitäten für die Produktion der B-Klasse
Als erstes Produkt der neuen Mercedes-Benz Kompaktwagen-Generation läuft ab sofort im neuen Werk die B-Klasse vom Band, deren Produktion im September 2011 bereits im deutschen Werk Rastatt angelaufen war. Mit diesen erweiterten Produktionskapazitäten kann jetzt der großen Kundenresonanz umfassend Rechnung getragen werden: Seit Markteinführung im November 2011 hat Mercedes-Benz bereits mehr als 100.000 Auftragseingänge für die B-Klasse verzeichnet.
Für die Produktion der neuen Mercedes-Benz Kompaktwagen-Generation hat Daimler insgesamt 1,4 Milliarden Euro investiert, davon 800 Millionen Euro für den Neubau des Werks Kecskemét und 600 Mio. Euro für die Erweiterung des Werks Rastatt. Die gemeinsame Produktion der B-Klasse in Rastatt und Kecskemét ermöglicht die flexible und jeweils optimale Steuerung der Auslastung beider Werke. Diese Volumenflexibilität leistet einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit des Produktionsverbunds. Weiterhin sorgt die gemeinsame Architektur der neuen Kompaktwagen-Generation für die vollständige Typflexibilität der Fertigung: Auf ein und demselben Band sind prinzipiell alle Modelle des Standorts – in allen Varianten des Produktprogramms sowie in beliebiger Reihenfolge – darstellbar.
Zum Produktionsverbund gehört auch die leistungsfähige logistische Verbindung zwischen den beiden Werken, die Teil des Daimler-Rail-Net Verbundes sind. Die neue Ost-West-Schienenverbindung ergänzt seit Kurzem die bestehenden Nord-Süd-Verbindungen zwischen den Powertrain- und Fahrzeugwerken in Deutschland. Per Bahn werden dabei vor allem Karosserieteile, Motoren, Getriebe und weitere Komponenten aus den deutschen Standorten nach Kecskemét geliefert. Ab dem Jahr 2013 wird zudem der Großteil der Fertigfahrzeuge in Gegenrichtung auf der Schiene transportiert. Dies führt im Endausbau in Summe zu einer jährlichen CO2-Einsparung von bis zu 60.000 Tonnen.
Das Werk in Kecskemét wurde als erstes Pkw-Produktionswerk im Konzern vorab zu 100 Prozent digital geplant und dreidimensional abgesichert. Dies war eine wichtige Voraussetzung für den perfekt getakteten Ablauf aller Arbeiten und die Einhaltung aller Termin- und Kostenziele.
Im Werk kommt modernste und umweltgerechte Technik zum Einsatz: So ist die Lackierung mit dem innovativen Verfahren der Trockenabscheidung eine der weltweit modernsten und Ressourcen schonendsten Anlagen dieser Art. Beim gesamten Energiekonzept wurde ein besonderer Fokus auf Effizienz gelegt, z. B. in der Lüftungstechnik der Produktionshallen mit Wärmerückgewinnung, der Verwendung von hoch effizienten Lichtbandsystemen für die Beleuchtung oder der Nutzung von zwei Blockheizkraftwerken zur Strom- und Wärmeversorgung.
Attraktivster Arbeitgeber der Region
Das Werk ist in der Region der attraktivste Arbeitgeber – nicht zuletzt dank dem großen Stellenwert, den die Qualifzierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genießt. Alle neuen Beschäftigten durchlaufen intensive Schulungsprogramme, die sowohl im werkseigenen Bildungszentrum in Kecskemét als auch an den deutschen Standorten, vor allem im Werk Rastatt, angeboten werden. Diese gründliche und hochwertige Qualifizierung ist der maßgebliche Erfolgsfaktor, um am neuen Standort von Beginn an Fahrzeuge in Top-Qualität auf Mercedes-Benz Niveau zu produzieren.
Die zukünftigten Bedarfe an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sichert das Mercedes-Benz Werk Kecskemét zudem über strategische Partnerschaften im Bildungsbereich ab. Neuland betritt das Werk dabei vor allem mit dem Angebot einer hochwertigen dualen Berufsausbildung nach deutschem Vorbild, die gemeinsam mit der Stadt Kecskemét und der IHK des Komitats Bács-Kiskun vorangetrieben wird. Die ersten 34 Auszubildenden haben 2011 ihre Ausbildung aufgenommen, der nächste Ausbildungsjahrgang startet im September 2012 mit weiteren 36 Auszubildenden.
Im Hochschulbereich kooperieren das Mercedes-Benz Werk und die Fachhochschule Kecskemét, um eine praxisorientierte, duale Hochschulausbildung zu ermöglichen. Ab September 2012 werden die ersten Studenten in dieser neuen Ausbildungsform ihr Studium beginnen.
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