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58. Bundesschwabenball in Gerlingen

58. Bundesschwabenball in Gerlingen
Bundesschwabenball in Gerlingen: Moderator Alfred Freistätter inmitten der Trachtengruppen
Wie in jedem Jahr zeigten ungarndeutsche Kulturgruppen ihre schönen Trachten und belebten mit ihren Volkstänzen den Bundesschwabenball, der am 20. April in der Stadthalle zu Gerlingen stattfand. Im Zentrum standen die Vorführungen der Tanzgruppe aus Elek. Und die Gäste freuten sich an der schönen Blasmusik, die Michael Ostfalk mit seiner Budaörser Heimatkapelle für die vielen Tänzer spielten.

Zahlreiche Ehrengäste konnte Gerlingens Bürgermeister Georg Brenner in der Stadthalle begrüßen, darunter waren der Europa-Abgeordnete Rainer Wieland, der Landtagsabgeordnete Klaus Hermann und Landrat Dr. Rainer Haas. In seiner Begrüßungsansprache gab Georg Brenner auch bekannt, dass er den ihm angetragenen ungarischen Verdienstorden, der beim Bundesschwabenball hätte verliehen werden sollen, abgelehnt habe. Er begründete dies mit der ungarischen Politik der letzten Woche, die sich nach seiner Sicht von den demokratischen Grundrechten entferne, wegen der Anfeindung von Roma in Ungarn, antisemitischer und revanchistischer Tendenzen, dem Umgang mit Obdachlosen und Eingriffen in die Pressefreiheit. In Deutschland habe er dafür viel Unterstützung und Rückendeckung erfahren, aus Ungarn seien allerdings zum Teil heftige Anfeindungen gekommen. Man habe ihn beschuldigt, das Sprachrohr der ungarischen Opposition zu sein und den Veröffentlichungen von Medien aufzusitzen, die unwahre, tendenziöse und verzerrte Nachrichten über Ungarn verbreiteten. Ausdrücklich bekannte sich Brenner zur Freundschaft mit den Menschen in der ungarischen Partnerstadt Tata.

Da er einen Brief mit einer ausführlichen Begründung seiner Ablehnung des Verdienstordens vorab seinem Bürgermeisterkollegen der ungarischen Partnerstadt Tata geschickt hatte, sagte Bürgermeister József Michl seine Teilnahme am Bundesschwabenball kurzfristig ab. Er bedauerte allerdings in einem Brief an Georg Brenner die Entwicklung und hofft auf eine Korrektur der Meinung Brenners über Ungarn. Einen Brief der Vorsitzenden der deutschen Selbstverwaltung Tata, Monika Schmitt, verlas der stellvertretende Gerlinger Bürgermeister Horst Arzt. Ebenso blieben der parlamentarische Staatssekretär des ungarischen Außenministeriums Zsolt Németh, der den Orden hätte überreichen sollen, und der ungarische Generalkonsul in München, Tamás Mydlo, dem Bundesschwabenball demonstrativ fern.

Trotz einer Hochzeit im engen Familienkreis war der baden-württembergische Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten, Peter Friedrich, nach Gerlingen gekommen. Er unterstützte Georg Brenner in seiner Ablehnung des ungarischen Verdienstordens. Auch Friedrich kritisierte die Entwicklung in Ungarn: »Wir dürfen nicht kritiklos zusehen, was dort gerade passiert«. Die Kritik gelte allerdings nicht dem ungarischen Volk und der ungarischen Nation: »Ungarn wird nicht gehasst«. Aber man dürfe nicht wegschauen. Als Beispiele von Tendenzen, an denen Kritik zu üben sei, nannte der Minister Justiz, Presse und Wissenschaft. Hier sieht er eine Einschränkung der Freiheit.

Als neuen Freund bezeichnete der Bürgermeister von Elek, László Pluhar, den Gerlinger Bürgermeister. Er war mit der Tanzgruppe nach Gerlingen gekommen und freute sich über den schönen Auftritt der Tanzgruppe seiner Stadt.

Als Vertreterin des ungarischen Generalkonsulats in München war Konsulin Rita Chiovini nach Gerlingen gekommen. Sie machte deutlich: »Dass ich hier als Vertreterin Ungarns stehe, ist allein der Achtung gegenüber den Ungarndeutschen geschuldet«. Massiv trat sie den Vorrednern entgegen, indem sie betonte, dass Ungarn nach wie vor eine Demokratie sei. Sie hoffe nach wie vor, dass die ideologischen Kämpfe nicht in die Städtepartnerschaft eindringen. Deutlich kritisierte sie das Verhalten Bürgermeister Brenners, dem sie eine Belastung der bilateralen Beziehungen unterstellte. Demonstrativ verließ sie nach ihrer Rede den Bundesschwabenball.

Für die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn begrüßte deren Ehrenvorsitzender Dr. Friedrich A. Zimmermann die Gäste. Er ging auch kurz auf die Gedenkveranstaltung des ungarischen Parlaments am 11. März ein. Er würdigte die Einführung eines Gedenktags für die Vertreibung, kritisierte aber die offensichtlich falsche Formulierung, da im Gesetzestext von der Deportation die Rede sei, und die Abschiebung der Verantwortung an der Vertreibung auf die Alliierten.
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