archivierte Ausgabe 3/2013 |
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| Titelthema |
Zum Tod von Dr. Paul Ginder |
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Gerne hätte er seinen hundertsten Geburtstag noch gefeiert. Und gerne hätten wir an dieser Stelle in der September-Ausgabe eine Würdigung zu diesem hundertsten Geburtstag veröffentlicht. Dazu kam es nun doch nicht. Es musste nun ein Nachruf werden, denn Dr. Paul Ginder starb am 27. Januar in Gerlingen im Alter von 99 Jahren. Man hat ihn als Redner noch gut in Erinnerung. Wenn er mit verschmitztem Lächeln einen Einwand vorbrachte oder wenn er mit deutlich erhobener Stimme seine Meinung vortrug. Mit Paul Ginder starb ein Zeitzeuge der Zwischenkriegszeit in Ungarn und ein Zeitzeuge der Eingliederung der Heimatvertriebenen in Deutschland. Zeit seines Lebens befasste er sich mit der ungarischen Geschichte. Lange kämpfte er gegen die »Potsdamlegende« an, mit der man in Ungarn die Verantwortung an der Vertreibung gerne den Alliierten zuschob. Früh durchschaute er dieses Spiel und machte die ungarische Verantwortung so lange deutlich, bis sie tatsächlich durch entsprechendes Archivmaterial nachgewiesen werden konnte.
Paul Ginder war ein scharfer Beobachter. Er war es immer. Sachverhalte analysierte er genau. Das darf man von einem promovierten Juristen erwarten. Dass er die Sachverhalte in einen moralischen Zusammenhang setzte und an das Gute im Menschen glaubte, das war die Besonderheit Paul Ginders. Dass er an das Gute im Menschen glaubte, hinderte ihn nicht daran über deren Unfähigkeit zum friedlichen Miteinander schier zu verzweifeln. Und hier war Paul Ginder nicht mehr der trockene Jurist sondern der leidenschaftliche Verfechter eines friedlichen Ausgleichs. Inzwischen wurde er für seine Rolle als Mahner eines europäischen Zusammenlebens vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit der goldenen Ehrennadel der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in Budapest. Bundesdeutsche Auszeichnungen waren dem vorausgegangen. Schließlich gehörte er 1949 zu den Gründern der Ungarndeutschen Landsmannschaft und war intensiv um die Eingliederung und Versorgung der ungarndeutschen Landsleute bemüht. Caritas-Flüchtlingshilfe, Soforthilfe der Stadt Stuttgart, Landesausgleichsamt, Heimatauskunftsstelle und Beschwerdeausschuss des Regierungspräsidiums waren Stationen seines beruflichen Lebens, bei denen er mit dem Leid der Heimatvertriebenen, ihrer Hilflosigkeit in der Fremde und ihrem »unbändigen Heimweih«, wie er das einmal nannte, konfrontiert wurde. Schnell erkannte er, dass eine Rückkehr der Vertriebenen nach Ungarn nicht mehr möglich war und mit der ihm eigenen Umtriebigkeit kümmerte er sich um Möglichkeiten eines wirtschaftlichen Neuanfangs, suchte Baugrundstücke und Finanzierungsmöglichkeiten und sorgte dafür, dass die Landsleute schnell zum neuen Eigenheim kamen. [...]
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